Germany

Mathe-Noten sind keine Ausrede

Frauen sind in deutschen Chefetagen kaum vertreten – das soll sich nun ändern. Die Große Koalition hatte sich vergangene Woche grundsätzlich auf eine verbindliche Frauenquote in Vorständen geeinigt. Doch die Verpflichtung ist umstritten, auch wenn eine aktuelle Studie der Allbright-Stiftung belegt, dass Unternehmen von sich aus wenig für einen höheren Frauenanteil getan haben.

Im September hatten elf der 30 Dax-Konzerne nicht eine Frau im Vorstand. Im Vergleich zu 2019 ist die Zahl sogar gesunken. Ria Schröder (FDP) nennt diese Zahlen „peinlich“, Deutschland sei international abgeschlagen. Die 28-jährige Ex-Chefin der Jungen Liberalen war eine von mehr als 20 Teilnehmerinnen der neuen Konferenzreihe „Better Future“ von WELT AM SONNTAG. Das Thema der überwiegend digitalen Podiumsdiskussion: Wie gelingt „Female Leadership“, wie kommen Frauen in Führungspositionen?

Inga Michler, WELT-Redakteurin, mit dem zugeschalteten Chefredakteur von WELT AM SONNTAG, Johannes Boie, bei der „Better Future“-Konferenz

Inga Michler, WELT-Redakteurin, mit dem zugeschalteten Chefredakteur von WELT AM SONNTAG, Johannes Boie

Quelle: Philip Nuernberger/WELT

Schröder kritisierte: „Wir kriegen es immer noch nicht hin, dass Frauen in den Vorstandsetagen mit am Tisch sitzen“. Eine verbindliche Frauenquote hält sie allerdings für falsch, Unternehmen müssten sich von innen heraus ändern – dazu gehöre auch, das Angebot für Frauen zu verbessern: „Dass nicht nur Mütter, sondern auch Väter Elternteilzeit nehmen, muss zur Normalität werden. Eine Schwangerschaft darf kein Karrierekiller sein.“

Ähnliches gelte für Führungspositionen in der Politik. Vor einigen Jahren wurde Schröder angeboten, die Jungen Liberalen in einer Doppelspitze mit einem männlichen Kollegen zu leiten. „Das habe ich klar abgelehnt, denn ich wollte ja nicht nur 50 Prozent, sondern den ganzen Pott Macht“, so Schröder.

Ehrlich war auch die CDU-Vorsitzende Annegret Kramp-Karrenbauer, als sie sagte: „Im Parlament haben wir aktuell die schlechteste Frauenquote seit 1989. Leider geht die CDU dort mit einem schlechten Beispiel voran.“

Dass schon in der Schule und sogar im Kindergarten die Weichen dafür gestellt werden könnten, wer später in welcher Position landet, kritisiert Staatsministerin Dorothee Bär (CSU): „Die meisten Kinder, die heute in der Grundschule sind, werden in Berufen arbeiten, die es 2020 noch gar nicht gibt“, prophezeite sie.

Technische und digitale Berufe mit naturwissenschaftlichem Schwerpunkt – solche, die bislang einen hohen Männeranteil haben. Bei jungen Frauen sehe sie großen Nachholbedarf und gleichzeitig das größte Potential: „In der Schule schlecht in Mathe zu sein und das als Ausrede anzuführen, um nicht in einen digitalen oder technischen Beruf einzusteigen, ist ein eingeübtes aber schwaches Argument.“

„In Mathe bin ich Deko“ - kontraproduktiv

Auch Entscheider müssten stärker an der Unternehmenskultur arbeiten: „Bis vor Kurzem waren T-Shirts für Mädchen mit dem Aufdruck ‚In Mathe bin ich Deko‘ noch in Mode – das ist natürlich kontraproduktiv, wenn man mehr Frauen in Führungspositionen möchte.“

Auch Podiumsgast Verena Pausder befand, dass digitale Bildung veraltete Rollenbilder aufbrechen könnte. Die Autorin und Gründerin des Vereins „Bildung für alle“ kritisierte, dass einige Mütter ihren Töchtern zu wenig zutrauten. „Manche melden ihre Töchter erst gar nicht für digitale Workshops an, weil sie denken, das interessiere Frauen nicht. Stattdessen werden sie dann zum Reiten geschickt.“

Ihrer Ansicht nach müssten Schülerinnnen schon früh motiviert werden, technische und naturwissenschaftliche Fächer zu studieren. Nur so gelänge es, mehr Frauen in Führungspositionen zu bringen. „Wir dürfen nicht nur die jetzigen Vorstände kritisieren, sondern unsere Hausaufgaben schon in der Kinderbildung machen.“

Sonja Gillert (WELT) mit Magdalena Rogl (Microsoft, zugeschaltet), Claudia Oeking (Philip Morris, zugeschaltet), Düzen Tekkal (Hawwar und German Dream) und Kristina Faßler (WELT) (v.l.n.r.)

Sonja Gillert (WELT) mit Magdalena Rogl (Microsoft, zugeschaltet), Claudia Oeking (Philip Morris, zugeschaltet), Düzen Tekkal (Hawwar und German Dream) und Kristina Faßler (WELT)

Quelle: Philip Nuernberger/WELT

Konferenzteilnehmerin Magdalena Rogl hingegen sitzt heute schon in der Führungsetage. Die Microsoft-Managerin ist allerdings eine Quereinsteigerin: Mit 16 Jahren brach sie die Schule ab und begann eine Ausbildung als Erzieherin.

Echte Diversität erreiche man nur durch eine werteorientierte Unternehmenskultur. Sie nehme allerdings auch wahr, dass sich die Situation für Frauen und Familien während der Corona-Pandemie verschlechtert habe. So sei vielerorts schnell klar gewesen, dass Mütter auf der Arbeit kürzer treten, um sich daheim um die Kinder und deren Bildung zu kümmern. „Das war eine große Rolle rückwärts.“

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Quelle: WELT/Eybe Ahlers

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