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Minus 37 Milliarden Euro: Der Mittelstand kappt seine Investitionen

Die Corona-Krise wird wohl dazu führen, dass Unternehmen deutlich weniger investieren. Nach einer neuen Schätzung der staatlichen Förderbank KfW dürfte sich das Minus allein im deutschen Mittelstand auf rund 37 Milliarden Euro belaufen; Mittelstand meint dabei Unternehmen, deren Jahresumsatz maximal 500 Millionen Euro beträgt.

Nach 436 Milliarden Euro im Vorjahr dürften demnach nur 399 Milliarden Euro in neue Ausrüstungen, Wirtschaftsbauten und Anlagen wie Software und Datenbanken fließen. „Damit findet der mittlerweile sechs Jahre andauernde Investitionsaufschwung im Mittelstand im laufenden Jahr ein jähes Ende“, schreiben die KfW-Volkswirte in einem Papier, das der F.A.Z. vorliegt. Ob es einen raschen Nachholeffekt geben wird, halten sie aufgrund der Krisenerfahrung in vielen Unternehmen für fraglich.

„Der Wunsch nach mehr Absicherung und Stärkung der finanziellen Resilienz könnte vielmehr zur Zurückhaltung wesentlicher Zukunftsinvestitionen, etwa in Digitalisierung oder Klimaschutz, führen“, schreiben sie. Für die Produktivität und die Wettbewerbsfähigkeit der deutschen Wirtschaft wären dies schlechte Aussichten.

Die Wirtschaftspolitik sei nun gefragt, „Rahmenbedingungen zu schaffen, Anreize zu setzen für Investitionen und mit Anschubfinanzierungen in Vorlage zu treten“, um dadurch künftiges Wachstum in den beiden „Schlüsselfeldern“ Digitalisierung und Klimawandel zu ermöglichen. Dabei böten sich viele Ansatzpunkte, die Unsicherheit für Geldgeber zu reduzieren, etwa durch ein verlässliches und planbar steigendes CO2-Preissignal. Auch Engpässe wie fehlende Fachkräfte sollten angegangen werden.

Die Hoffnungen haben sich endgültig zerschlagen

Trübe Aussichten hinsichtlich der Investitionen auf Verbraucherseite vermeldete am Donnerstag auch die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) aus Nürnberg. Der Lockdown light habe die Verbraucherstimmung im November spürbar gedämpft, teilte sie auf Grundlage ihrer monatlichen Umfrage unter 1000 Bürgern mit. Sowohl die Konjunktur- und Einkommenserwartung wie auch die Anschaffungsneigung dürften den zweiten Monat in Folge Einbußen hinnehmen. Für Dezember prognostizieren die Konsumforscher einen Wert von minus 6,7 Punkten und damit 3,5 Punkte weniger als im November dieses Jahres.

„Zwar bleiben die Einzelhandelsgeschäfte geöffnet, doch die erneute Schließung von Hotellerie, Gastronomie und Veranstaltungsgewerbe treffen – ebenso wie der noch immer am Boden liegende Tourismus – das Konsumklima schwer“ meint Rolf Bürkl von der GfK. Damit hätten sich auch die Hoffnungen auf eine rasche Erholung, die noch im Frühsommer aufkamen, endgültig zerschlagen. Die als Folge der zunehmenden Verunsicherung abermals gestiegene Sparneigung habe ebenfalls zum Rückgang des Konsumklimas beigetragen.

„Die Perspektive macht zuversichtlicher“

Eine Rückkehr zu den Werten vom Frühjahr liegt allerdings noch in weiter Ferne. Damals war das Konsumklima der Nürnberger Forscher auf mehr minus 20 Punkten abgesackt. Auch am deutschen Arbeitsmarkt ist die momentane Lage besser als in der ersten Corona-Welle. Darauf deutet das Arbeitsmarktbarometer des Instituts für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung (IAB) hin. Die Beschäftigungskomponente in diesem Barometer legte im November im Vergleich zum Vormonat sogar leicht zu – um 0,9 auf 99,0 Punkte.

„Die Beschäftigung wird im zweiten Lockdown nicht noch einmal einbrechen“, sagte IAB-Forscher Enzo Weber am Donnerstag. Wichtig hierfür seien die Stützungsmaßnahmen für die Betriebe und ihre jetzt schon vorhandenen Erfahrungen mit der Corona-Krise. „Die Perspektive auf einen Impfstoff macht die Unternehmen zuversichtlicher. Das verstärkt noch einmal ihre Bereitschaft, die Beschäftigten zu halten“, ergänzte Weber – auch wenn die zweite Corona-Welle die Erholung belaste und die sich durch die Corona-Krise beschleunigenden Transformationsprozesse in der Wirtschaft große Herausforderungen darstellten.

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