Münster (NRW) – Erstes Geständnis im Hauptprozess um den Missbrauchskomplex Münster.

Wie BILD aus der nicht öffentlichen Einlassung am Dienstag erfuhr, soll der Angeklagte Enrico L. (42) aus Schorfheide gesungen haben. In schmalen drei Sätzen hatte er nach BILD-Informationen die Vorwürfe aus den beiden gegen ihn erhobenen Anklagen eingeräumt. Weitere Fragen wollte er nicht beantworten.

Insgesamt sind in diesem Verfahren fünf Personen angeklagt. Den vier Männern wird unter anderem schwerer sexueller Missbrauch von Kindern vorgeworfen. Zudem steht die Mutter des mutmaßlichen Haupttäters Adrian V. (27) wegen Beihilfe vor Gericht. Der Prozess in Münster begann am 12. November.

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IT-Fachmann Adrian V. (27) aus Münster gilt als Haupttäter

Rückblick: Ausgangspunkten war ein Ermittlungsverfahren gegen Unbekannt aus dem Jahr 2018. Damals waren über das Internet Dateien mit kinderpornografischem Inhalt angeboten worden. Im Rahmen aufwendiger Ermittlungen konnte im April 2019 ein Anfangsverdacht gegen Adrian V. aus Münster begründet werden.

Über eine ermittelte IP-Adresse führte die Spur zu einem landwirtschaftlichen Betrieb im nahen Kreis Coesfeld. Der Beschuldigte war hier für die Administration im IT-Bereich tätig.

Am 7. Mai 2019 durchsuchten Polizeibeamte die Wohnung des 27-Jährigen in Münster. Die Ermittler stellten umfangreiche Mengen an Datenträgern sicher, die ebenfalls mit hochprofessioneller Verschlüsselungstechnik gesichert waren und zum Teil noch sind.

Zudem fanden Ermittler Beweisspuren in einer Münsteraner Gartenlaube, die der Mutter von Adrian V. gehört. Auch hier wurden laut Anklage Kinder schwer missbraucht, darunter der Ziehsohn von Adrian V..

Nach und nach kamen die Ermittler weiteren Verdächtigen auf die Spur, die an den widerlichen Taten beteiligt gewesen sein sollen. Vergangene Woche fiel ein erstes Urteil: Patrick B. (53) aus Norderstedt (Schleswig-Holstein) muss drei Jahre und drei Monate in Haft.

Sie haben den Verdacht, dass in Ihrem Umfeld ein Kind misshandelt oder missbraucht wird? Sie haben etwas gesehen, das Ihnen Sorgen bereitet? Dann können Sie sich (anonym) ans „Hilfetelefon Sexueller Missbrauch“ wenden: 0800 22 55 530.

Kinder und Jugendliche, die Missbrauch erlebt haben, bekommen montags bis samstags von 14 bis 20 Uhr unter der „Nummer gegen Kummer“ 116 111 Unterstützung. Auf der Website gibt es die Möglichkeit, mit Beratern zu chatten.

Wer das Gefühl hat, pädophile Neigungen zu besitzen, findet Ansprechpartner beim Projekt „Kein Täter werden“ von der Berliner Charité. Auf der Website und unter 030 450 529 450 gibt es kostenlose Informationen. Es gilt die ärztliche Schweigepflicht.