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Schalker Polizeimethoden dokumentieren das Ausmaß der Krise

Wenn Felix Magath, ein Meister der schwarzen Pädagogik, einen Spieler zur Räson rufen wollte, soll er zu ungewöhnlichen Mitteln gegriffen habe: Er habe den Profi in sein Büro zitiert und ihn Platz nehmen lassen.

Dann soll sich der frühere Trainer und Manager von Schalke ans Fenster gestellt und hinausgeblickt haben. Dabei schwieg er, minutenlang. Wenn der Spieler dann nach einer Weile und ziemlich verunsichert fragte, weswegen er denn überhaupt kommen musste, habe Magath losgepoltert: „Was? Das weißt du nicht?“ Dann habe er den Spieler aus dem Büro geschmissen.

Magath

Schleifer der Liga: Felix Magath arbeitete als Trainer auch auf Schalke

Quelle: AFP

Die Zeiten, in denen auf Schalke unwillige oder undisziplinierte Profis derart in den Senkel gestellt wurden, gehören der Vergangenheit an. Was zur Folge hat, dass in diesen Tagen viel geredet werden muss: Amine Harit, Nabil Bentaleb und Vedad Ibisevic – gleich drei Profis des Tabellenletzten mussten Dienstag zum Rapport. Der 22-jährige Harit fuhr im Lamborghini vor.

Es gärt bei dem abgestürzten Traditionsverein, der seit 24 Bundesligaspielen in Folge sieglos ist. Die Negativserie zerrt derart an den Nerven, dass es am Freitag bereits während des Spiels gegen den VfL Wolfsburg

Ermittlungen mit Videoaufnahmen

Nachdem Harit nach einer völlig uninspirierten Vorstellung bereits nach 39 Minuten ausgewechselt worden war, ging er wortlos an Trainer Manuel Baum vorbei in die Kabine. In der Pause muss es dort sehr laut geworden sein – dabei müssen sich laut Sky mehrere Spieler „respektlos“ verhalten haben. Auch Benjamin Stambouli habe, nachdem er von seiner bevorstehenden Auswechslung erfuhr, sehr emotional reagiert.

Auf dem Platz willenlos, in der Kabine laut: In Schalkes Mannschaft gärt es

Auf dem Platz willenlos, in der Kabine laut: In Schalkes Mannschaft gärt es

Quelle: picture alliance/ SVEN SIMON

Was konkret gesagt worden ist, bleibt unklar. Auffällig war jedoch, dass Baum am Sonntag Harit und Bentaleb, die sich bereits in der Vergangenheit mehrere Disziplinlosigkeiten geleistet hatten, vom Trainingsbetrieb ausgeschlossen hatte. Stambouli, dem unterstellt worden war, am Samstag aus Frust die Arena vorzeitig verlassen zu haben, hätte sich entgegen anderslautender Meldungen jedoch nichts Gravierendes zuschulden kommen lassen.

„Benjamin hat enttäuscht auf seine Auswechselung reagiert, aber er hat nicht vorzeitig das Stadion verlassen“, sagte Schalkes Sportvorstand Jochen Schneider am Dienstag. Wie der Verein davon erfuhr, zeigt aber ziemlich gut den Krisenmodus des Klubs auf. Zeugenaussagen und Videoaufnahmen der Überwachungskameras würden beweisen, dass der Spieler bis „weit nach Abpfiff“ auf dem Gelände war, teilte der Verein mit.

Harit und Bentaleb, die auch Dienstag nicht trainierten, könnte dagegen eine längere Suspendierung drohen – weil es an ihrer Einstellung schon länger berechtigte Zweifel gibt.

Zudem wird der Vertrag mit Vedad Ibisevic zum 31. Dezember 2020 aufgelöst. Der Spieler hatte am Sonntag für einen Skandal gesorgt. Nachdem Co-Trainer Naldo auf dem Trainingsplatz eine emotionale Ansprache gehalten hatte, war Ibisevic offenbar der Kragen geplatzt – Kopf an Kopf hätten sich der Brasilianer und der Bosnier gegenübergestanden. Daraufhin sei die Einheit abgebrochen worden. Dies sei allerdings nicht der Grund für die vorzeitige Trennung des erst im Sommer nach Schalke gekommenen Angreifers gewesen.

