Germany

Nur Bummelei und bunte Würfel - Einheit ohne Denkmal in Leipzig

Leipzig – OB Burkhard Jung (62, SPD) kam aus dem Schwärmen gar nicht mehr raus: „Das Denkmal, das wir in Leipzig und Berlin errichten wollen, ist eines, das wir in Deutschland bisher nicht kennen. Wir wollen den schönsten Moment der neueren deutschen Geschichte würdigen und an ihn erinnern. Das hat es so noch nicht gegeben!“

Und das gibt es noch immer nicht. Denn den glühenden Worten des Stadtchefs aus dem Jahr 2012 folgte nichts außer Chaos, Streit und Untätigkeit. Das Einheitsdenkmal, das zum 25. Jahrestag der Wiedervereinigung stehen sollte, wird es auch zum 30. Jubiläum am Samstag nicht geben.

Denn nachdem der umstrittene Siegerentwurf („70 000“) aus bunten Klötzchen 2013 scheiterte und dreieinhalb Jahre nichts geschah, startete das Rathaus 2017 einen neuen Anlauf. Die Stiftung „Friedliche Revolution“ wurde beauftragt, ein Verfahren zu entwickeln, wie das Denkmal gebaut und die Bürger beteiligt werden können. 80 000 Euro gab’s dafür, Ende 2018 sollte das Ergebnis vorliegen.

Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard Jung
Leipzigs Oberbürgermeister Burkhard JungFoto: Anika Dollmeyer

Tat es aber nicht. Als die CDU im März 2019 nachfragte, vertröstete Kultur-Dezernentin Skadi Jennicke (43, Linke) auf April und räumte ein: „Auch wir hätten schneller arbeiten können.“ Tatsächlich wurde das Konzept erst im Januar 2020 der Verwaltung übergeben – und die hätte es „für gut befunden“, sagt Stiftungs-Vize Michael Kölsch.

Passiert ist danach...? Richtig, wieder nichts!

Doch Kölsch kündigt Großes an: „Aktuell führt die Stiftung, in enger Abstimmung mit der Stadt, in Berlin Gespräche über die Finanzierung des Denkmals. Am Jahresende werden wir die Öffentlichkeit umfangreich informieren.“

Ein Baustart ist dann allerdings auch noch in weiter Ferne. Tobias Hollitzer (53), Chef der Runden Ecke: „Wenn man das Denkmal wirklich haben will, muss man es durchziehen. Mehr Bürgerbeteiligung als bei den letzten Verfahren geht doch gar nicht.“

Bernd Schauer (68), Rentner: „Ein Denkmal ist überflüssig. Es gibt ja auch schon die Nikolaikirche. Jeder sollte sich seine eigenen Gedanken zur Geschichte der Wiedervereinigung machen.“
Bernd Schauer (68), Rentner: „Ein Denkmal ist überflüssig. Es gibt ja auch schon die Nikolaikirche. Jeder sollte sich seine eigenen Gedanken zur Geschichte der Wiedervereinigung machen.“Foto: Anika Dollmeyer
Miguel Gimeno (27), LVB-Busfahrer, in Spanien geboren: „Ich finde ein Denkmal gut. Die Deutschen können doch stolz auf die Wiedervereinigung und ihr Land sein!“
Miguel Gimeno (27), LVB-Busfahrer, in Spanien geboren: „Ich finde ein Denkmal gut. Die Deutschen können doch stolz auf die Wiedervereinigung und ihr Land sein!“Foto: Anika Dollmeyer
Günter Hempel (75), Stadtführer: „So etwas hätte schon vor Jahren kommen sollen. Wie Pfarrer Führer vorgeschlagen hat: ein „Schwerter zu Pflugscharen“–Denkmal wäre genau das Richtige!“
Günter Hempel (75), Stadtführer: „So etwas hätte schon vor Jahren kommen sollen. Wie Pfarrer Führer vorgeschlagen hat: ein „Schwerter zu Pflugscharen“–Denkmal wäre genau das Richtige!“Foto: Anika Dollmeyer
Ellis Lücke (19), Studentin: „Der hart Kampf der DDR–Bürger für die Wiedervereinigung sollte mit einem Denkmal belohnt werden. Stattdessen wird wieder bis ans Ende aller Tage diskutiert.“
Ellis Lücke (19), Studentin: „Der hart Kampf der DDR–Bürger für die Wiedervereinigung sollte mit einem Denkmal belohnt werden. Stattdessen wird wieder bis ans Ende aller Tage diskutiert.“Foto: Anika Dollmeyer
Irene Krause (82), Rentnerin: „Es wäre schön, wenn dort etwas entsteht, über das sich alle freuen. Ein Park zum Verweilen. Das wäre mal etwas Sinnvolles, ich würde das auf jeden Fall nutzen, da ich di
Irene Krause (82), Rentnerin: „Es wäre schön, wenn dort etwas entsteht, über das sich alle freuen. Ein Park zum Verweilen. Das wäre mal etwas Sinnvolles, ich würde das auf jeden Fall nutzen, da ich direkt um die Ecke wohne.“Foto: Anika Dollmeyer
Eveline und Klaus Sindermann (bd. 67), Rentner: „Überall gibt es Denkmäler für alle möglichen Sachen. Für die Einheit könnte man da ruhig auch mal etwas machen. Wir würden uns darüber freuen.“
Eveline und Klaus Sindermann (bd. 67), Rentner: „Überall gibt es Denkmäler für alle möglichen Sachen. Für die Einheit könnte man da ruhig auch mal etwas machen. Wir würden uns darüber freuen.“Foto: Anika Dollmeyer

