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Polizei Hessen: Venenscanner gegen unbefugte Abfragen

So also sieht die Polizei der Zukunft aus. Eine Dienststelle mit Blick auf den Frankfurter Westhafen. Restaurants und kleine Yachten vor der Tür. Weitläufige Flure mit stylischen Lounge-Möbeln, die eher an ein junges Computerunternehmen denken lassen als an eine Arbeitsstätte der hessischen Polizei. „Wir haben es schön hier“, sagt Kriminaldirektor Bodo Koch. „Viele Rückzugsräume für Think Tanks“, es gehe schließlich um „Visionen“, im „Mittelpunkt steht der Mensch“. Und das Ganze hat noch einen passenden Namen: Innovation Hub 110.

Innenminister Peter Beuth (CDU) und Landespolizeipräsident Roland Ullmann haben die neue Dienststelle am Donnerstag eröffnet. Die Polizei, so Beuth, entwickle sich stetig weiter und werde immer digitaler. So gehe es in den Räumen des Bürokomplexes „Hafenbogen“, in dem außer der Polizei vor allem Unternehmen angesiedelt sind, vor allem darum, „neue IT-Lösungen zu finden“. Und das möglichst effizient. Bodo Koch bezeichnet sein neues Büro demnach auch als eine Art Start-up. Denn dass die Polizei sich jenseits der klassischen Ermittlungsarbeit ausschließlich mit Fragen rund um technische Möglichkeiten befasse, sei neu.

Bei allen Freiheiten, die die 25 Polizisten in ihrem „Innovation Hub“ haben, gibt es jedoch klare Prioritäten. Einige Projekte sind dringender als andere. So wurde am Donnerstag ein sogenannter Venenscanner vorgestellt, mit denen sich Polizisten auf allen Revieren künftig an ihren Computern einloggen sollen. Damit soll verhindert werden, dass mehrere Personen an ein und demselben Arbeitsplatz Daten abfragen können. Hintergrund sind die illegalen Abfragen persönlicher Informationen aus Dienstcomputern in Frankfurt und Wiesbaden, die mutmaßlich für die Drohschreiben NSU 2.0 verwendet worden sind.

Ein Sensor erkennt die Handinnenfläche

Technisch gesehen sind die Venenscanner nichts anderes als eine normale Computermaus mit einem eingebauten Sensor, der die Beschaffenheit einer Handinnenfläche erkennt und sie der entsprechenden Person zuordnet. Verlässt der Beamte den Arbeitsplatz, wird der Bildschirm gesperrt. Landespolizeipräsident Ullmann betont, damit sei künftig so gut wie ausgeschlossen, dass ein Arbeitsplatz von mehreren Beamten gleichzeitig genutzt werden könne. Genau das erschwert derzeit die Ermittlungen in der Frage, welcher Beamte zum entsprechenden Zeitpunkt die Datenabfrage auf den Revieren getätigt hat. Zudem müsse auch der Grund der Abfrage konsequenter als bislang angegeben werden. Derzeit befinden sich die Venenscanner im Testbetrieb, zunächst in einer Dienststelle in Rüsselsheim. Wann sie flächendeckend eingesetzt werden können, ist noch unklar.

Ein anderes Projekt, das derzeit im „Innovation Hub“ entwickelt wird, ist eine App zur Verkehrsunfallaufnahme. Was zunächst etwas sperrig klingt, soll für die Streifenbeamten jedoch einen Quantensprung bedeuten. Dabei werden die Daten von Personen, die in einen Unfall verwickelt sind, den Plänen zufolge nicht mehr mit Zettel und Stift aufgenommen, sondern mit einer eigenen Software. Der Polizist scannt dabei mit dem Smartphone den Führerschein, den Personalausweis und die Fahrzeugpapiere. Der genaue Standort wird automatisch erkannt, die Uhrzeit abgespeichert. Wird der Vorgang dann später auf dem Revier weiter bearbeitet, existiert er schon in elektronischer Form und muss nicht mehr per Hand eingegeben werden.

Auf die Frage, welche Projekte noch denkbar seien, verweist Dienststellenleiter Koch auf das Thema Extremismus. Beuth sagt, die hessische Polizei werde mit dem „Innovation Hub“ deutschlandweit eine Vorreiterrolle einnehmen. Die größte Herausforderung bestehe unter anderem darin, Lösungen zu finden, um mit den riesigen Datenmengen umzugehen, die bei Ermittlungen anfielen. Eine Expertise habe man sich bei der Software Hessendata schon ins Haus geholt. Gemeint ist das Unternehmen Palantir.

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