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Österreich feuert gegen Söder und Deutschland: Umfrage eindeutig - ausgerechnet Merkels Urlaubsland als Nutznießer?

Die Debatte um eine europaweite Schließung der Skigebiete nimmt weiter an Fahrt auf. Der italienische Außenminister bezeichnet die Diskussion als „surreal“.

München - „Wir werden uns in Europa um eine Abstimmung bemühen, ob wir alle Skigebiete schließen könnten“, kündigte Bundeskanzlerin Angela Merkel am Donnerstag im Bundestag in Berlin an. Zuvor hatten sich bereits Italiens Ministerpräsident Giuseppe Conte, der bayerische Ministerpräsident Markus Söder, sowie Frankreichs Präsident Emmanuel Macron für eine Schließung der Skigebiete stark gemacht. Österreich und die Schweiz sind damit nicht einverstanden und wollen für Wintertouristen öffnen.

Ski-Urlaub im Corona-Winter? Italiens Außenminister bezeichnet Diskussion als „surreal“

Nicht Skifahren zu dürfen, ist kein Opfer. Diese Diskussion um den Winterurlaub ist surreal“, erklärte der italienische Außenminister Luigi Di Maio im Interview mit dem Fernsehsender Rete 4. Man müsse die letzten Opfer bringen, um die Corona-Pandemie* zu besiegen. „Wir schließen die Skianlagen, um Menschenansammlungen zu vermeiden“, erklärte Di Maio. Wer in den Ski-Urlaub in die Nachbarländer fahre, müsse sich danach in Quarantäne begeben. „So schützen wir diejenigen, die zu Hause geblieben sind“, sagte er.

Laut Italiens Verkehrs- und Infrastrukturministerin Paola Di Micheli sind die Bedingungen für einen Winterurlaub über die Weihnachtsfeiertage nicht gegeben. „Es ist mir klar, dass sich die Betreiber der Skianlagen strikt an die Corona-Maßnahmen halten, doch während der Urlaubszeit kommt es zu mehr sozialen Kontakten, was zu einem Anstieg der Infektionen führen kann, wie bereits die hohe Zahl der Ansteckungen während der Sommerzeit bewiesen hat“, erklärte sie.

Ski-Urlaub im Corona-Winter? Mehrheit der Deutschen für europaweite Schließung der Skigebiete

Eine große Mehrheit der deutschen Bevölkerung würde derzeit eine europaweite Schließung der Skigebiete befürworten. Das ergab eine einer repräsentative Umfrage des Meinungsforschungsinstituts Civey im Auftrag der Augsburger Allgemeinen. 73,8 Prozent der Befragten gaben an, es sei „eindeutig“ oder „eher richtig“, zur Eindämmung der Corona-Pandemie* alle europäischen Skigebiete vorerst zu schließen.

In Bayern, wo die Skigebiete bis zum 20. Dezember nicht öffnen dürfen, sprachen sich der Umfrage zufolge mit 68,6 Prozent rund zwei Drittel der Befragten „eindeutig“ oder „eher“ für eine europaweite Schließung aus. Mit 25,4 Prozent hielt etwa ein Viertel der Befragten das für „eher“ oder „eindeutig falsch“.

Die Debatte um eine europaweite Schließung der Skigebiete aufgrund der hohen Corona-Infektionszahlen nimmt weiter Fahrt auf.

Ski-Urlaub im Corona-Winter? Österreich will Winterurlaub unbedingt ermöglichen

Alles andere als einverstanden mit dem Vorschlag, die Skigebiete europaweit zu schließen, ist man in Österreich. Die Tourismusministerin Elisabeth Köstinger stellte am Donnerstag in der Sendung ZiB2 klar: „Das Virus verbreitet sich nicht auf den Skipisten, sondern vor allem auch in geschlossenen Innenräumen.“ Daher werde es in diesem Jahr auch kein Après-Ski geben.

