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»Mein bislang größtes Werk«: Ralph Siegel spricht über die Premiere seines Musicals »Zeppelin«

Füssen - Am heutigen Samstag, 16. Oktober feiert das Musical „Zeppelin“ Welturaufführung im Festspielhaus. Im Interview spricht Ralph Siegel über sein Musical.

Mit 75 Jahren will Ralph Siegel mit seinem Musical „Zeppelin“ als Komponist, Textautor und Produzent triumphieren. Die Welturaufführung im Festspielhaus „Neuschwanstein“ kann nach mehreren pandemiebedingten Terminverschiebungen am heutigen Samstagabend stattfinden. Der Kreisbote hatte im Vorfeld die Gelegenheit, mit Siegel über sein neues Musical und die Premiere am Forggensee zu sprechen.

Herr Siegel, Sie gelten als der deutsche Schlagerkönig. Erinnert sei an „Ein bisschen Frieden“, mit dem die Sängerin Nicole 1982 den Euro-Grand-Prix gewonnen hat. Haben Sie als erfolgreicher 70-jähriger Komponist beschlossen, vom Schlagergeschäft in ein anderes, ernsteres Musikgenre zu wechseln?

Siegel: „Es stimmt, seit fünf Jahren arbeite ich an meinem Musical Zeppelin, das jetzt kurz vor seiner Premiere steht. Es stimmt allerdings nicht, dass ich nur Schlager geschrieben hätte. Ich habe 2000 Musikstücke komponiert, die von der GEMA registriert sind, darunter sind 150 Schlager. Ich habe für Peter Alexander, Udo Jürgens und viele weitere Persönlichkeiten im Showbusiness gearbeitet. Mein Spektrum ist vielseitig. Vor 50 Jahren wurde schon ‚Wir mieten uns einen Zeppelin und fliegen in die Welt‘ gesungen.“

Ist unter Ihren neuen Zeppelin-Songs ein Lied, das für sich allein zu einem Hit werden könnte, zum Beispiel vergleichbar den Songs „Don`t cry for me, Argentina“ aus „Evita“ oder „Memories“ aus „Cats“?

Siegel: „Ich habe das Musical nicht in Hinblick auf die Hitparade geschrieben. Mit dem Musical möchte ich als mittlerweile 75-Jähriger, der in anderen Ländern gelebt und in englischer und französischer Sprache gearbeitet hat, meinen großen Lebenstraum verwirklichen.“

Ihr Musical verbindet die Lebensgeschichte von Graf Ferdinand Zeppelin mit der Tragödie des Luftschiffs Hindenburg, das 1937 in Lakehurst in Flammen aufging. Sie sind von Technik fasziniert?

Siegel: „Was Erfinder schon früh geleistet haben, kann mich begeistern. Zu den großen Erfindungen der Neuzeit gehört der Bau eines Luftschiffs. Inspiriert hatte mich ein Dokumentationsfilm aus der Zeit der Hindenburg, deren Passagiere einen Absturz erlitten.“

Zeppelin fliegt durch Zuschauerraum

Im Festspielhaus zogen schon schnaubende Pferde eine königliche Kutsche über die Bühne. Wie aber bringt man einen Zeppelin ins Theater?

Siegel: „Dabei hilft Erfindungsreichtum. Die Bühne in Füssen bietet technisch wirklich hervorragende Möglichkeiten. Das ist eine der größten Bühnen in Europa. Die Bavaria hat als unser Partner einen Zeppelin gebaut, den wir auch in den Zuschauerraum fliegen lassen. Szenen spielen im Bauch des gigantischen Luftschiffs.“

Sie haben auf die moderne Bühnentechnik im Festspielhaus hingewiesen. Doch Füssen war nicht erste Wahl für die geplante Welturaufführung Ihres Musicals. Wie kam es, dass „Zeppelin“ im Allgäu starten wird?

Siegel: „Wir wollten in Duisburg Premiere feiern. Doch dazu kam es nicht, weil es Unstimmigkeiten bei der Zusammenarbeit mit Produzenten gab. Wir haben 50 Mitwirkende auf der Bühne. Es spielt ein Live-Orchester. Dafür trage ich jetzt die finanzielle Verantwortung.“

Für das Musical Zeppelin gehe ich volles Risiko.

