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„Markus Lanz” über Lockerungen: Experte mit Satz, bei dem alle Alarmglocken schrillen

Köln -

Der Druck ist enorm: Bund und Länder ringen um einen Weg aus dem Lockdown. Einen Tag vor den Beratungen am Mittwoch sieht der Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs bei „Markus Lanz“ (ZDF) am Dienstagabend (2. März) das Treffen mit Sorge. Er plädiert eindrücklich dafür, sehr vorsichtig mit Öffnungen und Lockerungen umzugehen. Besonders ein Satz lässt die Alarmglocken schrillen.

Die Erwartungen auf Lockdown-Lockerungen sind riesig, doch die Gefahren durch die neuen Virusvarianten ebenso. Diskutiert wird ein Stufenplan mit regionalen Öffnungen und viel mehr Tests. Doch es gibt noch viele Fragezeichen.

„Markus Lanz“: „Stufenpläne sind immer nur so gut, wie sich das Virus verhält“

Der Epidemiologe Prof. Timo Ulrichs erklärt bei Lanz, man kann sich solche Stufenpläne natürlich zurechtlegen, die auch auf Erfahrungswerten aus verschiedenen Ländern basieren. Also auch darauf, was Deutschland in den Monaten mit der Pandemie bereits lernen konnten. „Aber die Stufenpläne sind immer nur so gut, wie sich das Virus verhält. Und dann sind sie ganz schnell wieder über den Haufen zu werfen. Wenn wir zum Beispiel wieder akut ein exponentielles Wachstum einfangen müssen“, mahnt der Experte.

Man könne Forderungen nach Öffnungen natürlich stellen, „aber wir müssen sehen, wie wir mit der Situation zurechtkommen. Es sieht so aus, als würden wir schon lange der Sache hinterherlaufen.“ Dann blickt er zurück auf die Situation im Herbst des vergangenen Jahres: „Vor der zweiten Welle hätte man schon etwas entschiedener handeln müssen, im November schon. Und einen richtigen Lockdown machen. Das ist in dem Bund-Länder-Gemenge leider ein bisschen untergegangen. “

Experte bei „Markus Lanz“: „Sind in einer ziemlich labilen Situation“

Anschließend analysiert der Epidemiologe die aktuelle Situation: „Jetzt sind wir in einer ziemlich labilen Situation. Und wir sind eben leider noch nicht in der Lage, dass wir Ausbrüche sicher nachverfolgen können. Weil wir eben noch über dieser kritischen Marke von 50 Neuinfizierten pro 100.000 Einwohnern sind. Deshalb war ja das Ziel, dass man deutlich darunter kommt, um alles besser unter Kontrolle zu behalten.“ Dieses Ziel sei eben noch nicht erreicht.

Deswegen sei das morgige Treffen „wirklich sehr kritisch“ zu betrachten „mit dem, was da entschieden werden muss“, so Ulrichs. „Natürlich kann man sagen: Es bleibt beim alten, es bleibt beim Lockdown, was Besseres fällt uns nicht ein. Aber die Verantwortung ist eben da, die übernommen werden muss. Jetzt ist der Ruf nach Öffnungen zwar sehr laut, aber wir können es uns angesichts der aktuellen Zahlen nicht leisten zu öffnen, ohne etwas kontrolliert mitlaufen zu lassen. Zum Beispiel die Antigen-Schnelltests zur Absicherung.“

„Markus Lanz“: „Wir verlieren Wohlstand“

Ulrichs plädiert für „eine Öffnung nach der anderen“, damit wir schnell die Lage wieder unter Kontrolle bekommen.

„Stochern wir in Wahrheit nicht im Nebel?“, fragt Markus Lanz. Wir wüssten doch gar nicht, wo genau das Infektionsgeschehen stattfindet. Warum also müssen Restaurants schließen, obwohl die Gastronomen Hygienekonzepte erarbeitet haben. Obwohl nicht klar ist, wie sehr Restaurants die Pandemie antreiben – oder eben nicht. Schließlich gehe es hier um Existenzen – „ein dramatischer Schaden, der nur langsam sichtbar wird“, so Lanz. „Wir verlieren Wohlstand.“

„Markus Lanz“: Alexander Graf Lambsdorff appelliert an Gesamtkonzept mit Stufenplan

Ist es gerecht, dass die Frisöre aufmachen, die Fußpfleger nicht? Alexander Graf Lambsdorff (FDP) hält die „Toolbox“ des RKI in die Kamera, eine Analyse, die mit einem Ampelsystem zeigt, wie hoch das Risiko in einzelnen Branchen ist. Bei Hotels etwa steht dort „niedrig“, trotzdem müssen sie dicht machen. Gerade Kleinunternehmer würden vor den Trümmern ihrer Existenz stehen. Graf Lambsdorff appelliert an ein Gesamtkonzept in Form eines Stufenplans, das bundesweit gilt und regional differenziert.

Natürlich sei das wirklich sehr schlimm, bestätigt auch Ulrichs. Er meint, dass man nicht nur auf einen Inzidenzwert von 35 schauen sollte. Es sei durchaus möglich, auch bei einem höherem Infektionsgeschehen zu öffnen. Andere Länder würden das vormachen.

Satz bei „Markus Lanz“ lässt Alarmglocken schrillen: „Bewegen uns auf viel höherem Niveau“

Als die Pläne mit der magischen 35 erstellt worden sind, da sah es auch ganz danach aus, als würde die Kurve nach unten gehen. Als würden wir den Wert bald erreichen. Doch nun sei die Situation eine ganz andere. „Haben wir uns zu früh gefreut?“, fragt Lanz den Epidemiologen und verweist auf eine Grafik, die das Infektionsgeschehen zeigt.

„Der Steigungswinkel, den wir derzeit sehen, der ist in etwa so hoch wie Anfang November – anders als damals bewegen wir uns aber auf einem viel höheren Niveau. Das Niveau derzeit ist auch höher als der Peak der ersten Welle.“ Ein Satz, der alle Alarmglocken schrillen lässt.

„Markus Lanz“: Appell des Epidemiologen – „Auf den letzten Metern keine Risiken eingehen“

Denn Deutschland befände sich damit in einem sehr dynamischen Geschehen. „Man kann da sehr schnell wieder ins exponentielle Wachstum kommen“, warnt Ulrichs. Das müsse man mitbedenken, wenn um Lockerungen diskutiert wird.

Zwar würden die Impfungen der Hochrisikogruppen dabei helfen, die Bettenbelegungen auf Intensivstationen gering zu halten. „Leider sind wir noch nicht so weit. Wir haben noch eine Lücke. Wenn wir zu schnell aufmachen, kann es eben noch viele Alte und sehr alte Menschen mit Risiken treffen.“ Ulrichs appelliert: „Wir sollten auf dem letzten Metern keine Risiken eingehen.“ (mg)

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