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Schwimmer bei Olympia: Vorwiegend schattig

Am Sonntag, in Deutschland war es früher Morgen, stellte die Melbourne Herald Sun einen heiteren Medaillenspiegel ins Netz. Heiter für die Australier. Erster China, Zweiter USA, Dritter Japan und so weiter. Platz elf, das ist der Gag, hinter einem Schwimmer-Symbol steht: Emma McKeon, vier Goldmedaillen, dreimal Bronze. Platz zwölf: Deutschland, drei Goldmedaillen zu diesem Zeitpunkt. Kein Ian Thorpe, keine Dawn Fraser, überhaupt kein Australier war bei Olympia bislang erfolgreicher als die 27 Jahre alte Schwimmerin aus Wollongong.

Eine Ausnahmeerscheinung. Aber, und das ist ein Problem für den Deutschen Schwimm-Verband, nicht nur am frühen Sonntagmorgen, eben nicht die einzige Ausnahmeerscheinung im Schwimmen, bei Weitem nicht. Seit Jahrzehnten dominieren die Australier, noch mehr die Amerikaner. Caeleb Dressel, fünf Goldmedaillen, schwimmt in jedem Rennen gegen den Vergleich mit Michael Phelps an.

Andere Nationen haben aufgeholt: Briten und Chinesen vor allem. Die Deutschen allerdings im Großen und Ganzen nicht. Die beiden Bronzemedaillen des Magdeburger Langstreckenpaars Sarah Köhler und Florian Wellbrock sind die ersten seit 13 Jahren in einem Olympia-Becken für den DSV. Das zeigt, wie verfestigt die Krise ist. Acht DSV-Schwimmer erreichten Endläufe, so viele wie in London 2012, einer mehr als vor fünf Jahren in Rio. Aber in Tokio wurden drei Rennen ausgetragen, die es zuvor noch nicht gab, Köhler und Wellbrock nutzten ihre zusätzlichen Chancen.

Der Herbst könnte unruhig werden

Bundestrainer Bernd Berkhahn sprach am Sonntag trotzdem mit Recht von „sehr positiven Ansätzen“. Die Auftritte der 19 Jahre alten Isabel Gose und Lukas Märtens, des 21 Jahre alten Lucas Matzerath und Henning Mühlleitners, der mit 24 Vierter über 400 Meter wurde, lassen das zu. Aber es sind nur Ansätze. Es wird entscheidend darauf ankommen, in der näheren Zukunft diese Ansätze zu fördern, zu hegen und zu pflegen.

Die Voraussetzungen dafür sind nicht gut. Der DSV ist in erheblicher Unruhe, seit das Präsidium, seit einem Dreivierteljahr im Amt, Sportdirektor Kurschilgen im Frühjahr vor die Tür setzte. Die Unruhe, sagte Berkhahn, habe Trainer und Sportler Zeit und Kraft gekostet, die Perspektive sei „schwierig“, „das alles nicht glücklich“. Der Herbst könnte unruhig werden.

Doch über dem Schwimmen hängt noch ein Schatten, der viel weiter greift. In der Leichtathletik wurde die nigerianische Sprinterin Blessing Okagbare zwischen Zwischenlauf und Halbfinale aus dem Wettbewerb gezogen, von der Integrity Unit, einer ausgelagerten Ermittlereinheit, die vom Verband World Athletics als Reaktion auf die Betrugsmethoden der Russen eingesetzt wurde.

Was sagt es über das Schwimmen, wenn dem Bundestrainer das Konzept nicht näher bekannt ist? Wenn, in Tokio wie in Rio, Amerikaner, die Schwimmnation mit den meisten Ausnahmeerscheinungen, das Problem ansprechen? Und wenn Bernd Berkhahn nichts bleibt, als zu hoffen, dass es „fair abläuft“, aber „insgeheim“ zu „wissen, dass dem nicht immer so ist“? Es bedeutet, dass den heiteren Bildern aus Tokio nicht zu trauen ist. Und dass niemand zu sehen ist, der das ändert.

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