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Neuer deutscher Eishockey-Star?: Stützle liefert außergewöhnliches Rookie-Jahr

Neuer deutscher Eishockey-Star? Stützle liefert außergewöhnliches Rookie-Jahr

Tim Stützle gilt als größtes deutsches Eishockey-Talent seit Leon Draisaitl. Den NHL-MVP des Vorjahres hat der Rookie der Ottawa Senators in seiner ersten Saison in Nordamerika sogar übertroffen. So richtig zufrieden ist der 19-Jährige dennoch nicht.

Nach seinem ersten Hattrick bekam Tim Stützle Besuch. Mehrere Kinder in Trikots der Ottawa Senators warfen ihre Mützen in seinen Garten, um den deutschen NHL-Jungstar gebührend zu feiern. Denn in der Arena war der traditionelle Jubel über seinen Dreierpack ausgeblieben - mangels Zuschauern. "Das ist eine Erinnerung, die ich niemals vergessen werde", sagt der 19-Jährige im Interview mit dem Sport-Informations-Dienst: "Daran sieht man, was für eine Eishockeystadt Ottawa ist, wie alle Leute hinter uns stehen."

Das größte deutsche Eishockey-Talent seit Superstar Leon Draisaitl hat seine erste Saison in der NHL hinter sich und seine außergewöhnlichen Fähigkeiten schon eindrucksvoll unter Beweis gestellt. 12 Tore und 17 Vorlagen hatte der Ex-Mannheimer vor dem letzten Spiel in der Nacht zu Donnerstag verbucht, damit war er fünftbester Rookie, aber mit Abstand bester Punktesammler seines Jahrgangs. Zum Vergleich: Draisaitl, in der Vorsaison als wertvollster Spieler der Liga ausgezeichnet, war in seiner ersten NHL-Spielzeit nur auf insgesamt neun Scorerpunkte gekommen.

Dennoch ist Stützle nicht zufrieden. "Ich bin vielleicht manchmal ein bisschen zu hart mit mir selber, aber ich denke, dass ich noch eine bessere Saison hätte spielen können", sagt er: "Ich habe viele Chancen gehabt, aber in manchen Spielen einfach die Scheibe nicht ins Tor bekommen." Deshalb will er in der Sommerpause in Mannheim unter anderem seinen Schuss verbessern, denn: "Ich will im nächsten Jahr auf jeden Fall eine größere Rolle annehmen." Der Druck, einer der großen Hoffnungsträger für eine erfolgreiche Zukunft des Klubs zu sein, stört den selbstbewussten Stützle nicht: "Man wird nicht ohne Grund als Nummer drei gezogen - um auch abzuliefern. Ich mag es eigentlich, unter Druck zu spielen."

"Danke Deutschland"

Bei der WM in Lettland (21. Mai bis 6. Juni) wird das Ausnahmetalent höchstwahrscheinlich fehlen, weil Ottawa ihm nach seiner Handoperation im Oktober, der U20-WM zum Jahreswechsel und der ersten NHL-Spielzeit mit extrem eng getaktetem Programm in erster Linie Erholung verordnen will. "Es ist auf jeden Fall eine sehr anstrengende Saison gewesen", sagt Stützle, die Entscheidung würden Manager und Trainer nach dem letzten Spiel fällen.

Geholfen hat dem Neuling im ersten Jahr eine besondere WG. Seine Teamkollegen Brady Tkachuk (21) und Josh Norris (22) nahmen ihn nach der Ankunft in Ottawa auf und halfen ihm "unglaublich, besser reinzufinden". Statt in Corona-Zeiten mit ähnlichen Beschränkungen wie in Deutschland allein in einer Wohnung zu hocken, hatte Stützle Unterhaltung mit fast Gleichaltrigen - sogar auf Deutsch: Norris' Vater Dwayne spielte elf Jahre in der Deutschen Eishockey-Liga für die Kölner Haie und die Frankfurt Lions, war danach bis 2010 Manager in der DEL in Frankfurt.

"Wir ziehen Brady ein bisschen auf, weil er kein Wort versteht", erzählt Stützle, "es ist lustig, wenn er sich dann aufregt." Ein paar Worte hat Tkachuk, 2018 an Nummer vier gezogen und nach Stützle der höchste Draft-Pick der Senators in den vergangenen 20 Jahren, schon aufgeschnappt. "Danke Deutschland" und seine Rückennummer "sieben" etwa, oder dass er "immer den Puck will". Aber am meisten, betont Stützle, habe er selbst in seinem ersten Jahr NHL gelernt.

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