logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo logo
star Bookmark: Tag Tag Tag Tag Tag
Germany
An article was changed on the original website

Tarantinos Neunte ist witzig – mehr aber auch nicht

Quentin Tarantino ist ja so etwas wie ein Spezialist für alternative Geschichtsschreibung. Kein Verschwörungstheoretiker, aber in „Inglourious Basterds“ erlaubt er es sich schon mal, den Verlauf des Zweiten Weltkriegs umzuschreiben, indem er Hitler und Goebbels in einem brennenden Kino umkommen lässt. Wir schreiben das Jahr 1944.

In „Once upon a Time … in Hollywood“ schreiben wir das Jahr 1969. Das wichtigste Ereignis des Jahres spielte sich auf dem Mond ab, als Neil Armstrong zu Besuch kam, auf der Erde traten Willy Brandt und Richard Nixon ihre Ämter an. Und trotzdem könnte man argumentieren, dass sich das signifikanteste Ereignis des Jahres, das kulturhistorisch wichtigste, am 9. August in Los Angeles am Cielo Drive abspielte, dessen Straßenschild Quentin Tarantino am Anfang von „Once upon a Time“ ominös ins Bild schiebt: der Manson-Mord an Sharon Tate und ihren Gästen, das Ende der friedlichen Revolution der Blumenkinder.

Zwei prominente Häuser in „Once“ stehen am Cielo Drive, das von Roman Polanski und seiner Frau Sharon Tate, und direkt daneben das des Fernsehwesternstars Rick Dalton (gespielt von Leonardo DiCaprio), der schon bessere Tage gesehen hat, dem wegen Trunkenheit der Führerschein abgenommen wurde und der sich deshalb von seinem Stuntdouble und besten Freund Cliff Booth (Brad Pitt) durch die Gegend fahren lässt.

Mit Staraufgebot: Brad Pitt und Leonardo di Caprio spielen in „Once Upon a time ... in Hollywood“

Mit Staraufgebot: Brad Pitt und Leonardo di Caprio spielen in „Once Upon a time ... in Hollywood“

Quelle: © 2019 Sony Pictures Entertainment Deutschland GmbH

Die Gegend, das ist ein Los Angeles im Umbruch. Die großen Studios befinden sich im Niedergang, das New Hollywood der Spielbergs und Lucas‘ ist noch ein halbes Jahrzehnt entfernt, und das Fernsehen produziert am laufenden Band Western- und Krimiserien, die alle ansehen, denen aber jegliches Prestige abgeht.

Zwischen „Musso & Frank Grill“ und Larry Edmunds Bookshop

Rick Dalton ist ein solcher TV-Held, der nie sehr weit oben war, dem aber klar ist, dass er definitiv auf dem Weg nach unten ist; er wird in Gastrollen verheizt und fliegt in seiner Not sogar nach Europa, um in ein paar dieser Italowestern mitzuwirken, für die Hollywood nur Verachtung übrighat.

Ansonsten bewegen sich er und sein Freund durch dieses nostalgische Hollywood, gehen in den legendären „Musso & Frank Grill“ (der dieses Jahr 100 wird), fahren an dem legendären Larry Edmunds Bookshop vorbei, und Cliff trägt ein ämusantes Duell mit einem asiatischen Actionemporkömmling mit dem Vornamen Bruce aus.

Die erste Filmstunde vergeht, und man hat viele Hippies im Straßenbild gesehen, und ein Steve McQueen-Typ erklärt uns auf einer Party, wer mit wem zusammen ist, und Leonardo DiCaprio hat einmal aufgeregt auf ein Cabrio in der Ferne gedeutet, in dem der heißeste Regisseur des Jahres sitzt, Roman Polanski, der gerade „Rosemarie’s Baby“ gedreht hat.

In „Pulp Fiction“ – der „Once upon a Time“ von seinem Charakter, der Bewegung durch die Großstadt – am nächsten liegt, sind zu diesem Zeitpunkt schon alle möglichen Fäden gesponnen und beginnen sich zu verheddern und zu verdichten. Keine Spur davon hier. Die Handlung mäandert hin und her, vom Fernsehstudio zur Party, vom Grill ins Flugzeug nach Italien, ohne dass wirklich etwas geschieht, schlimmer, ohne dass sich eine dunkle Vorahnung von etwas bald Geschehendem einstellen würde.

Übermenschliche Erwartungen

Das ist die größte Enttäuschung, der raffinierte Geschichtenerzähler Quentin Tarantino, der weder eine raffinierte Geschichte hat, noch sie raffiniert in Szene zu setzen weiß. Ja, es macht durchaus Spaß, den Buddies DiCaprio und Pitt zuzusehen; ja, das L.A. vor 50 Jahren ist liebevoll zum Leben erweckt; ja, Tarantinos neue Geschichtsumschreibung ist – als sie dann endlich kommt – ziemlich witzig.

Mehr als witzig aber auch nicht. Die Erwartungen an Tarantinos Neunte waren wohl übermenschlich hoch, als die Kontrolleure in Cannes den Teppich herunterschritten, um die Zuschauer einzulassen, bekamen selbst sie schon Beifall von der fiebernden Menge. Zum Glück steht der Wettbewerb an der Croisette diesmal auf einem derart hohen Niveau, dass eine Enttäuschung gar nicht ins Gewicht fällt.

All rights and copyright belongs to author:
Themes
ICO