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Neue Bundesliga-Saison: Das Virus kennt keinen Bayern-Bonus

Am Anfang dieser Woche fühlten sich die Diskussionen im deutschen Fußball fast wieder normal an. In München stritten die Führungskräfte des FC Bayern öffentlich mit David Alaba und seinem Berater, wie viele Millionen Euro ihr Abwehrchef denn verdienen soll, falls er seinen Spielervertrag verlängert. Im Live-Fernsehen nannte der Aufsichtsrat und Ehrenpräsident Uli Hoeneß den Alaba-Berater einen „geldgierigen Piranha“, und der Alaba-Vater nannte den FC Bayern einen Verein, der „schmutzige Lügen“ und „dreckige Anschuldigungen“ verbreitet. Ach, Fußball.

An diesem Freitag fängt die Bundesliga wieder an zu spielen. In der Arena in München trifft der FC Bayern auf den FC Schalke 04 (20.30 Uhr im F.A.Z.-Liveticker zur Bundesliga sowie im ZDF und bei DAZN). Die Vertragssache mit Alaba ist noch immer nicht geklärt, dafür haben die Bayern Thiago Alcántara, ihren Mittelfeldstrategen, für angeblich 30 Millionen Euro an den FC Liverpool verkauft. Das hört sich alles normal an. Und doch steht spätestens seit Donnerstag fest, dass die 58. Saison der Bundesliga alles werden könnte, eines mit Sicherheit aber nicht: normal.

Am Beispiel des Eröffnungsspiels hat sich in weniger als 48 Stunden gezeigt, wie schnell das Coronavirus den Matchplan des deutschen Profifußballs aushebeln kann. Am Dienstag einigten sich die Ministerpräsidenten der Länder darauf, pünktlich zum Saisonstart der Bundesliga wieder Zuschauer in die Stadien zu lassen. Sie legten zugleich aber auch einen Grenzwert fest: Wenn die sogenannte Sieben-Tages-Inzidenz, die die Entwicklungen der Pandemie abbildet, pro 100.000 Einwohner an den Standorten bei 35 Neuinfektionen oder darüber liegt, solle keine Freigabe für Fans erfolgen.

Eine neue Frage

Am Mittwoch traf sich eine Delegation des FC Bayern mit Münchens Oberbürgermeister Dieter Reiter (SPD) und dem bayerischen Ministerpräsidenten Markus Söder (CSU). Und obwohl der Inzidenzwert schon zu dem Zeitpunkt auf über 40 angestiegen war, holten die Vertreter des Vereins die Erlaubnis ein, gegen Schalke 7500 Karten zu verkaufen. Das war ein Deal, der an vielen Orten auf Unverständnis traf, etwa in Würzburg, wo den Kickers aufgrund des zu hohen Inzidenzwerts verboten worden war, ihr Auftaktspiel in der zweiten Bundesliga vor Zuschauern zu veranstalten.

Am Donnerstag, als der Inzidenzwert für München laut Robert Koch-Institut (RKI) auf 47,6 angestiegen und damit nicht mehr weit entfernt vom bundesweit festgelegten Corona-Alarmwert von 50 war, änderte schließlich auch Oberbürgermeister Reiter seine Meinung. Die Stadt untersagte dem FC Bayern, an diesem Freitag Fans in die Arena zu lassen. Das Coronavirus kennt keinen Bayern-Bonus.

Erfolge der vergangenen Saison: Hansi Flick und der FC Bayern gewannen Meisterschaft, Pokal und Champions League.

Erfolge der vergangenen Saison: Hansi Flick und der FC Bayern gewannen Meisterschaft, Pokal und Champions League. : Bild: dpa

Als Hansi Flick am Donnerstag von der Anordnung der Stadt erfuhr, saß er gerade in dem Presseraum an der Säbener Straße und beantwortete per Videokonferenz die Fragen der Reporter. „Wir haben es gelernt, uns auf Situationen immer wieder neu einzustellen“, sagte er. „Das müssen wir jetzt wieder machen.“ Es gibt einige sportliche Fragen, die Flick, 55 Jahre alt, vor seinem ersten Saisonstart als Cheftrainer in München beschäftigen, aber das Virus hat eine neue hervorgebracht: Was soll der Profifußball zurzeit eigentlich leisten?

„Ich weiß, dass viele Menschen Existenzängste haben“, sagte Flick schon vor einer Woche, als er den Champions-League-Pokal in die Vereinsvitrine neben die Meisterschale und den DFB-Pokal stellen durfte. In den vergangenen Monaten habe seine Mannschaft viele Komplimente bekommen für die Art und Weise, wie sie Fußball spielt, immer wieder auch von jenen, die ihr sonst nicht die Daumen drücken. „Das“, sagte Flick, „ist unser Einsatz für die, die in der Corona-Phase zu Hause um andere Dinge kämpfen und sorgen müssen.“ Wenn man ihm glaubt, könnte Flick in München leisten, was Joachim Löw und die Nationalmannschaft mit den Länderspielen im September nicht konnten oder wollten: den Menschen in dieser Zeit Freude bereiten.

Und damit doch zu den sportlichen Fragen. Am Donnerstag drängte sich eine besonders auf: Was fehlt ohne Thiago? „Ein außergewöhnlicher Spieler“, sagte Flick, einer, der der Mannschaft „viel gegeben hat“, einer, der „für Überraschungen“ zuständig war. In seinen sieben Jahren in München ist Thiago immer wieder unterschätzt worden, weil in seinen Aktionen oft Geschick mit Leichtsinn verwechselt worden ist. Dabei durfte er einen Ball später passen als die meisten, weil er es einfach besser konnte. In vielen Spielen waren seine Ideen die entscheidenden. Und in Lissabon hat er als Stratege und Stammspieler die Champions League gewonnen. Jetzt, mit 29 Jahren, will er, der vor seiner Zeit in München beim FC Barcelona spielte, noch in der bekanntesten Fußballliga der Welt spielen: der Premier League.

Flick hofft unterdessen auf Ersatz – und auf eine Einigung mit David Alaba. Denn sollten die Bayern-Chefs auf die Idee kommen, Alaba noch zu verkaufen, um ihn im nächsten Sommer nicht ohne Ablöse ziehen lassen zu müssen, würden Flick auf einmal seine zwei wohl Besten im Spielaufbau fehlen. Flick hat schon einmal darauf hingewiesen: Auf den Außenpositionen in der Abwehr (Davies und Pavard) und im Angriff (Sané, Gnabry und Coman) stehen dem Trainer sehr gute, aber auch sehr wenige Spieler zur Verfügung. Und der Franzose Kingsley Coman, diese Nachricht ging in den vergangenen Stunden und Tagen vielleicht etwas unter, wird an diesem Freitag fehlen, weil er nach dem Kontakt mit einer mit dem Virus infizierten Person noch immer in Quarantäne ist.

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