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Pullach setzt ein Zeichen gegen Antisemitismus

Gemeinderat beschließt Straßen umzubenennen, um damit an in der NS-Zeit verfolgte Persönlichkeiten zu erinnern

Das Straßenverzeichnis von Pullach wird sich verändern. Die Gemeinde will zwei Straßen umbenennen und damit ein Zeichen gegen Antisemitismus setzen.

Pullach - Wie der Gemeinderat mit großer Mehrheit beschlossen hat, soll die Bischof-Meiser-Straße künftig Dr. Richard Eylenburg-Straße heißen. Die Tage der jetzigen Industriestraße sind ebenfalls gezählt – hier soll der Namensgeber der nahen Zukunft Dr. Franz Pollitzer sein, ein Chemiker und Wahlpullacher, der während der NS-Zeit wie Eylenburg auch antisemitisch verfolgt worden ist.

Die Charlottenstraße im Ort wird allerdings Charlottenstraße bleiben – hier wollte das Gremium der Idee der Verwaltung, die Verbindung zwischen S-Bahn und Burg Schwaneck künftig Charlotte-Dessecker-Straße zu nehmen, nicht folgen; das lohne den Aufwand, der ja für Anlieger aus einer neuen Adresse folgt, nicht.

Bischof hat sich mehrfach rassistisch antisemitisch geäußert

Den Vorschlag, die Bischof-Meiser-Straße umzubenennen, hatte das sehr aktive Geschichtsforum der Gemeinde schon vor einem halben Jahr gemacht. Der Kirchenmann, sagt Archivar Christian Sachse, sei zwar ein Kämpfer für die Freiheit seiner evangelischen Landeskirche gewesen, deren Gleichschaltung er durchaus mutig verhindern hat können. Aber er habe sich mehrfach eben auch „rassistisch antisemitisch“ geäußert, einmal 1926 in einem Aufsatz, ein weiteres Mal ist für 1943 belegt. Zudem, so Sachse, distanzierte er sich nie vom Regime, führte ganz im Gegenteil sogar den Hitlergruß in der Kirche ein, sagte nichts gegen den Vernichtungskrieg und begleitete auch die Euthanasie nicht kritisch: „Er ist eine ambivalente Figur.“ Weshalb ja auch Städte wie Nürnberg und auch München ihre Bischof-Meiser-Straßen längst umbenannt haben; in den Gründungsjahren der Bundesrepublik hatte der Bischof als Widerstandskämpfer gegolten.

Moralische Verpflichtung, neuen antisemitischen Tendenzen entgegenzutreten

Cornelia Zechmeister, WiP, konnte sich mit ihrer Meinung: „Man muss das Alte auch einmal ruhen lassen“, nicht durchsetzen. Das Gros im Gremium dachte eher wie das Geschichtsforum, das angeregt hatte, „ein Zeichen zu setzen und allen Formen von Judenhass und Antisemitismus entgegen zu treten“. Gerade heute, meinte in der Sitzung Peter Habit, Beisitzer im Geschichtsforum, sei es unsere „moralische Verpflichtung, neuen antisemitischen Tendenzen entgegenzutreten“.

Eylenburg war Berufungsrichter in Entnazifizierungsprozessen

Richard Eylenburg, gebürtig in Waldenburg/Schlesien, hat Jahre in Konzentrations- und Arbeitslagern verbracht. Sein Bruder starb in Buchenwald, zahlreiche weitere Verwandte wurden von den Nazis umgebracht. Nach dem Krieg fand er in Pullach ins Leben zurück, der überzeugte Sozialdemokrat war ab 1952 eine Weile Zweiter Bürgermeister. Als Jurist war er unter anderem Berufungsrichter in Entnazifizierungsprozessen. Holger Ptacek (SPD) meinte bei der Diskussion, er freue sich, dass mit Eylenburg ein Mensch geehrt werden soll, der mit der „Geschichte der Arbeiterbewegung“ eng verbunden sei. „Das finde ich sehr berührend.“

Pollitzer wurde 1942 deportiert und kam nie zurück

Schon vor dem ersten Weltkrieg war hingegen Franz Pollitzer, neuer Namensgeber der Industriestraße, die bis 2010 noch nach dem „Peroxid“-Gründer und Hitler-Förderer Albert Pietzsch geheißen hatte, ins Isartal gekommen. 1911 fing er bei „Linde’s Eismaschinen“ an, wurde ab 1933 entrechtet, konnte aber bis 1938 mit Hilfe seines Arbeitgebers im Isartal bleiben. Dann gelang ihm die Flucht nach Frankreich, den Nationalsozialisten entkam er trotzdem nicht. 1942 wurde er deportiert, er kam nie zurück. Sein Leben hat Susanne Meinl in ihrem Band über antisemitisch Verfolgte in Pullach rekonstruiert.

Die Frage, die in der Sitzung vom CSU-ler Sebastian Westenthanner aufgeworfen wurde, ob denn die Industriestraße, die letztlich zu einem Klärwerk führt und in der keine Leute wohnen, eine Straße sei, die dem Namensgeber zur Ehre gereiche, beschäftigte die Beteiligten nur kurz. Bürgermeisterin Susanna Tausendfreund (Grüne) meinte: „Die Wirkungsstätte von Pollitzer war die Firma Linde, die Straße ist richtig gewählt.“

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