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Marxismus und Intersektionalität: Stark, wenn man’s auch nicht sieht

Hoch die interkontinentale Solidarität: Demonstranten in Sydney bringen am 6. Juni 2020 ihre Unterstützung für die amerikanische „Black Lives Matter“-Bewegung zum Ausdruck. Bild: AFP

Ein schüchterner Muskelprotz auf dem sozialtheoretischen Kampfplatz: Die Kritik des Marxismus am Intersektionalismus überzeugt, aber wo ist die Alternative?

Wer als Kind einer alleinerziehenden Mutter aufwächst, in prekären finanziellen Verhältnissen lebt, eine dunkle Hautfarbe trägt und sich sexuell zu Personen des gleichen Geschlechts hingezogen fühlt, muss damit rechnen, auf mehrfache Weise gemobbt, beleidigt oder benachteiligt zu werden. Während sozialwissenschaftliche Untersuchungen den Ursachen solcher sich im Alltag überkreuzender Formen von Diskriminierung auf die Spur kommen wollen, bemüht sich der politische Aktivismus darum, unterdrückte Bevölkerungsgruppen zu einer politischen Kraft zu vereinen. Beide stützen sich dafür auf den von der Juristin Kimberlé Crenshaw geprägten Begriff der „Intersektionalität“. Aber kann dieser in der politischen Praxis tatsächlich leisten, was er in der Theorie verspricht?

In jüngster Zeit mehren sich kritische Stimmen, die genau das bestreiten. So klagte die queere Aktivistin Patsy L’amour laLove in dem von ihr herausgegebenen Sammelband „Beißreflexe“ (2017), in Sachen Mobbing stünden die zu Safe Spaces erklärten Szenetreffpunkte den von vielen homosexuellen Jugendlichen als traumatisch erlebten Schulhofsituationen häufig in nichts nach. Wie in Sekten gehe es „weniger um Argumente als um Zugehörigkeit beziehungsweise Ausschluss aus dem Kollektiv“. Kann es sein, dass die Intersektionalitätstheorie die Tendenz zur Entsolidarisierung und Zersplitterung auf Seiten der gesellschaftlichen Linken sogar noch befördert?