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Germany

Mein Kanon: Ein Hühnerei und Kaffeepads

Es erschien mir nicht wie eine gute Idee. Schließlich war es Sonntagnachmittag, ich war verkatert, hatte wenig geschlafen und überhaupt keine Lust, ins „Jack in The Box“ feiern zu gehen. Trotzdem liefen wir jetzt durch die Straßen Köln-Ehrenfelds, auf der Suche nach dem Club. Ich trottete missmutig hinter meinen Freunden her, bis diese plötzlich stehen blieben und erstaunt auf die gegenüberliegende Seite der Straße schauten. Dort entdeckten wir ein großes, geschlossenes Tor, das an beiden Seiten von Skulpturen flankiert wurde. Diese sahen aus wie Zauberhüte und blickten von der Mauer auf uns herab. Ich vergaß mit einem Mal, schlecht gelaunt zu bleiben. Denn irgendwie schien der Ort eine merkwürdige Anziehungskraft zu besitzen; wollten wir doch sofort wissen, was da im Inneren auf uns wartete. Und tatsächlich ließ sich das Tor leicht öffnen, sodass wir die Halle betreten konnten.

Hier bot sich ein überwältigender Anblick, denn diese war bis oben hin gefüllt mit Transparenten, Bildern, Statuen – und unheimlich viel Krempel. Inmitten von alledem stand ein roter Sportwagen. Er war aus irgendeinem Grund über und über mit Kaffeepads beklebt. Ich hörte ein Geräusch und sah erschrocken zur anderen Seite des Raumes. Dort lief ein sehr beschäftigter Mann entlang; man merkte sofort, dass er ein Künstler war. Schließlich bewunderte er eingehend ein Hühnerei, das er wohl für irgendetwas brauchte. Doch bevor wir ihn ansprechen konnten, verschwand er schon in einer der zahlreichen Türen.

Meine Freunde und ich beschlossen, eine Zeit lang zu bleiben und die Halle zu erkunden. Dabei entdeckten wir auch eine Sitzecke, in der zwei Männer sich unterhielten. Sie grüßten uns, als sei unsere Anwesenheit das Normalste auf der Welt. Natürlich wollten wir sofort von ihnen wissen, wo wir hier rein geraten waren. Die beiden erklärten jedoch nur schlicht, dass sie hier – in der Kolbhalle – lebten und ihre Kunst machten. Viel war ihnen nicht gerade zu entlocken.

Irgendwann zogen wir schließlich weiter ins „Jack in The Box“. Unser Aufenthalt wurde nichts Besonderes mehr, aber unseren Zwischenstopp in der Kolbhalle werde ich nie vergessen. Ich verstehe bis heute nicht, worum es bei diesem Ort geht. Doch ab und zu – wenn ich mal etwas nicht verstehen will – kehre ich gerne dahin zurück.

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