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Seitdem Corona-Tests kosten: Immer mehr Patienten wollen Attest für Impf-Befreiung

Hennef -

Immer mehr Menschen suchen eine Arztpraxis auf, um ein medizinisches Attest zu bekommen, das sie von der Impfung gegen Covid-19 befreit. „Der Wegfall der kostenfreien Tests hat den Druck erhöht“, sagt Dr. Jacqueline Hiepler. Diesen Druck spürt die Fachärztin für Allgemeinmedizin und Diabetologie, zugleich Vorstandsvorsitzende der Kassenärztlichen Vereinigung im Rhein-Sieg-Kreis, auch in ihrer Hennefer Praxis.

An einem einzigen Tag in dieser Woche habe sie zehn Gespräche mit Impfunwilligen geführt, die um eine Bescheinigung nachsuchten. Sie rechnet damit, dass die Quote weiter steigt. Auch aus Gesprächen mit Kolleginnen und Kollegen hat sie den Eindruck gewonnen, dass die Zahl der Patienten wächst, die ein Attest verlangen.

Viele Menschen haben bei Corona-Impfung Angst vor Nebenwirkungen

„Die meisten sind Zweifler, die sich durch ein aufklärendes Gespräch umstimmen lassen. Darunter sind vor allem Menschen, die Angst vor möglichen Impfreaktionen haben“, sagt Hiepler. Vor allem in Internet-Foren und Chat-Gruppen würden Fehlinformationen verbreitet, wissenschaftliche Tatsachen verdreht und dadurch Ängste geschürt.

Von zehn Impfunwilligen seien etwa zwei „Hardcore-Fälle“, die an ihrer Meinung festhalten, schätzt sie. Sie habe auch schon die Begründung gehört, die Impfung verstoße gegen ein bestimmtes religiöses Gebot; das stelle ebenso wenig einen Grund für ein Attest dar wie die Befürchtung, die Impfung könnte Neurodermitis auslösen.

Ärztin in Hennef hat noch kein Attest zur Impf-Befreiung ausgestellt

Bislang hat die Ärztin noch keine solche Bescheinigung ausgestellt. Denn „es gibt kaum medizinische Gründe, die eine Impfung gegen Covid-19 unmöglich machen“, stellt sie klar. Eine Kontraindikation seien etwa ein Herzkreislaufstillstand oder massive allergische Reaktionen nach einer anderen Impfung. Um festzustellen, ob solche Nebenwirkungen tatsächlich drohen, könne der Arzt einen Prick-Test vornehmen. „Sollte der positiv ausfallen, würde ich eine Bescheinigung ausstellen.“ Nur einen solchen Fall hatte sie in ihrer Praxis, es war allerdings ein Patient, der sich gern hätte impfen lassen.

„Diese Gespräche nehmen viel Zeit in Anspruch“, so Hiepler. „Da jeder Fall anders ist, gibt es auch kein Patentrezept, wie man damit umgeht.“

Aufklärung erfordert auch die Frage der Auffrischungsimpfung. Hier sagt Hiepler, dass die dritte Dosis nur für alte Menschen und chronisch Kranke nötig ist, mit einem Abstand von etwa sechs Monaten. „Für alle anderen gehen wir davon aus, dass der Impfschutz ausreicht.“ Wann eine Booster-Impfung für Jüngere und Gesunde sinnvoll sei, dazu seien gesicherte Erkenntnisse erst im kommenden Jahr zu erwarten.