Schon bei den Proben war zu sehen: es steckt sehr viel drin in dieser Musical-Produktion. Wie decken Sie die Kosten?

Siegel: „Ich hafte mit meinem Privatvermögen bei der Bank (lacht). Ich kann mein Haus nicht mit ins Grab nehmen. Für das Musical Zeppelin gehe ich volles Risiko.“

Ein Solo für Siegel?

Siegel: „In Füssen, das vorteilhaft nur zwei Stunden von meinem Wohnort München entfernt ist, erfahre ich großartige Unterstützung. Mit dem professionellen Festspielhaus-Team und dort vor allem auch mit dem Eigentümer Manfred Rietzler habe ich verlässliche Partner, die mich fantastisch unterstützen. Das private Theater am Forggensee wird nach seinen beiden Insolvenzen mittlerweile Erfolg versprechend von Direktor Benjamin Sahler geführt, der mich etwas an Peter Ustinov erinnert und bei Zeppelin die künstlerische Leitung übernimmt. Wir haben die 20 besten Musical-Darsteller engagiert und gehen davon aus, dass unser neues Musical nach den in diesem Jahr geplanten 23 Aufführungen noch viele Spielzeiten auf dem Programm steht. Das sollte funktionieren. In Essen spielen sie seit 22 Jahren ‚Starlight Express‘.“

Der Berliner Schriftsteller Hans Dieter Schreeb ist Ihr Autor. Stimmt es, dass Sie selbst Liedtexte für das Musical geschrieben haben?

Siegel: „Ja, es ist mein bislang größtes Werk, an dem ich jahrelang geschrieben habe. Natürlich habe ich mir auch Hilfe geholt, um einen Text noch verbessern zu können. An der Bühnenfassung arbeiten wir bis zuletzt. Wir müssen die Handlung noch etwas kürzen.“

Dass die Hindenburg abgestürzt ist, bewegt die Menschen bis heute. Wie sieht Ihre Schlussszene in Zeppelin aus?

Siegel: „Wir haben lange Zeit hart auf ein Finale hingearbeitet, das vom Publikum positiv empfunden wird. Man kann die Theaterbesucher doch nicht nach der dramatischen Absturz-Szene traurig nach Hause gehen lassen.“

Alle Menschen ansprechen

Welche Zielgruppe peilen Sie mit Zeppelin an?

Siegel: „In den USA gibt es das Rap-Musical „Hamilton“. Da ist die Zielgruppe ganz klar. Wir wollen mit Zeppelin natürlich alle Menschen ansprechen, die einfach gern ins Musiktheater gehen. Wenn wir sie dort gut unterhalten, spielen wir ihnen aber keine heile Welt vor. Wir sparen den kritischen Blick auf die beginnende Nazi-Zeit nicht aus.“

Dafür hätten wir gerne ein Beispiel.

Siegel: „Die Wiener Nachtclubsängerin Emmy Berg, die einen sensationellen Auftritt in einem Berliner Kabarett hat, wird von Uniformierten streng kontrolliert und wegen ihrer dokumentierten halbjüdischen Herkunft in ein von Nazis geleitetes Amt einbestellt.“

Ihr Schlusswort für heute, die Probe geht mit dem zweiten Akt gleich weiter.

Siegel: „Es wird wieder Theater gespielt! Es ist für mich eine einmalige Chance, andere Seiten meiner Kompositionswelt zu zeigen und ein großes historisches Musical zu präsentieren. Es fühlt sich ein bisschen wie bei George Gershwin an, der ja im Grunde auch als eine Art Schlagerkomponist angefangen hat und später dann mit großem Erfolg ins ernstere Fach gewechselt ist. Ganz besonders freuen wir uns auch darüber, dass die aktuell besten Musicaldarsteller und Schauspieler in Füssen dabei sind.“

Bitte nennen Sie einen weiteren Namen aus dieser illustren Reihe mit Sandy Mölling („No Angels“) und Alexander Kerbst (Hauptrolle „Falco“)?

Siegel: „Sigmar Solbach. Er ist als Darsteller nicht nur aus der RTL-Serie „Dr. Stefan Frank“ bekannt.“