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Sternschnuppen: Der Geheimtipp für Astronomen und Sternengucker

Die Liegen stehen bereit. Der Abend hat etwas von der Sommerhitze geschluckt. Es lockt ein weiteres Highlight nach dem Schwimmen in glasklaren Seen und dem Genießen einer stillen Natur. Es locken die Sterne von Bossow. Oder die vom Krakower Obersee, vom Hellberg, von Kirch Kogel, Neu Sammit, Sandhof, Dobbin, Klocksin oder Ortkrug.

Die Perseiden kommen – Was ist das?

Nun beginnt auch die Zeit, in der man Wünsche ins Universum senden kann. Sternschnuppen regnen herab – von Ende Juli bis Mitte August. Im Moment verdirbt noch das helle Mondlicht etwas die Sternschnuppensuche. Aber dann! „Wenn die Meteoritenschauer aus Richtung des Sternbildes Perseus kommen!“, freut sich Evelin Kartheuser und erinnert an die Perseidennacht. Am 11. August sei wieder eine in Sandhof geplant, wirbt die stellvertretende Chefin des Naturparks Nossentiner/Schwinzer Heide. „Um 20.30 Uhr ist Start am Dorfgemeinschaftshaus. Danach geht es zum Aussichtsturm ,Rothirsch’. Bei schlechtem Wetter gibt es zumindest einen Vortrag.“

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Im vergangenen Jahr schauten mehr als 80 Interessierte sehnsuchtsvoll in den Himmel. Teleskope standen bereit. Da konnten sie auch Jupiter, Saturn und die Andromeda-Galaxie bewundern und sich Tipps und Tricks zur Astrofotografie holen. Dafür soll es am 11. September extra einen Workshop geben. „Unsere Hobbyastronomen Torsten Degen, Marco Hempel und Guido Strauss sind mit ihrem Fachwissen ein großer Gewinn für unseren Sternenpark“, sagt Kartheuser.

Plätze zum Beobachten sind eine neue Attraktion

Von 20 bis zu 50 Sternschnuppen könne man jetzt pro Nacht beobachten, meinen Experten. So viele freie Wünsche! Und sollte das Wünschen nichts nützen, schaden tue es ja auch nicht. Das Universum ist groß. Gegen den Einfluss der Sterne auf das menschliche Geschick sei so mancher nicht gefeit, schmunzelt Marina Kahrmann. Die 48-jährige Landschaftsökologin vom Förderverein des Naturparks weiß Bescheid. Sie hat alles mit organisiert und war Projektleiterin beim Aufbau der zehn Sternbeobachtungsplätze im Naturpark. Vor Kurzem wurden sie eingeweiht. Zur Freude der Gemeinden, haben sie doch nun noch eine touristische Besonderheit zu bieten.

Schon die Mitternachtsdämmerung lockte so manchen. „Da waren wundervolle nachtleuchtende Wolken zu sehen, die aus dünnen Eiskristallen in 83 Kilometer Höhe entstehen“, weiß Marina Kahrmann.

Die Karten für den Sommer- und Wintersternenhimmel sind nun auch alle an den Beobachtungsplätzen angebracht. Interessierte können jetzt die Sterne selbst suchen. Polarstern und Kleiner Wagen? Kein Problem! Aber Kassiopeia, Pegasus, Schlange, Drache und Schwan? Und das eigene Sternzeichen vielleicht: Fische, Wassermann, Steinbock, Schütze und Waage? Schwieriger. Etwas Übung ist vonnöten. Oder Hilfe. An jedem Platz gibt es dazu ein Hörerlebnis. Smartphonebesitzer steuern über QR-Codes eine Wanderung über den Sternenhimmel an.

Wissenswertes über Mond, Meteore und Milchstraße

Das Team um Naturparkchef Ralf Koch, Marina Kahrmann und Evelin Kartheuser hat viel Wissen zusammengetragen, damit sich Sterngucker nicht nur einer romantischen Nacht hingeben, sondern auch manchem Abenteuer des Universums im Geiste begegnen können. Mit oder ohne Teleskop.

