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"Polizeiruf 110: Hermann": "Am Arsch" sagten die Nazis

"Polizeiruf 110: Hermann" "Am Arsch" sagten die Nazis

Mit diesem Fall aus Frankfurt Oder hat Regisseur Dror Zahavi ein Stück seiner eigenen Geschichte verfilmt. Es geht um Schuld, Versöhnung und die Schwierigkeiten der ersten Holocaust-Generation. "Hermann" wird zur eindringlichen Geschichtsstunde - nur das mit dem Krimi hätte man sein lassen können.

Einen der intensivsten Momente erleben wir gleich zu Beginn dieses Films. Zvi Spielmann (Dov Glickman) ist mit seiner Tochter Maya Spielmann (Orit Nahmias) nach Deutschland zurückgekehrt. Leicht gefallen ist ihm das nicht. Spielmann war noch ein Kind, hieß damals Hermann, als seine Eltern im Zweiten Weltkrieg von den Nazis aus ihrem Haus geholt, verschleppt und ermordet wurden. Glickmann überlebt, sein Elternhaus reißt sich die Familie von Elisabeth Behrend (Monika Lennartz) unter den Nagel. Heute verbringt die alte Dame ihren Lebensabend dort, wohnt mit Sohn Jakob (Heiko Raulin) zusammen.

Glickmann und seine Tochter schicken sich an, ihr Eigentum zurückzufordern. Ein schwerer Gang für Glickmann, zu schlimm sind die Erinnerungen. Sein Deutsch hat er fast vergessen. Es sind vor allem zwei Worte, an die er sich erinnert: "Am Arsch". So sagten es die Nazi-Schergen, bevor sie im Konzentrationslager mit dem Auspeitschen begannen.

Für Regisseur Zahavi die emotionalste Sequenz. "Die Anfangsszene, in der Zvi erzählt, welches Wort auf Deutsch er nie vergessen wird, und ihr Pay-off später bei Winkler im Büro", so Zahavi im Interview. "Diese Szene ist nach der persönlichen Geschichte meines Großonkels geschrieben und liegt mir sehr am Herzen."

Die beiden haben bereits zuvor zusammengearbeitet, 2015 spielte Glickman im Film "Herbe Mischung" mit, Zahavi wusste also, dass dieser Stoff, historisch gesehen von großer Tragweite, aus persönlicher Sicht überaus emotional belegt, in besten Händen ist. Und so trägt Glickman mit all seiner Erfahrung aus zahlreichen Theaterstücken, Film- und Fernsehproduktionen diese Geschichte nach einem Drehbuch von Mike Bäuml, gibt seiner Figur ein Gesicht, ein Gefühl, dem man sich als Zuschauer kaum entziehen kann - bis hin zur Herzattacke, die so eindringlich geraten ist, dass es sogar vor dem Bildschirm in der Brust schmerzt. Auch das Zusammenspiel mit Orit Nahmias, die seine Tochter darstellt, nahbar und emotional, gibt der Inszenierung eine zusätzliche Tiefe.

Schuld und der Wunsch nach Versöhnung

So versteht es Zahavi mit diesem Film, ein hochkomplexes, längst nicht abgeschlossenes Thema mit einer sehr persönlichen Geschichte auszukleiden. "In dem Film geht es nur äußerlich um Restitution. Eigentlich geht es in dem "Polizeiruf 110" um Schuld und das Bedürfnis der Deutschen nach Versöhnung und die Schwierigkeit der ersten Holocaust-Generation, dies zu leisten", erklärt der Regisseur. "Es ist für mich durchaus nachvollziehbar, dass ein Holocaust-Überlebender Deutschland nicht betreten und mit den Deutschen nichts zu tun haben will. Ich kenne aus Israel mehrere solche Menschen."

Bleibt die Sache mit dem Format, dem Plot: Denn so diffizil das Thema Restitution, also die Rückgabe enteigneter Güter an ihre rechtmäßigen Besitzer, auch ist, so eindimensional gerät alles Kriminalistische drumherum. Raczek (Lucas Gregorowicz) als chronischer Trauriggucker mit Hang zu übergriffigem Kolleginnen-Anfassen, Oelßner (Bernd Hölscher) als Karikatur eines Dienststellenleiters, Winkler (Sven-Eric Bechtolf) ebenso, ein öliger Schmierlapp wie aus einer "Derrick"-Folge von 1982, sein Handlanger ein Tunichtgut mit chronisch offen stehendem Mund unter der Schnurre - alles eigentlich obsolet. Die Geschichte um Zvi Spielmann wäre ohne die Tote im Bauschutt nicht einen Deut weniger bewegend ausgefallen.