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Oxfam setzt sich gegen Benachteiligung von Frauen ein

Oxfam stellt unter dem Titel „Frauen arbeiten unbezahlt, Milliardäre machen Kasse“ verschiedene Forderungen. Bild: dpa

Oxfam prangert die Benachteiligung von Frauen durch ungleiche Arbeitsteilung in Familien an. Gefordert werden höhere Ausgaben für die Kinderbetreuung und gezielte Entwicklungshilfe für Frauen in ärmeren Ländern.

Die Hilfs- und Kampagnenorganisation Oxfam wendet sich mit einer Veröffentlichung zum diesjährigen Weltwirtschaftsgipfel in Davos gegen Benachteiligungen von Frauen, die Kinder betreuen und den Haushalt führen. Unter dem Titel „Frauen arbeiten unbezahlt, Milliardäre machen Kasse“ fordert sie unter anderem höhere Ausgaben für öffentliche Kinderbetreuung, für gezielte Entwicklungshilfe zugunsten von Frauen in ärmeren Ländern sowie eine höhere Besteuerung von Unternehmen und vermögenden Privathaushalten.

„Frauen und Mädchen leisten unbezahlte Pflege- und Fürsorgearbeit im Wert von mindestens 11 Billionen Dollar, 24 Mal mehr als der Umsatz der Tech-Riesen Apple, Google und Facebook zusammen“, teilte Oxfam zur Begründung mit. Während Frauen wegen ihrer Beanspruchung im Haushalt im Durchschnitt schlechter ausgebildet seien und weniger Geld hätten als Männer, sei das Vermögen der 500 reichsten Menschen der Welt 2019 um 25 Prozent gewachsen.

Ausführungen dazu finden sich in einem Report „Time to Care“, der das Thema international darstellt, und in einer Zusatzpublikation von Oxfam Deutschland. Sie trägt den Titel „Im Schatten der Profite – Wie die systematische Abwertung von Hausarbeit, Pflege und Fürsorge Ungleichheit schafft und vertieft“. Armut und Benachteiligung von Frauen seien „Ausdruck eines Wirtschaftssystems, das vor allem für wohlhabende Männer funktioniert“.

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In einer Mitteilung zum aktuellen Report prangert Oxfam an, dass im Jahr 2019 die 162 reichsten Milliardäre auf der Welt zusammen über so viel Vermögen verfügt hätten wie die gesamte ärmere Hälfte der Weltbevölkerung.Die Angaben stützen sich auf Auswertungen des amerikanischen Medienunternehmens Forbes. Nach einer Oxfam-Veröffentlichung von 2017 legt dies einen drastischen Rückgang der Konzentration – also Ungleichverteilung – nahe: Sie prangerte damals an, dass das Vermögen von nur 8 Milliardären das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung aufwiege. Ob die damalige Aussage methodisch belastbar sei, ist umstritten. Oxfam hatte sich gegen die Kritik verteidigt.

Mehr Ausgaben zum Aufbau von Kindertagesstätten

Nähere Hinweise auf eine solche starke Abnahme der Vermögenskonzentration finden sich in der aktuellen Mitteilung nicht. Dass sich das Vermögen der ärmeren Hälfte der Weltbevölkerung in drei Jahren derart vervielfacht hat, ist unwahrscheinlich. Eines aber lasse sich sehr wohl feststellen, sagt der Verteilungsforscher Maximilian Stockhausen vom arbeitgebernahen Institut der deutschen Wirtschaft (IW): In den vergangenen Jahren habe „die Konzentration der Vermögen in weltweiter Betrachtung nicht zu-, sondern eher abgenommen“.

Unabhängig davon, wie man deren Ausmaß bewerte, biete die Richtung der Tendenz kaum Anlass zu Kritik. Triebkraft seien Wohlstandszuwächse in ärmeren Weltregionen. Bessere Erwerbs- und Bildungschancen gerade für Frauen stuft auch Stockhausen als bedeutsames Anliegen ein.

Oxfam fordert von der Bundesregierung, künftig 10 Prozent statt bisher 2 Prozent der Entwicklungshilfeausgaben zum Aufbau von Kindertagesstätten und Grundschulen in den Zielländern einzusetzen. Fördermittel für Frauen und Frauenorganisationen seien in diesen Ländern mindestens zu verzehnfachen. Im Gegenzug müssten dafür „Konzerne und Menschen mit sehr großen Vermögen ihren fairen Anteil zum Allgemeinwohl beitragen“, schreibt Oxfam.