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Ukrainische Grenze: Was der Aufmarsch russischer Truppen bedeutet

Philip Breedlove ist beunruhigt, sehr beunruhigt, wenn er auf den russischen Aufmarsch an den Grenzen zur Ukraine blickt: „Wir sehen jetzt erstmals die strategischen ‚Ermöglicher‘, die Moskau für eine Invasion benötigt: Artilleriebatterien, Ausrüstung für elektronische Kampfführung, Logistik-Einheiten, Sanitäter.“ Die seien vor einer Woche noch nicht da gewesen, sagt der frühere Luftwaffengeneral, der bis 2016 Oberbefehlshaber der Nato und aller amerikanischen Truppen in Europa war. Er wisse nicht, was jetzt im Kopf des russischen Präsidenten vorgehe. Vielleicht wolle Wladimir Putin den ukrainischen Präsidenten Wolodymyr Selenskyj politisch einschüchtern. „Oder es ist die Art von Streitmacht, mit der Russland 2014 zuerst auf der Krim und später im Donbass eingefallen ist.“

Peter Carstens
Thomas Gutschker

Thomas Gutschker

Politischer Korrespondent für die Europäische Union, die Nato und die Benelux-Länder mit Sitz in Brüssel.

Ben Hodges geht noch weiter. „Nach allem, was wir in den letzten Tagen gesehen haben, hege ich nicht mehr den geringsten Zweifel daran, dass wir eine Eskalation der Gewalt erleben werden“, sagt der Heeres-General, der bis 2017 die amerikanischen Landstreitkräfte in Europa führte. „Was Russland an Kräften zusammengezogen hat, geht deutlich über das hinaus, was man bei einer gewöhnlichen Übung sehen würde.“ Hodges verweist, wie Breedlove, auf die „enablers“. Er nennt zusätzlich Pioniere, Luftverteidigung und Raketenwerfer. „Man kann eine Million Panzer haben, aber die bringen nichts ohne solche Unterstützungskräfte.“

Satellitenaufnahmen geben Aufschluss

Die zwei Vier-Sterne-Generäle sind inzwischen im Ruhestand. Beide sagen, sie hätten vorige Woche noch die Einschätzung geteilt, die der amtierende Nato-Oberbefehlshaber Tod Wolters bei einer Anhörung im amerikanischen Kongress abgab: dass die Gefahr einer russischen Invasion „gering bis mittel“ sei und dass sie mittelfristig eher sinke. Inzwischen hätten sie ihre Bewertung geändert. Was sind ihre Quellen? Beide sagen, sie hätten keinen Zugang mehr zu Geheimdienstinformationen. Aber natürlich reden sie weiter mit Kollegen, die noch im Dienst sind. Sie verfolgen Berichte in Fachportalen. Breedlove verweist außerdem auf Aufnahmen kommerzieller Satelliten, die er gesehen habe.

Die amerikanische Regierung und die Nato hüllen sich bisher in Schweigen. Sie haben zwar bestätigt, dass Russland „jetzt mehr Soldaten an der Grenze zur Ukraine hat als zu jedem anderen Zeitpunkt seit 2014“, doch nennen sie selbst keine Zahlen. Auch Wolters tat das in seiner öffentlichen Anhörung nicht. Nur Kiew macht solche Angaben. Präsident Selenskyj sprach zuletzt von 80.000 russischen Soldaten an der Ostgrenze und auf der besetzten Krim sowie weiteren 30.000 prorussischen Kämpfern im Donbass. Das lässt sich schwer überprüfen. Allerdings gibt es etliche Bilder, Videos und Berichte in sozialen Medien und Fachportalen, die ein besseres Bild vom Aufmarsch vermitteln. Natürlich kommt es dabei nicht nur auf die Zahl der Truppen an, sondern auch auf ihre Zusammensetzung.

Grundsätzlich haben Russlands militärische Fähigkeiten seit 2007 stetig zugenommen. Das kann man, wie die Stiftung Wissenschaft und Politik analysiert, an den Manövern ablesen. So stieg die Zahl der gleichzeitig an Übungen beteiligten Truppen von 8000 auf zuletzt 150.000 beim Manöver „Sapad“ (Westen), die Zahl der dabei bewegten Fahrzeuge von rund 1000 vor zehn Jahren auf zuletzt mehr als 8000. An der Übung „Wostok“ (Osten) an der Grenze zu China sollen im Spätsommer 2018 sogar bis zu 300.000 Soldaten beteiligt gewesen sein. Insgesamt verfügt Russlands Militär über rund 900.000 Soldaten, 2780 Panzer und knapp 1200 Flugzeuge. Neben den regulären Streitkräften stehen Moskau noch Spezialkräfte des Inlandsgeheimdienstes FSB und Einheiten der Nationalgarde und diverse Söldner-Gruppen zur Verfügung.

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