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„Schlafschafe“ bei ZDFneo: Querdenker aus der Nähe

Erst seit sein Sohn nicht mehr in die Grundschule geht, fällt Lars (Daniel Donskoy) die Veränderung seiner Frau Melanie (Lisa Bitter) auf. Es ist Winter 2020, die Pandemie und die Schutzmaßnahmen schränken den Alltag ein, die Anspannung ist allseits spürbar. Stress, klar. Janosch (Emil Brosch) hat seit neuestem Magen-Darm-Beschwerden, die Lars für normal hält, bis er Melanie mit seltsamen Tropfen hantieren sieht. Als das Ehepaar Franzi (Amanda da Gloria) und Dirk (Anton Schneider) mit Korbinian (Finjen Kiefer) zu Besuch kommt – ein Haushalt erlaubt –, fällt der Groschen langsam.

Maskenpflicht in der Grundschule sei in Wahrheit ein „Genozid an Kindern“, führt Melanie passioniert aus. Die erschöpfte Intensivschwester Franzi sucht fassungslos das Weite. Rauchmelder liegen in der Schublade, weil sie laut Melanie „Daten zur Zusammensetzung unserer Atemluft“ sammeln, um der herrschenden „Elite“ zu ermöglichen, das nächste, noch viel tödlichere Virus in Umlauf zu bringen. Schon mal was vom Projekt „Reset“ gehört?

Zwölf Jahre Liebesbeziehung, ein Kind, ein Haus, eine halbe Million Schulden bei der Bank, ein nicht immer unbeschwertes, aber doch komfortables und gutes Leben, dafür lohnt es sich zu kämpfen, sagt Lars in Richtung des Publikums. Auch, wenn die Ehefrau unbemerkt zu den Irrationalen übergeschwenkt ist. Zu Leuten, die mit der Angst der Menschen Geld machen oder als Rattenfänger von rechts arbeiten. Auf sie mit Argumenten.

Die sechsteilige „Instant Dramedy“- Serie „Schlafschafe“ von Matthias Thönissen (Buch und Regie) und Zarah Schrade (Buch) bei ZDFneo zielt, wie zuletzt die Kürzestserien „Drinnen – Im Internet sind alle gleich“, „Liebe. Jetzt!“ oder „Lehrerin auf Entzug“ auf Aktualität. Dass öffentlich-rechtliche Sender nicht nur abgehangene Stoffe im Angebot haben müssen, ist ein Resultat des zaghaften Wettbewerbs der Mediatheken. Im Gegensatz zum herkömmlichen Fernsehgeschäft, mit langer Entwicklung und Ziel der linearen Ausstrahlung, wird in diesen, den „Instant Fiction“-Produktionen, die pro Folge meist nicht länger als eine Viertelstunde lang sind, das Streamen angepeilt, Zweitverwertung Fernsehen.

Themen wie Homeoffice, Liebe auf Digitaldistanz oder Homeschooling sind im Angebot. Direkte Zuschaueransprache wie am Laptop-Bildschirm gewöhnt, gehört dazu. „Wir“ sind nicht mehr bloß „deins“, wie die ARD betont, sondern direkt dabei. „Wir sind Zoom, oder Teams oder Discord, was immer, jedenfalls sind „wir“ mit den Schauspielerinnen und Schauspielern von Angesicht zu Angesicht am Schirm. Die Settings sind meistens einfach, die Dramaturgie erlaubt sich Auslassungen, das Tempo ist vergleichsweise rasant, zum Teil wird improvisiert. Lavinia Wilson oder die Kabarettistin Christine Eixenberger oder in „Schlafschafe“ Daniel Donskoy, Lisa Bitter und auch ihr Filmsohn Emil Brosch überzeugen. Dieses Mal hält auch das Buch mit. Der Ton ist komödiantisch, ohne sich aufs rein Absurde zu verlegen, und er ist auch dramatisch gelungen, weil sowohl Donskoy als auch Bitter in ihren Rollen nachvollziehbar um ihre Ehe kämpfen.

Vielleicht hilft Einfühlung zur Einordnung von Melanies Ängsten. Aufklärung braucht Verständniszugang, Lars ringt sich durch. Also fahren sie zu einer Vertreiberin sogenannter „True Masks“ (Katerina Jacob). Dilettantisch aufgetackerte Label entlarven das Produkt als Fake. Als Nächstes sucht Lars Melanies Hauptzeugen, den Betreiber des „Wahrheits“-Kanals (August Zirner) auf, der ihn auf das ominöse „Black Rock Satellite“-Video verweist, das für „selbstdenkende“ Menschen angeblich alle relevanten Beweise zur Weltverschwörung enthalte.

Lars, dem es bei seiner Eherettungsmission immer blümeranter wird, findet auch den Urheber des „Schwarzer Satellit“-Unfugs. Melanie aber, von einem gewissen Klaus-Dieter als Hauptrednerin einer Querdenker-Demo angeworben, ist kaum mehr zu erreichen. Die „Mainstream-Denke“ habe ihn manipuliert. Trennung, Scheidung – alles möglich. Ausgang offen. Man kann bemängeln, dass „Schlafschafe“ eine Haltung hat, aber keine Lösung bietet. Dass sie „Querdenkende“ erreichen kann, ist illusorisch. Den Versuch der Subversion kann man ihr aber ansehen.

Schlafschafe läuft in der Nacht von Mittwoch auf Donnerstag um 0.45 Uhr bei ZDFneo, verfügbar in der ZDF-Mediathek.

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