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Quarantäne-Verstöße in Bad Tölz-Wolfratshausen: „Corona-Positive laufen draußen herum“

Von: Andreas Steppan

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Nach einem PCR-Test muss man in der Regel zu Hause bleiben, bis das Ergebnis vorliegt. © Kay Nietfeld/dpa

Wer auf das Ergebnis eines PCR-Tests auf das Coronavirus wartet, muss in aller Regel bis dahin in Quarantäne bleiben. Doch längst nicht jeder hält sich daran, wie Ärzte aus Bad Tölz-Wolfratshausen berichten.

Bad Tölz-Wolfratshausen – In den Arztpraxen ist es aktuell Alltag: Täglich werden dort PCR-Tests auf das Coronavirus durchgeführt – und täglich fallen einige davon positiv aus. Wenn die Ärzte dann die Betroffenen über ihre Infektion informieren wollen, kommt es vor, dass sie frustriert feststellen: Statt wie vorgeschrieben zu Hause auf sein Testergebnis zu warten, ist derjenige nicht zu erreichen, sondern draußen unterwegs.

Das erlebt zum Beispiel der Lenggrieser Allgemeinmediziner Dr. Rolf Spieß immer wieder. Im Schnitt nehme er in seiner Praxis vormittags rund 15 bis 20 Abstriche für PCR-Tests. „Mittags kommt der Fahrer und bringt die Proben ins Labor“, berichtet er. Den Patienten gebe er stets mit auf den Weg: „Bis das Ergebnis vorliegt, müssen Sie zu Hause in Quarantäne bleiben.“

Die Befunde aus dem Labor lägen ihm dann in aller Regel noch am Abend desselben Tages oder am folgenden Vormittag vor. „Gut die Hälfte ist positiv“, sagt Dr. Spieß. Über positive Tests informiert das Labor zeitgleich das Gesundheitsamt. Der Hausarzt klemmt sich umgehend ans Telefon, um seine Patienten zu benachrichtigen. „Man sollte annehmen, dass sie in der Quarantäne leicht zu erreichen sind. Aber bei rund 25 Prozent ist das nicht der Fall“, wundert sich Spieß. Das bedeutet nicht nur, dass der Arzt unnötig lange braucht, um die Menschen abzutelefonieren. Ihm geht es vor allem um eines: „Corona-Positive laufen also draußen herum und können andere anstecken.“ Immer wieder höre er von diesen Patienten, dass sie „noch etwas zu erledigen gehabt“ hätten. Von seinen Kollegen aus anderen Arztpraxen habe er erfahren, dass die Erfahrungen überall gleich seien.

Zu Recht weist Dr. Spieß darauf hin, dass es sich bei einem solchen Verhalten um einen Regelverstoß handelt. „Bei einem positiven von einem Dritten durchgeführten Schnelltest muss man sich unbedingt in Isolation begeben und darf auch nichts mehr erledigen – außer, einen Bestätigungs-PCR-Test zu machen“, erläutert Landratsamts-Sprecherin Marlis Peischer. „Erst wenn dieser negativ ist, kann man die Quarantäne verlassen.“

Dasselbe gelte, wenn der Arzt aufgrund von Symptomen einen PCR-Test zum Ausschluss einer Infektion mit dem Coronavirus macht. Dann heißt es verpflichtend: zu Hause bleiben, bis man das Ergebnis erfährt. „Bei einem positiven Selbsttest sollte man ebenso handeln.“

Weist der PCR-Test eine Infektion nach, gilt erst recht: unbedingt in Isolation bleiben, „unabhängig von der Symptomatik“, stellt Peischer klar. Diese Pflicht gelte auch, wenn das Gesundheitsamt den Patienten noch nicht kontaktiert und die Isolation explizit angeordnet hat. Jeder Betroffene werde vom Gesundheitsamt angerufen, um das weitere Vorgehen zu besprechen. „Aufgrund der nach wie vor sehr hohen Fallzahlen kann das allerdings immer noch vier bis sechs Tage dauern“, räumt Peischer ein. Das Gesundheitsamt habe sein Personal aber „massiv verstärkt, sodass die Zeiträume kürzer werden“. Eigenverantwortung sei für die Bekämpfung der Pandemie wesentlich, sagt Peischer. Leider komme es aber immer wieder vor, dass Infizierte gegen die Isolationspflicht verstoßen. Das könne zum Beispiel offensichtlich werden, wenn das Gesundheitsamt denjenigen anruft und im Hintergrund eine verräterische Geräuschkulisse zu hören ist, à la: „Zweite Kasse, bitte!“

„Wer sich nicht daran hält und sich offensichtlich nicht isoliert, begeht eine Ordnungswidrigkeit“, so Peischer. „Wenn ein Verfahren eingeleitet wird, kann das möglicherweise mit einem Bußgeldbescheid abgeschlossen werden.“

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