„Jeder Sternenbeobachtungsplatz beschäftigt sich mit einem speziellen astronomischen Thema“, erklärt Marina Kahrmann, „auf dem Hellberg ist es der Mond, die Kometen und Meteore in Ortkrug, in Sandhof zum Beispiel die Milchstraße.“ Was nicht heißt, dass sie nicht an allen Stationen betrachtet werden können. Vor allem im August und September leuchtet die Milchstraße gigantisch mit ihren 250 Milliarden Sternen.

Wie es zur Milchstraße kam, ist in Sandhof zu erfahren. Mythologisch gesehen durch einen Betrugsversuch von Göttervater Zeus. Als er nämlich seinen unehelichen Sohn Herkules heimlich seiner schlafenden Ehefrau Hera an die Brust legte, wachte sie auf und stieß erbost das fremde Baby von sich weg. Dabei soll etwas Milch an den Himmel gespritzt sein …

Überhaupt ranken sich etliche Geschichten der alten Griechen, der Ägypter und Babylonier um die Sternenwelt. Der Orion, der am Wintersternhimmel hell erstrahlt, war auch ein Schwerenöter, der ungeniert Frauen nachstellte, so den sieben Töchtern des Titanen Atlas. Um sie zu retten, versetzte Zeus sie als Plejaden an den Himmel, wo sie immer noch von ihm verfolgt werden. „Astronomisch gesehen sind die Plejaden ein offener Sternhaufen. Auch sie können mit bloßem Auge gesehen werden“, wirbt Evelin Kartheuser. Laut Mythologie habe dann ein Skorpion den Orion getötet. Deshalb seien die beiden Sternbilder nie gleichzeitig zu sehen, heißt es. Geht Orion unter, geht Skorpion auf.

Mühsame Suche nach den dunkelsten Orten

2014 initiierte Ralf Koch, Chef des Naturparkes Nossentiner/Schwinzer Heide und Fledermaus-Spezialist, das Projekt „Dunkelheit der Nacht“. Daraus entstand die Idee des „Sternenparks“. Waren doch gute Voraussetzungen mit der geringen Lichtverschmutzung gegeben. „Wir haben einen sehr dunklen Nachthimmel im Vergleich zu anderen Gebieten in Mecklenburg“, schwärmt Marina Kahrmann.

Aber es kostete doch viel Mühe und Engagement, bis die Sternbeobachtungsplätze entstanden. Angefangen mit ausgedehnten Wanderungen durch das Gebiet, um die besten Plätze zu suchen. Sie mussten an Rad- oder Wanderwegen liegen. Weiter mit vielen Messungen in eiskalten Nächten, um die dunkelsten Stellen zu finden, bis hin zu genauen Kartierungen, wo Lichtverschmutzungen immer noch Sternefunkeln und schützenswerte Insekten und Tiere vertreiben und auch Menschen die Gesundheit ruinieren können durch ständige, nie zu versiegen scheinende Lichtquellen.

Es hat viele Gespräche mit Bürgermeistern, Naturschützern und Fördermittelvergebern gegeben, und es wird sie weiter geben, um Straßenbeleuchtungen entsprechend umzurüsten. Da gibt es noch viel zu tun, weiß Marina Kahrmann, die auch das Fortsetzungsprojekt auf dem Weg zum Sternenpark leitet.

Dankbar seien sie den Förderern der Sternbeobachtungsplätze, die auch einmal genannt werden sollten, meinen die Chefs vom Naturpark: Leader M-V und die Norddeutsche Stiftung für Umwelt und Entwicklung (NUE) mit Mitteln aus der Bingo-Umweltlotterie.

Der Antrag auf Zertifizierung zum ersten Sternenpark in Norddeutschland soll in diesem Jahr gestellt werden. In fünf Jahren hoffen sie, dann alle Voraussetzungen erfüllt zu haben und sich fortan immer und stolz „Sternenpark Nossentiner/Schwinzer Heide“ nennen zu dürfen.

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