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Schnapsgelage in der Kajüte

Vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts werden derzeit die Geschehnisse auf dem tschechischen Binnenschiff rekonstruiert.

Vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts werden derzeit die Geschehnisse auf dem tschechischen Binnenschiff rekonstruiert. (David Ebener/DPA)

Was ist am späten Abend des 24. und am frühen Morgen des 25. Januar auf dem tschechischen Frachtschiff passiert, das im Dörverdener Schleusenkanal lag? Vermutlich sehr viel. Der wegen Totschlags angeklagte Kapitän kann sich angeblich an sehr komplexe, zeitweise dramatische Geschehnisse entsinnen. Für den Tod des Steuermannes sei er aber nicht verantwortlich, beteuerte der 39-Jährige am Donnerstag vor der Schwurgerichtskammer des Landgerichts Verden.

Nachdem der Prozess am Vortag, wie berichtet, wegen unzulänglicher Dolmetscherleistung vorzeitig unterbrochen worden war, klappte es mit der Übersetzung nun hervorragend. Vorsorglich wurde zunächst noch einmal die recht knappe Anklageschrift verlesen und übersetzt. Was die Staatsanwaltschaft darin gegen den Schiffsführer vorbringt, entspricht nach dessen Darstellung aber nicht den tatsächlichen Ereignissen. Zwar sei man, mal wieder, in Streit geraten. Aber er habe den Kollegen weder geschlagen noch gewürgt. Alles, was aus Sicht der Ermittler für diverse und zum Teil massive Gewaltanwendung spreche, könne er erklären.

Der Angerklagte wirkte ruhig und gefasst, als er anhand seiner „Notizen“ schilderte, wie sich seine Erinnerungen an das verhängnisvolle Winterwochenende gestalten. Seine umfangreiche Einlassung, von der neuen Dolmetscherin etappenweise sofort übertragen, nahm fast anderthalb Stunden in Anspruch und erstreckte sich über seinen Zeitraum von mehreren Tagen – von der Abfahrt in Bremen bis zur Haftbefehlsverkündung und der Fahrt in die Justizvollzugsanstalt.

Schon auf dem Weg nach Dörverden sei ihm  aufgefallen, dass der Steuermann – der Bruder seiner Lebensgefährtin – wieder irgendwie merkwürdig gewirkt habe, vermutlich alkoholisiert. Unterwegs habe sich auch einmal die Wasserschutzpolizei nach dem Mann erkundigt. Er selbst sei auf einer Treppe an Bord ausgerutscht und habe sich die Hand verletzt. Nach dem Festmachen in Dörverden habe man in seiner Kajüte zusammen Gulasch gegessen, jeweils ein Bier und vier, fünf Schnäpse getrunken. Es soll sich dabei um Hochprozentiges mit dem Wort „Captain“ im Markennamen gehandelt haben.

Er habe seinem Steuermann gesagt, er müsse sich künftig „verantwortungsvoller“ verhalten, sonst könne man nicht als kleine Crew zusammenbleiben. Dann habe er ihn weggeschickt, er solle doch in seiner eigenen Kajüte „weiter Randale machen“. Nach mehreren Telefonaten habe er im Freien eine Zigarette rauchen wollen und gesehen, dass der Kollege vor dem Einstieg zum Maschinenhaus saß. Beim Versuch, ihn in die Kajüte zu geleiten oder „zu treiben“, sei er vor ihm gegangen. An der „Spitze des Schiffes“ müsse der Mann ins eiskalte Weserwasser gefallen sein. Unter großen Kraftanstrengungen sei es ihm gelungen, so der Angeklagte, den Kollegen an Bord zu hieven. „Ich hatte Angst, dass er ertrinkt und stirbt“.

Nach dieser mühevollen Rettungsaktion will der Kapitän sich in seine Koje verzogen und nichts mehr mitbekommen haben. Umso größer am nächsten Morgen gegen 7 Uhr der Schreck, als er den Steuermann nackt, blutüberströmt und regungslos an Deck entdeckt habe. Er habe immer wieder seinen Namen gerufen, „aber keine Reaktion“. Er habe den Schleusenwärter alarmiert, später auch vom Steuerhaus den Rettungsdienst gerufen. Auf Nachfrage der Verfahrensbeteiligten berichtete der Angeklagte später noch einmal, er habe  während des Wartens auf die Sanitäter bei dem Steuermann Herzmassage und Mund-zu-Mund-Beatmung durchgeführt – vergeblich. Einiges an Blut und Erbrochenem habe er mit Wasser aus der Weser von dem Mann „abgewaschen“. Auch habe er dem Unbekleideten eine Hose angezogen. Nein, von Leichenstarre habe er dabei nichts bemerkt.

Nach dem Obduktionsbefund sei von einem Gewaltverbrechen auszugehen, betonte der Vorsitzende Richter während der Befragung am Donnerstagvormittag. Wenn der Angeklagte es nicht gewesen sein wolle, dann sei in der Nacht vielleicht eine andere Person an Bord gekommen? Habe er eventuell jemanden gesehen? „Nein“, hieß es dazu nur. Die Verteidiger brachten vor, das Opfer könne an Erbrochenem erstickt sein, die Verletzungen post mortem durch falsche Hilfsmaßnahmen entstanden sein.  

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