► 9. November 2007: Der Bundestag beschließt, in Berlin ein Einheitsdenkmal zu errichten. Parallel soll in Leipzig mit einem zweiten Einheitsdenkmal an die Wende erinnert werden.

► 18. März 2009: Der Stadtrat schlägt drei mögliche Gedenkorte vor: Hauptbahnhof, Augustus- und Leuschnerplatz

► April 2009: Bei einer Bürgerbeteiligung befürworten die meisten Leipziger (34%) den Leuschnerplatz als künftigen Standort

► 17. Juni 2009: Der Stadtrat beschließt, einen internationalen Kunstwettbewerb auszuloben. 325 Bewerbungen gehen ein.

► 27. Mai 2010: Ein Begleitgremium aus Stadträten, Kunstexperten, Stadtplanern und Initiativen zur Entwicklung des Denkmals bildet sich.

► Januar bis Februar 2011: In einer repräsentativen Bürgerumfrage der Stadt geben 54% der Leipziger an, dass das Denkmal „große Bedeutung“ für sie habe.

► 18. Mai 2011: Der Stadtrat entscheidet sich für den Leuschnerplatz als Standort des Einheitsdenkmals. Das Wettbewerbsverfahren wird mit 5 Mio. Euro vom Bund und 1,5 Mio. Euro vom Freistaat gefördert.

► 7. Dezember 2012: Die Jury kürt den Entwurf „70 000“ des Münchner Büros M+M zum Sieger. Die geometrisch bunten Farbwürfel kommen bei den Leipzigern allerdings gar nicht gut an.

► 13. Juli bis 3. August 2012: im Online-Dialog können die Leipziger ihre Meinungen äußern und die Siegerentwürfe kommentieren.

► April 2013: Die Siegerentwürfe sollen überarbeitet werden, der Siegerentwurf („Würfelmodell“) ist den Leipzigern vor allem zu bunt.

► 1. Juli 2013: Nach Bewertung der überarbeiteten Entwürfe durch dein Gremium (u.a. mit OB Jung) und Bürgerhinweisen liegt nun plötzlich der drittplatzierte Entwurf „Herbstgarten“ mit vielen Apfelbäumen vorn.

Der Entwurf „Herbstgarten“
Der Entwurf „Herbstgarten“Foto: Anika Dollmeyer

► Dezember 2013: Stadt und Ex-Preisträger zerstreiten sich: M+M legt beim Oberlandesgericht in Dresden Beschwerde gegen die veränderte Änderung der Wettbewerbsregeln ein.

► Februar 2014: Das Gericht entscheidet, dass die Bewertung der Entwürfe wiederholt werden muss. Dreieinhalb Jahre geschieht – nichts!

► Oktober 2017: Der Stadtrat beauftragt die Stiftung „Friedliche Revolution“, einen Verfahrensvorschlag zu erarbeiten.

► Juni 2018: Bei der Präsentation des Vorschlags im Rathaus fällt die Technik aus, das Konzept wird nach Aussage der CDU als völlig unzureichend“ eingestuft.

► Spätsommer 2018: Die Stiftung „Friedliche Revolution“ beauftragt externe Berater für eine deutschlandweite Studie zum Denkmal.

► November 2018: Nach Kritik der CDU („Untätigkeit!“), erklären Kulturamt und Stiftung einvernehmlich, dass „keine Eile" bestehe.

► November 2019: Die Stiftung plant eine mehrstufige Bürgerbeteilung, ob das Denkmal für „Freiheit“, für „Einheit“ – oder für beides stehen solle.

► Januar 2020: Stiftungsmitglied und Ex-Bürgerrechtlerin Gesine Oltmanns startet eine Internet-Petition für das Denkmal. Es unterschreiben lediglich 35 Leute, u.a. „Tatort"-Star Jan Josef Liefers.

► 28. Mai 2020: Nach viel Streit beginnt der Bau des Einheitsdenkmals – in Berlin...

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