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Mauritius bangt wegen des Ölteppichs nach Schiffsunglück

Die Luftaufnahmen aus Mauritius zeigen türkisfarbenes Wasser und um ein Korallenriff schäumende Gischt, ein rotschwarz lackiertes Frachtschiff mit Schlagseite und einen bräunlichen Ölteppich, der sich vom Havaristen aus auf die Inseln zubewegt. Nun hat Pravind Jugnauth, der Ministerpräsident des im Indischen Ozean gelegenen Inselstaats, den Umweltnotstand ausrufen lassen. Organisationen wie Greenpeace warnen vor „einer der schlimmsten ökologischen Krisen, die dieser kleine Inselstaat jemals erlebt hat“.

Thilo Thielke

Thilo Thielke

Freier Berichterstatter für Afrika mit Sitz in Kapstadt.

Vor der Ostküste der für Traumstrände und Korallenriffs bekannten Hauptinsel war am 25. Juli das rund 300 Meter lange japanische Handelsschiff Wakashio auf Grund gelaufen. Es war ohne Fracht, aber mit 4200 Tonnen Öl auf dem Weg von Singapur nach Brasilien gewesen, als es aus bislang ungeklärter Ursache am Riff von Pointe d’Esny auf Grund lief, rund 40 Kilometer südöstlich der Hauptstadt Port Louis. Die Mannschaft konnte in Sicherheit gebracht werden. Versuche, den Treibstoff abzupumpen, blieben aber wegen des schlechten Wetters erfolglos.

Tank geborsten

Am Donnerstag teilte die verantwortliche Nagashiki Shipping Co. mit, wegen des „permanenten Wellenschlags in den vergangenen Tagen“ sei der Tank an der Steuerbordseite des in Panama registrierten Frachters geborsten. Seitdem ströme Öl aus. Außerdem entschuldigte sich die Reederei „zutiefst bei den Menschen in Mauritius und den Betroffenen dafür, dass wir ihnen so viele Probleme bereitet haben“. Eine aus elf Technikern bestehende Rettungsmannschaft, die sich auf dem Schiff befunden hatte, um es zu stabilisieren, musste nach dem Bruch des Tanks geborgen werden.

Nach Angaben von Deborah de Chazal, Exekutivdirektorin der Mauritian Wildlife Foundation, soll die Wakashio bereits ein Viertel ihres Treibstoffs verloren haben. An Bord befanden sich rund 3900 Tonnen schwefelarmes Schweröl, das als Treibstoff benutzt wird, rund 200 Tonnen Diesel und 90 Tonnen Schmieröl.

Da in unmittelbarer Nähe des Unglücksorts ökologisch sensible Gebiete wie die Pointe-d’Esny-Feuchtgebiete oder das Île-aux-Aigrettes-Naturreservat liegen, schlug Regierungschef Jugnauth Alarm. „Wir haben nicht die Expertise und die Erfahrung, um gestrandete Schiffe zu bergen, daher habe ich Frankreich um Hilfe gebeten“, twitterte er an den französischen Staatschef Emmanuel Macron. Frankreich sagte Hilfe zu und entsandte ein Militärflugzeug von einem im Übersee-Departement La Réunion gelegenen Stützpunkt. Die indische Regierung bot ebenfalls Hilfe an, auch Japaner, Amerikaner, Briten. Gut möglich, dass die Ausbreitung des Öls noch unter Kontrolle gebracht werden kann. Experten halten eine Menge von bis zu 20.000 Tonnen ausgetretenem Schweröl für bekämpfbar.

Schaden könnte aber auch die Wirtschaft des Landes nehmen. Die Regierung von Jugnauth war zuletzt unter Druck geraten, die Inseln wieder für den Fremdenverkehr zu öffnen. Mauritius hatte schnell auf die Corona-Pandemie reagiert. Im Januar schon mussten sich Reisende aus China in Quarantäne begeben. Am 18. März, nachdem die ersten Corona-Fälle im Land bekanntgeworden waren, hatte die Regierung alle Häfen und Flughäfen für Fremde schließen lassen. Eine Woche später marschierte die Armee auf, um einen strikten Lockdown zu überwachen.

Die Strategie hatte Erfolg: Insgesamt wurden in dem Staat mit rund 1,3 Millionen Einwohnern 215.000 Menschen auf Sars-CoV-2 getestet, allerdings nur 344 positiv. Zehn mit dem Virus Infizierte starben, der letzte am 27. April. Zwar gab es zwischen Mai und Juli einige wenige Fälle von positiv getesteten Heimkehrern, aber seit mehr als drei Monaten keinen einzigen Fall einer lokalen Übertragung mehr. Die Wirtschaft wurde dennoch hart getroffen. 1,4 Millionen Touristen besuchten die Inseln 2019. Der Fremdenverkehr macht etwa ein Viertel des Bruttoinlandsprodukts von Mauritius aus. Durch das Schließen der Grenzen droht dieses Jahr ein Einbruch der Wirtschaftsleistung um mindestens 13 Prozent.

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