Den Vorstößen der anderen Länder kann sie nichts abgewinnen, erklärte die Ministerin in einem Interview mit dem Spiegel. „Wir geben Frankreich auch keine Ratschläge, wann es den Louvre wieder aufsperren kann. Ebenso wenig schreiben wir Italien oder Deutschland vor, wann Cafés, Restaurants oder Schulen wieder öffnen dürfen. Jedes Land soll auf Basis seines Infektionsgeschehens seine eigene Entscheidung treffen“, sagte Köstinger. Die EU-Kommission habe inzwischen auch klargestellt, dass sie nicht vorhat, das europaweit zu regeln. 

Österreich und Deutschland im Ski-Zoff: Tiroler geht Bayerns Söder an

„Wir werden alles dafür tun, dass Infektionszahlen sinken und damit ein Winterurlaub in Österreich möglich sein wird“, versicherte Köstinger. Der Tourismus sei unverzichtbar, vor allem für die ländlichen Regionen. Zur Durchsetzung und Kontrolle der Corona-Regeln kündigte die Ministerin zudem den Einsatz der Polizei an. „Jede Seilbahngesellschaft hat ihre Corona-Beauftragten. Es wird Sicherheitsdienste an neuralgischen Punkten geben, auch Polizei oder Seilbahnmitarbeiter werden die Aufsicht übernehmen.“ Sie selbst werde „mit Sicherheit“ im kommenden Winter Skifahren gehen, erklärte Köstinger.

Nach Köstinger wehrte sich auch der Tiroler Landeshauptmann gegen die deutsche Forderung. „Wenn es die Infektionszahlen zulassen, werden wir uns das Skifahren auch von Bayern nicht nehmen lassen“, erklärte Günther Platter (ÖVP) laut krone.at in einer Aussendung. Das müsse auch Söder zur Kenntnis nehmen, meinte Platter und riet davon ab, „Politik auf Kosten anderer Regionen“ zu machen. Dabei würden am Ende des Tages alle verlieren.

Ski-Urlaub im Corona-Winter? Schließung der Skigebiete kein Thema für die Schweiz

Widerstand gegen eine europaweite Schließung der Skigebiete kommt auch aus der Schweiz. „In der Schweiz sind Bundesrat, Behörden und die Tourismusbranche überzeugt, dass der Schweizer Weg - für den Moment - richtig ist und die Wintersaison sicher stattfinden kann“, erklärte Markus Berger, Sprecher von Schweiz Tourismus, am Donnerstag.

Die Schweizer Skiregion Engadin im Kanton Graubünden, wo Bundeskanzlerin Merkel seit vielen Jahren Winterurlaub macht, äußerte ebenfalls ihr Unverständnis über die Vorstöße der anderen Länder. Der Hotelier Thomas Walther aus Pontresina erklärte gegenüber der Zeitung Blick: „Unsere Hygienekonzepte haben sich seit dem Sommer bestens bewährt.“ Merkel müsse keine Angst haben. Das Boulevardblatt titelte am Samstag: „Frau Merkel, bei uns sind Sie sicher!

Ski-Urlaub im Corona-Winter? Frankreich öffnet Skigebiete - Skilifte bleiben allerdings geschlossen

In Frankreich hat man nun versucht einen Mittelweg zu finden. Die Wintersportorte dürfen zwar öffnen, die Skilifte bleiben allerdings geschlossen. Das erklärte Premierminister Jean Castex am Donnerstag in einer Pressekonferenz. Der Präsident des französischen Skiliftverbands, Alexandre Maulin, sagte, er sei „am Boden zerstört“. Für die Skifahrer falle der Saisonstart nun flach. Der französische Präsident Macron hatte zuvor betont, eine Öffnung der Skigebiete an den Weihnachtsfeiertagen erscheine ihm wegen der weiter hohen Corona-Infektionszahlen* „unmöglich“. (ph) *Merkur.de ist Teil des Ippen-Digital-Redaktionsnetzwerks

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