„Ausdrücklich betonen möchte ich, dass der emotionale Ausbruch im Training am vergangenen Sonntag überhaupt nichts mit dieser Entscheidung zu tun hat – so etwas passiert im Fußball“, sagte Schneider.

Unabhängig von den massiven Verstimmungen innerhalb der Mannschaft – was es Schalke so schwer macht, wieder in die Spur zu finden, ist die Vielzahl von Baustellen in und um den Klub.

Da ist der Unmut der Fans, der sich mittlerweile nicht mehr nur an dem langjährigen und im Juni zurückgetretenen Aufsichtsratschef Clemens Tönnies festmacht, sondern an der aktuellen Vereinsführung. Schneider und der Marketing-Vorstand Alexander Jobst wird vorgeworfen, den Verein zu „entschalkern“. Sie würden versuchen, sich von langjährigen Mitarbeitern zu trennen – mutmaßlich, um den Klub im Hinblick auf die geplante Ausgliederung zu verschlanken. Die Vorstände bestreiten dies. Es werde keine betriebsbedingten Kündigungen geben, beteuerte Jobst.

Die Fanproteste aber bleiben und richten sich vor allem gegen Jobst. „Ey, Alex, Traditionsarbeit ist Sache des Vereins und nichts für dein Outsourcing!“, hieß es auf einem Transparent, dass Samstag am Rande des Spiels der Schalker U23 gegen Borussia Dortmund

Doch unabhängig von den massiven finanziellen Schwierigkeiten – die Gesamtverbindlichkeiten dürften sich auf etwa 240 Millionen Euro belaufen – sorgt die Angst vor einem Abstieg auch für gegenseitige Schuldzuweisungen. Die Frage, wie es überhaupt so weit kommen konnte, hat Schneider bislang nicht überzeugend beantworten können. Klar ist, dass seine Einschätzung, dass die Mannschaft trotz aller Probleme zu stark sei, um ernsthaft in Gefahr zu geraten, eine Fehleinschätzung sein könnte.

Michael Reschke

Erstes Opfer: Michael Reschke und Jochen Schneider waren selten einer Meinung

Quelle: dpa/Sebastian Gollnow

Diese muss nun zuvorderst der Technische Direktor Michael Reschke ausbaden. Der 63-Jährige, den Schneider erst vor der vergangenen Saison verpflichtet hatte, wurde Dienstag von seinen Aufgaben entbunden. Dem Kaderplaner wurde zur Last gelegt, nichts Wesentliches dazu beigetragen zu haben, die Mannschaft zu verstärken – allerdings war der finanzielle Spielraum, den er für Spielerverpflichtungen zur Verfügung hatte, auch sehr begrenzt.

Dazu kommen jedoch offenbar einige Meinungsverschiedenheiten mit Schneider – beispielsweise in Bezug auf Ex-Trainer David Wagner, von dem sich Reschke gerne schon früher getrennt hätte. Zudem soll Reschke bereits mit Torwart Alexander Schwolow vom SC Freiburg einig gewesen sein. Der Tansfer kam aber nicht zustande, weil Wagner und Schneider stattdessen lieber einen Rechtsverteidiger verpflichten wollten.

Zum Eklat soll es dann gekommen sein, weil Reschke angeblich mit Hertha BSC über einen Verkauf von Omar Mascarell verhandelt haben soll – ohne den Spieler und ohne Schneider darüber zu informieren. Schneider hätte angeblich entsetzt reagiert. Dies berichtete Sport1.

In der Pressemitteilung zur Trennung liest sich das von Klubseite dann so: „Letztlich hatten wir eine unterschiedliche Auffassung über die sportliche Zukunft des Vereins.“

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