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Magischer Bach in Wolfratshausen soll Liebeskummer geheilt haben: Hinter der Sage steckt eine Tragödie

Von: Dominik Stallein

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Ein Bach aus Tränen? In der Region Wolfratshausen soll ein magischer Wasserlauf gesprudelt haben.
Ein Bach aus Tränen? In der Region Wolfratshausen soll ein magischer Wasserlauf gesprudelt haben. © sh

Wer seine Hand ins Wasser hielt, wurde von Kummer geheilt: Um die Region ranken sich viele Sagen. Hinter dieser steckt eine Tragödie.

Wolfratshausen – Dass Theresia aus ärmlichen Verhältnissen stammte, war dem Adeligen egal: Ihre Schönheit und Fröhlichkeit bezauberten den Sohn des Grafen von Wolfratshausen einfach. Der junge Mann war so fasziniert von der bildschönen Köhlerstochter, dass er sie trotz aller Standesunterschiede umgarnte. Theresia ließ sich auf die Liebschaft ein. Bis sie eines Tages vergeblich an ihrem geheimen Treffpunkt wartete:

Der Grafensohn hatte sich – wohl auf Befehl seines Vaters – mit einer vermögenden Blaublütigen verlobt.

Bald wollte das Paar heiraten, hörte Theresia im Ort. Für die verliebte Frau brach eine Welt zusammen. „Das stets so fröhliche Mädchen lachte von Stund’ an nie mehr“, erzählten sich die Leute. Am Hochzeitstag war die Region in heller Aufruhr, man trank auf das Wohl des jungen Grafenpaars. Nur zwei Menschen sah man nicht: Theresia und ihren Vater. Statt zu feiern sammelten sie jede Menge Holz – und fackelten die armselige Hütte ab, in der sie hausten.

Am nächsten Morgen fanden Arbeiter die Trümmer, die von der kargen Behausung übrig geblieben waren. Dunkler Rauch stieg in den Himmel, vom Köhler und seiner Tochter gab es keine Spur mehr. Das dachten die Arbeiter zumindest, denn unter den Fragmenten der Hütte sprudelte eine klare Quelle, die man nie zuvor gesehen hatte. Aus ihr wurde ein kleines Bächlein, das die Menschen noch lange an Theresia und ihren Vater erinnerte.

Man erzählte sich, dass das Rinnsal magische Kräfte hatte: Wer seine linke Hand ins klare Wasser hielt oder seine Stirn mit der Flüssigkeit benetzte, wurde auf der Stelle von seinem Liebeskummer geheilt. Viele junge Menschen sollen hier Trost gefunden haben. Denn in dem Bächlein, das mit der Zeit immer breiter wurde, soll – so die Überlieferung – nicht einfach Wasser geflossen sein. Die Legende besagt, dass der Wasserlauf die schier unendlich vielen Tränen der verlassenen Theresia seien. Deshalb soll das Wasser salzig geschmeckt haben – „wie Tränen, so als hätte sich jemand totgeweint“, schreibt die Autorin Gisela Schinzel-Penth in „Sagen und Legenden von Wolfratshausen und Umgebung“.

Was aus Theresia und ihrem Vater nach dem Brand wurde, ist nicht genau überliefert. In Wolfratshausen hieß es, sie sei nach Kochel gezogen und habe dort einen Köhler geheiratet. Kurz nach der Hochzeit sei sie an einer Krankheit verstorben. In der Loisachstadt erinnerte der Tränenbach an die junge Frau. Ob es den Wasserlauf noch heute gibt, ist nicht bekannt.

In unserer Serie „Sagenhafte Heimat“ stellen wir in loser Reihenfolge Sagen und Legenden aus der Region vor. Wer Infos beisteuern kann, meldet sich per E-Mail an redaktion@isar-loisachbote.de.

Übrigens: Alles aus der Region gibt‘s auch in unserem regelmäßigen Wolfratshausen-Geretsried-Newsletter.

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