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Marktplatzgestaltung: Jetzt kamen die Anlieger zu Wort

Der Gerolzhöfer Marktplatz wird in den kommenden Jahren sein Gesicht verändern. Der Stadtrat hat, wie berichtet, vor kurzem einen Ideen-Wettbewerb angestoßen, der dazu führen soll, möglichst viele gute Vorschläge für die Neugestaltung des zentralen Platzes vorliegen zu haben. Unter diesen soll dann eine Jury im Mai 2022 den Sieger-Entwurf küren. Am Mittwochabend waren in der Stadthalle die unmittelbaren Anlieger gefragt, ihre Meinungen und Wünsche zu äußern.

Diese als Bürgersprechstunde titulierte Veranstaltung war wegen den geltenden Corona-Bedingungen kein offener Termin, zu dem jeder Interessierte dazustoßen konnte. Erschienen waren inklusive Stadtratsmitglieder knapp 20 den Eingeladenen, vor allem Geschäftsleute, aber auch Vertreter der örtlichen Gastronomie. Stadtteilmanager Daniel Hausmann sammelte deren Wortmeldungen und nimmt in den kommenden Tagen im Altstadtbüro auch noch weitere Anregungen von Einwohnern der Stadt entgegen. Zudem wird die am ersten November-Wochenende verteilte Ausgabe des Gerolzhöfer Amtsblatts eine Karte enthalten, auf der Einwohner einen Gestaltungswunsch zur Marktplatzgestaltung aufschreiben und an die Stadt übermitteln können. Bis Januar 2022 – so der Zeitplan – sollen die Unterlagen mit den Zielsetzungen des Gestaltungswettbewerbs vollständig sein und an die beteiligten Planungsbüros verschickt werden.

Am Ende kommt es wohl auf Kompromisse an

Laut Bürgermeister Thorsten Wozniak gehe es bei dem anstehenden Großprojekt darum, das gesellschaftliche, wirtschaftliche und kulturelle Herz der Stadt als "lebendiges Zentrum weiterzuentwickeln". Der Marktplatz und das begleitende bauliche Ensemble sei ein Teil dessen, was für die Einwohner der Stadt "Heimat ausmacht". Der "neue" Marktplatz soll am besten hell, barrierefrei, klimafreundlich und leicht zugänglich sein, umriss Wozniak die bevorstehende Aufgabe. "Wir wollen nicht mehr als alles für den Marktplatz erreichen", fasste er das Vorhaben zusammen – und ließ damit durchklingen, dass am Ende wohl nicht alle Ziele erreichbar sein werden und man mit manchen Kompromissen wird leben müssen.

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Die Broschüre mit den Vorgaben für den Wettbewerb, den die Büros erhalten, muss exakte Vorgaben enthalten, erklärte Thomas Wirth vom Stadtplaner-Büro arc.grün aus Kitzingen, das im Auftrag der Stadt den Wettbewerb ausrichtet. Dies gelte beispielsweise für die Zahl der Parkplätze, die es am Marktplatz künftig geben soll. Der Stadtrat muss sich also in Kürze auf eine Zahl festlegen. Nur so haben alle Wettbewerbsteilnehmer die gleiche Basis für die Planung.

Versenkbare Absperrungen und Versorgungspunkte

Die Wortmeldungen des Abends ergaben einige Punkte, die bislang noch nicht öffentlich zu hören waren. Zum Beispiel wurde der Wunsch geäußert, den Sonnenstand bei der Wahl möglicher Schattenspender, etwa Bäumen, einzuplanen, sowie flexible Überdachungen vorzusehen, die bei Festen aufgespannt werden können. Versenkbare Absperrpfosten an den Marktplatz-Zufahrten könnten den wiederkehrenden Auf- und Abbau von Barrieren vor und nach Veranstaltungen auf dem Markplatz überflüssig machen, lautete ein weiterer Vorschlag. Versorgungspunkte (Strom, Wasser) für Stände und Buden sollten strategisch gut verteilt und ebenfalls im Boden versenkbar sein.

Mehrere Anwesende warben dafür, möglichst viel Stellflächen für Autos zu erhalten und diese möglichst flexibel zu halten. Soll heißen: Falls (mehr) Flächen für Außengastronomie benötigt werden, könnten vereinzelte Stellplätze dafür verwendet werden, im Winter würden diese dann aber wieder für Fahrzeuge bereitstehen. Ähnlich könnten auf der Fläche vor dem Hauptportal der Stadtpfarrkirche einig paar wenige Bedarfsparkplätze entstehen, die aber nur zu bestimmten Anlässen freigegeben würden. Insgesamt, so ein Wunsch, sollten am Marktplatz "keine toten Freiflächen" bleiben, alle verfügbaren Flächen am Marktplatz sollten also möglichst komplett und konkret genutzt werden, sei es für Stellplätze, Verkehrsflächen, mobile und dauerhafte Sitzgelegenheiten oder für Begrünung, eventuell sogar ein "grünes Kunstwerk".

Beleuchtung für verschiedene Anlässe und Wasserspiele

Wenig überraschend: Anlieger wünschten sich neben gut – auch mit Stöckelschuhen – begehbaren Laufflächen, dass die Zufahrt zu Geschäften und Praxen während der gesamten Bauphase sichergestellt bleibt. Über Bauabschnitte und anstehende Maßnahmen sollten davon Betroffene ausführlich und frühzeitig informiert werden. Zuletzt bereits diskutiert war die Möglichkeit, die Plastersteine wiederzuverwenden und eventuell den Standort des Brunnens zu verlegen. Neu war dagegen der Hinweis, von den Planungsbüros möglichst umfangreiche Beleuchtungskonzepte für den Marktplatz, die unterschiedliche Anlässe und Szenarien berücksichtigen, anzufordern. Bodenebene Wasserspiele könnten im Sommer erfrischen und zum Spielen einladen, würden aber, wenn sie abgestellt sind, als Flächen anderweitig nutzbar bleiben, erklärte eine Anliegerin.

Ein Gestaltungswunsch zielte auf ein Merkmal, das das gesamte Markplatz-Umfeld betrifft: Beim Blick auf den Straßenplan der Altstadt fällt auf, dass die historische Stadtdurchfahrt von der Spitalstraße über den Markplatz und die Marktstraße das Areal diagonal durchquert. Diese Diagonale könnte in irgendeiner Form in der Gestaltung des Marktplatzes aufgegriffen werden, um diesem etwas von der derzeit dominierenden Form eines großen Rechtecks zu nehmen.

Impulsreferate laufen zeitlich aus dem Ruder

Die Bürgersprechstunde dauerte knapp zweieinhalb Stunden. Wobei die eingeladenen Bürgerinnen und Bürger nicht einmal eine Stunde das Wort hatten. Denn eingangs wurden über eineinhalb Stunden lang die hinlänglich bekannten, vor vier Jahren erstellten Konzepte zur Entwicklung des Einzelhandels und zum Verkehr in der Gerolzhöfer Altstadt vorgestellt. Diese Konzepte, die der Stadtrat längst beschlossen hat, waren eigentlich als Impuls für die folgende Diskussion zur Marktplatzgestaltung gedacht. Doch dann verleiteten die Inhalte doch zu sehr dazu, darüber zu diskutieren. Dies torpedierte etwas den Zeitplan des Bürgermeisters, der sich eingangs gewünscht hatte, die Veranstaltung möge nach spätestens 100 Minuten enden.