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Tor in Leverkusen: Sportreporterin Sabine Töpperwien hört auf

Sabine Töpperwien hört auf. Die Sportkommentatorin werde aus gesundheitlichen Gründen vorzeitig in den Ruhestand gehen, teilte ihr Sender, der WDR, am Donnerstag mit. Von Ende dieses Monats an werden Fußballfans also die markante Stimme der Niedersächsin nicht mehr aus den Stadien des deutschen Fußballherzens hören, das zwischen Köln im Süden und Dortmund im Nordosten schlägt. „Tooooor in Leverkuuuuusen“, keine Reporterin hat in ihrer mehr als dreißig Jahre dauernden Radiokarriere mit mehr Leidenschaft die Aufmerksamkeit des Publikums auf sich gezogen. Nachdem sie sich zu Beginn vor älteren Herren bewähren musste, die ihr die Rolle als Kommentatorin des beliebtesten Sports in Deutschland zunächst nicht zutrauten, tritt sie nun mit sechzig Jahren ab.

Philipp Krohn

Philipp Krohn

Redakteur in der Wirtschaft, zuständig für „Menschen und Wirtschaft“.

Als Töpperwien 1989 als erste Frau im deutschen Radio ein Bundesligaspiel kommentierte (ein eher unspektakuläres 0:0 zwischen St. Pauli und dem Hamburger SV), gab es anschließend kritische Anmerkungen von Hörern, sie habe sich auf den heiligen Stuhl des legendären Kurt Emmerich gesetzt. Sie solle lieber Kinder bekommen. Dabei hatte sie schon ihre Diplomarbeit über Fußball geschrieben. Später beschrieb sie das Angebot des NDR, sie kurz vor ihrem Wechsel zum WDR noch dieses Spiel präsentieren zu lassen, als Entscheidung, um wenigstens als erster Sender in die Geschichte einzugehen, der eine Frau kommentieren ließ. Zuvor hatte man ihr die Berichterstattung über rhythmische Sportgymnastik angeboten. Töpperwien aber beharrte auf Fußball, und weil sie sich so für Ballsport begeisterte, bekam sie noch den Hockeysport dazu.

Ihre Schilderungen sind lebendig und farbenfroh

In den drei Jahrzehnten beim WDR aber konnte Töpperwien jeden Zweifel an ihrer fachlichen Kompetenz ausräumen. Tatsächlich liest sie Spiele analytisch – sie könne sich kein Spiel auf dem Sofa ansehen, ohne über die Taktik nachzudenken, sagte sie einmal. In der Rolle als Fernsehzuschauerin aber fehle ihr die Perspektive aufs ganze Spielfeld. Ihre Schilderungen der Spiele sind lebendig und farbenfroh. In Lautstärke und Tonfall meint man manchmal den Wunsch herauszuhören, ihre Kollegen zu überbieten. Doch damit verkörpert sie genau das, was die von Hunderttausenden Zuhörern wöchentlich rezipierte Bundesliga-Konferenz ausmacht.

Sabine Töpperwien im Jahr 1994

Sabine Töpperwien im Jahr 1994 : Bild: Imago

Von mehr als 700 Spielen hat Töpperwien in ihrer Laufbahn berichtet. Anders als viele ihrer Kollegen (von Jürgen Emig bis Heribert Faßbender, von Gerd Rubenbauer bis Kai Dittmann, von Erich Laaser bis Werner Hansch), die von der Talentschmiede Samstag Nachmittag im Radio bald beim Fernsehen landeten, blieb Töpperwien dem Radio weitgehend treu. Zu den beiden Ballsportarten kam der Eiskunstlauf hinzu.

Die Fußballszene habe ihr zehn Jahre älterer Bruder Rolf, ein langjähriger ZDF-Reporter, einmal als Haifischbecken beschrieben. So war es wohl auch. Doch Sabine Töpperwien hat darin schnell schwimmen gelernt – spätestens als sie Otto Rehhagels Frau Beate für sich eingenommen hatte, war ihr der Zugang zu den größten Figuren dieser Sportart offen. Nun kann man sie als Expertin-at-Large befragen.

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