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Staatshilfen und Kurzarbeit hielten Betriebe über Wasser

Umfrage des Landratsamts: Kurzarbeit half im Corona-Lockdown den Betrieben eindeutig. Die Arbeitslosigkeit stieg nur gering an. Aber wird das so bleiben?

Vor allem kleinere und mittlere Betriebe im Landkreis Schweinfurt (Symbolbild) nutzten die staatlichen Hilfsangebote, um durch die erste Phase der Corona-Einschränkungen zu gelangen. Die Skepsis ist groß, dass sich ihre Situation bald verbessert
Vor allem kleinere und mittlere Betriebe im Landkreis Schweinfurt (Symbolbild) nutzten die staatlichen Hilfsangebote, um durch die erste Phase der Corona-Einschränkungen zu gelangen. Die Skepsis ist groß, dass sich ihre Situation bald verbessert Foto: Felix Kästle (dpa)

Wie geht es den Betrieben im Landkreis Schweinfurt nach drei Monaten Leben mit der Corona-Pandemie und wie sind ihre Perspektiven? Das Fazit von Landrat Florian Töpper ist vorsichtig, weil die Wirtschaftsförderung zwar stabile Zahlen über den Ist-Zustand lieferte, die Aussichten aber in einigen Bereichen spekulativ sind: Es gehe um das Verhältnis von Veränderungen und Schwankungen innerhalb der Wirtschaft (Volatilität) und der Robustheit der lokalen Wirtschaft: "Wir liegen irgendwo dazwischen." Und das Landratsamt sagte Unterstützung zu.

Ein Viertel machte bei Umfrage mit

Die Basis für diese Einschätzung präsentierte Wirtschaftsförderer Frank Deubner jetzt dem Ausschuss für Kreisentwicklung, einem neuen Untergremium des seit 1. Mai amtierenden Kreistags. Das Landratsamt hat im April (in der Hochphase der Corona-Auswirkungen) eine Umfrage unter 400 Unternehmen des Landkreises Schweinfurt initiiert, an der sich 25 Prozent beteiligt haben. Eine brauchbare Basis, vor allem auch für kleinere und mittlere Betriebe, die das ökonomische Bild des Kreises prägen.

Fast drei Viertel beklagten Auftragsverluste oder Stornierungen, 40 Prozent gaben Liquiditätsprobleme an. Bei einem Drittel gestaltete sich der Personaleinsatz schwierig, unter anderem wegen mangelnder Betreuungsmöglichkeiten für Kinder von Beschäftigten. Die ökonomische Bedeutung von Kinderbetreuung unterstrichen daher CSU-Fraktionsschefin Gabriele Jakob und Johannes Grebner (SPD).

Kleinbetriebe setzten auf Staatshilfe

Wie sind die Betriebe dem entgegengetreten? Zwei Drittel nutzten staatliche Soforthilfen (bei Kleinunternehmen bis zu neun Mitarbeitern waren es gar 90 Prozent). Dazu sagte CSU-Fraktionschefin Gabriele Jakob, dass es entscheidend sei, ob diese Hilfen auch dauerhaft in den Betrieben verbleiben können.

Etwa ein Drittel der Unternehmen setzte auf die Stundung der Gewerbesteuer. 62 Prozent meldeten Kurzarbeit an, deren Attraktivität mit der Größe der Betriebe zunahm. Im April arbeiteten 619 Betriebe - fast so viele wie in der Stadt Schweinfurt - kurz. Im Mai waren es nur noch 42. Im Quartal zwischen März und Juni gab es 7400 Kurzarbeiter im Landkreis, 27 Prozent der dort Beschäftigten. Zum Vergleich: In der Stadt Schweinfurt betrug die Quote 38 Prozent, die absolute Zahl war aber deutlich höher: fast 21 000.

Weniger Steuern auf der Wunschliste

Deubners Team fragte auch die Wünsche der Unternehmen ab: Steuersenkungen und Abbau von Bürokratie standen ganz oben, aber auch mehr Fördermittel für kleine und mittlere Betriebe und regionale Bevorzugung bei der Vergabe öffentlicher Aufträge. Eine Idee setzt das Landratsamt nach Deubners Worten bereits um: Es soll eine Plattform geben, auf der sich die hiesigen Firmen austauschen können.

Diesen deutlichen Zahlen steht aber ein erstaunlich stabiler Arbeitsmarkt entgegen: Um 0,7 Prozentpunkte ist die Arbeitslosenquote im Landkreis Schweinfurt gestiegen, sei mit 3,0 Prozent aber weiterhin die niedrigste der Region. Allerdings erwartet die IHK für die nächsten Monate unterfrankenweit steigende Arbeitslosigkeit, gepaart mit sinkender Konsumbereitschaft der Bevölkerung.

Skeptischer Blick nach vorne

Und die Perspektive? 42 Prozent der Unternehmen glauben, dass sich die schwierige Situation fortsetzen, 39 Prozent sogar, dass sie sich verschlechtert werde. So lautet die IHK-Analyse für das gesamte Unterfranken. Sechs von zehn Unternehmen wollen weniger oder gar nicht investieren. 37 Prozent planen Personalabbau. Laut Deubner sehen Handwerksbetriebe die Zukunft nicht ganz so pessimistisch.

Auch die Kommunen wird die Rezession treffen: Nach dem Rekordniveau von 44 Millionen Euro im Jahr 2018 ist das Gewerbesteueraufkommen im Landkreis im vergangenen Jahr auf 31 Millionen Euro gesunken. "Es wird deutlich sinken", sagte Deubner voraus. Daher, so Landrat Töpper, sei es in der jetzigen Phase wichtig, dass die Kommunen weiter auf ihre geplanten Investitionen setzen; dezidiert nannte er den bereits begonnenen Neubau der Goppel-Berufsschule. Auch den Umbau der ehemaligen Conn-Kaserne zu einem Gewerbepark wolle man laut Deubner unbeirrt fortsetzen.

Kreisräte thematisieren Digitalausbau

Um die Wirtschaft zu unterstützen, kündigte Deubner unter anderem den Aufbau einer Leerstandsdatenbank für gewerbliche Immobilien an, in Kooperation mit den Gemeinden. Außerdem wolle man weiter auf die Initiative "Startup-Region Schweinfurt" setzen. Thomas Vizl (Grüne) drängte darauf, dass auch interessierte Gemeinden und die Fachhochschule einbezogen werden.

Vizl thematisierte auch die digitale Vernetzung, die  "bis ins letzte Dorf" ausgebaut werden müsste. Dafür seien in erster Linie die Gemeinden zuständig, sagte Deubner; der Landkreis sei aber beratend unterwegs, so Landrat Töpper. Laut Deubner habe die Digitalisierung im Landkreis Schweinfurt ein hohes Niveau erreicht; 80 Prozent verfügten über schnelles Internet. Das Mobilfunknetz mit seinen Löchern sei indessen "schmerzhaft", sagte Landrat Töpper. Auch hier unterstütze der Landkreis informell. Manche Fördermöglichkeit, so Deubner, scheitere aber am Wettbewerbsrecht.

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