Germany

Polizei-Großaufgebot: Reichsbürger-Razzia bei Grafing

Ein „Reichsbürger“-Pass.

Waffen, Drogen, Propagandamaterial: 200 Polizisten haben in mehreren Bundesländern Hausdurchsuchungen in der rechtsextremen Szene durchgeführt. Unter den Verdächtigen: Ein Handwerker aus Straußdorf bei Grafing.

Straußdorf – Rund 20 bewaffnete Polizeibeamte haben vergangene Woche eine Wohnung in Straußdorf durchsucht. Das Gerücht, das seither in dem Grafinger Ortsteil die Runde macht, bestätigt die Generalstaatsanwaltschaft in München: Der Handwerker, der seinen – ebenfalls durchsuchten – Betrieb in einem Nachbarlandkreis hat, ist verdächtig, dem rechtsextremen Spektrum und der Reichsbürgerbewegung anzugehören. Im Dorf galt er als unauffällig. Aber: „Es muss davon ausgegangen werden“, heißt es in einer Mitteilung mit Bezug auf einen Kreis von zwölf Verdächtigen.

Hausdurchsuchung bei Grafing ist Teil einer Großrazzia

Die Durchsuchung war Teil einer Großrazzia. Wie die Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus der Generalstaatsanwaltschaft mitteilte, durchkämmten die Beamten bereits am vergangenen Mittwoch Wohn- und Geschäftsräume in Bayern, Sachsen, Sachsen-Anhalt und Österreich. Schwerpunkt: das Münchner Umland mit weiteren Durchsuchungen in den Kreisen Erding und Rosenheim. Ermittelt werde wegen des Verdachts auf Verstöße gegen das Kriegswaffenkontroll- sowie das Waffengesetz. Hintergrund seien Waffenlieferungen aus Kroatien nach Deutschland.

Waffenlieferungen: Mann aus dem Dachauer Rocker-Milieu in Haft

Während das Amtsgericht München gegen einen Mann aus dem Rockermilieu im Kreis Dachau Haftbefehl erließ, kommt der Straußdorfer Handwerker wohl glimpflicher davon. Er ist laut der Ermittlungsbehörde nicht festgenommen worden. Wie weit die Verstrickungen des Mannes reichen, und ob auch bei ihm Waffen, Munition oder Propagandamaterial gefunden wurden, verrät die Generalstaatsanwaltschaft mit Verweis auf laufende Ermittlungen nicht. Er selbst wollte sich auf Nachfrage der Redaktion nicht äußern.

Nun wertet die Staatsanwaltschaft Beweise aus

Insgesamt stellten die Beamten laut Mitteilung bei den Durchsuchungen zwei halbautomatische Kurzwaffen, eine Pumpgun, 200 Schuss Munition, eine Handgranatenattrappe, rechtsradikale Schriften, Reichsbürgerunterlagen, eine geringe Mengen Marihuana und zahlreiche PCs, Laptops und Mobiltelefone sicher. Die IT-Geräte würden derzeit ausgewertet. Insgesamt seien 200 Polizisten und vier Staatsanwälte im Einsatz gewesen. Mehrere Tatverdächtige seien bereits geständig.

Reichsbürger-Ideologie im Landkreis Ebersberg

Es ist nicht das erste Mal, dass die Reichsbürger-Ideologie im Landkreis Ebersberg justiziabel wird. Mehrfach – aber nicht diesmal – hatte die Kripo bereits die Räume von zwei selbst ernannten „Führungsmitgliedern“ eines fiktiven „Bundesstaats Bayern“ im Plieninger Ortsteil Landsham durchsucht. Auch am Amtsgericht Ebersberg finden immer wieder Prozesse gegen „Reichsbürger“ statt, unter anderem wegen Amtsanmaßung oder wegen Urkundenfälschung mit selbst gebastelten Ausweisdokumenten.

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