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Mit seinen Waffen sollten Amerikas Sklaven ihre weißen Herren vernichten

Mit Fake News wurde schon im 19. Jahrhundert in den USA handfeste Politik gemacht. Eine davon drehte sich um das sogenannte Pottawatomie-Massaker in Kansas. Dort tobte in den 1850er-Jahren eine Art Bürgerkrieg zwischen Sklavenhaltern und Sklavereigegnern. Es ging dabei um die Frage, ob das Territorium als Bundesstaat mit oder ohne die „besondere Institution“ des Südens in die USA aufgenommen werden sollte, also mit oder ohne Sklaven.

Der Farmer John Brown (1800–1859) hatte da eine klare Meinung: Sklaverei sei Sünde und ohne Blutvergießen geschehe keine Vergebung. In diesem Sinne übte er zusammen mit einigen Söhnen – er hatte 20 Kinder – radikale Vergeltung, als in seiner Nachbarschaft einige Sklavereigegner von südstaatlichen Freischärlern ermordet worden waren: Er entführte fünf Sklavenhalter und spaltete ihnen die Schädel. Während man im Süden Zeter und Mordio schrieb, machte im Norden bald die Fake News die Runde, Browns Massaker sei nur eine Erfindung seiner Gegner, um einen ehrbaren Streiter für die Menschenrechte zu verleumden.

Das machte aus dem Mann, der außer seiner Kinderschar bislang wenig im Zivilleben erreicht hatte, einen ehrenhaften Helden, zumindest im Norden, was ihn wohl auch vor der Gefangennahme rettete. Für die Sklavenhalter wurde er dagegen zum Symbol des Bösen, der ihre Gesellschaft zerstören wollte. Umgehend machte Brown sich daran, beiden Bildern gerecht zu werden.

Diskret unterstützt von wohlhabenden Abolitionisten, wie die radikalen Sklavereigegner im Norden genannt wurden, plante er, mit einigen entschlossenen Kämpfern das Arsenal der US-Army in Harpers Ferry zu überfallen. Die dort gelagerten Waffen wollte er anschließend an Sklaven verteilen, die damit die Flamme des Aufruhrs im Süden entfachen würden, um die Sklaverei „blutig zu beenden, wie sie begann“.

After John Brown's Harpers Ferry raid of October 16-18, 1859, slave owners feared abolitionist provoked slave rebellions. Engraving shows a Southern planter handing weapons to his slaves, in hopes they would fight on his side in such a battle. During the Civil War, most slaves left their owners at the first opportunity.

So stellte man sich im Norden den Beginn des Aufstands vor

Quelle: picture alliance / Everett Colle

Doch so reizvoll dieses Szenario für manche nordstaatliche Ohren gewesen sein mag, wirklich überzeugen konnte es nicht. Brown sowie seine weißen und afroamerikanischen Kämpfer warteten vergeblich auf den Zulauf, um den sie über abolitionistische Netzwerke geworben hatten. So zogen sie denn am Abend des 16. Oktober 1959 allein los, um Harpers Ferry einzunehmen.

Das Arsenal lag am Zusammenfluss von Potomac und Shenandoah in dem Teil Virginias, aus dem 1863 der Staat West Virginia werden sollte. Umgeben von Flüssen und steilen Bergen glich es eher einer Mausefalle als einer Festung, die gegebenenfalls gegen eine Übermacht verteidigt werden konnte. Zunächst hatten die Verschwörer Glück: Die Wachen waren schwach, sodass sie das Areal schnell besetzen konnten. Auf dem Weg zum Bahnhof nahmen sie einige Geiseln.

Engraving depicting United States Marines carrying a ladder to storm the engine house while insurgents fire through holes in the doors, Virginia, 1859. The abolitionist John Brown had captured the building during his raid at Harper's Ferry. (Photo by Interim Archives/Getty Images) Getty ImagesGetty Images

Die Truppen Robert E. Lees stürmten das Arsenal, in dem sich Brown und seine Männer verschanzt hatten

Quelle: Getty Images

Doch selbst die Sklaven in der Nachbarschaft sahen wenig Grund, die Einladung Browns zum großen Aufstand Folge zu leisten. Dafür machte die Miliz der Sklavenhalterstaaten Virginia und Maryland mobil, die Brown und seine Männer im Arsenal einschloss. Unter der Führung von Robert E. Lee, der im Bürgerkrieg bis zum Oberkommandierenden der Konföderation aufsteigen sollte, stürmte schließlich Marineinfanterie Browns Stellung. Zehn seiner Männer sowie zwei Bewohner von Harpers Ferry fielen. Ihr Anführer geriet verwundet in Gefangenschaft.

Vielleicht hatte Brown ein solches Ende sogar angestrebt. Denn während ihm und seinen Kumpanen in Virginia der Prozess gemacht wurde, der erwartbar mit dem Todesurteil endete, stieg er in der Öffentlichkeit des Nordens zum Märtyrer und Heiligen auf, der sein Leben für eine gerechte Sache opfern wolle.

Pen-and-ink drawing by Victor Hugo. Death of John Brown, december 2, 1859, hanged in the United States because he was an abolitionist,, 1860,, France,, Paris. Bibliothèque nationale, . (Photo by: Photo12/Universal Images Group via Getty Images) Getty ImagesGetty Images

So malte Victor Hugo den Tod von John Brown

Quelle: Universal Images Group via Getty

Als er am 2. Dezember 1859 hingerichtet wurden, läuteten im Norden die Kirchenglocken. Im Süden dagegen gelangten immer mehr Menschen zu der Überzeugung, dass es für sie eine Zukunft nur noch außerhalb der Union gab. Denn der Plan, die Sklaven zu bewaffnen, rührte an der Existenz der Baumwoll-Staaten, deren neun Millionen Einwohner sich einem Heer von vier Millionen rechtlosen Zwangsarbeitern gegenübersah.

16 Monate nach Browns Tod begann der Bürgerkrieg.

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