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Umstrittene Gangstarapper: Ist die 187 Strassenbande gut oder der letzte Dreck?

Pro: Ehrlich wie die Straße

Nora Pfützenreuter

Schon bevor der erste Ton aus den Boxen schallt, tönen laute „187“-Rufe durch die Stadthalle. Spätestens als die Gruppe um die Rapper Bones MC und Gzuz um kurz nach 20 Uhr auf der Bühne steht, feiert der ganze Saal. Was ist dran am Hype? Auf den Schulhöfen der Republik trifft man derzeit viele Jugendliche, die von der Musik der Hamburger Jungs schwärmen. Die steht für das Leben auf der Straße. 

So präsentierte sich auch die Bühne, die mit Imbiss-Leuchtreklame, Mülltonnen und Mauerwand wie eine echte Straße dekoriert ist. Live werden sogar Graffiti gesprüht, mehr HipHop geht nicht. Die 187 Strassenbande steht für ungekünstelten Rap. Die Texte sind hart und ehrlich, sie beschönigen nichts und können als Spiegel der Gesellschaft verstanden werden. Natürlich neigen die Texte auch zur Übertreibung. Das sollte aber als Stilmittel des Rap verstanden werden und dient der Unterhaltung, ähnlich wie ein guter Actionthriller.

In Kassel haben die Jungs ihren Fans nicht nur platten Sprechgesang, sondern eine außergewöhnliche Show geboten. Dass Rapper Maxwell sich von der Tribüne in die Menge gestürzt hat und auf einem Plastikflamingo über das Publikum geritten ist, dürfte einigen im Gedächtnis bleiben. Denn selbst auf dem Heimweg sind auf Kassels Straßen und in der Tram noch „187“-Gesänge zu hören.

Kontra: Sie stehen für nichts

Matthias Lohr

Ich hätte nie gedacht, dass ich einmal zu alt und konservativ für ein HipHop-Konzert sein würde. Erst denke ich noch: Vielleicht ist die 187 Strassenbande die popkulturell einzig relevante Band, denn Pop soll nicht harmlos und süß klingen wie derzeit 99 Prozent der Charts, sondern rebellisch sein und den Älteren auf die Nerven gehen.

Aber dann stehe ich in der Stadthalle zwischen 2000 stiernackigen jungen Männern, ihren Freundinnen sowie auffallend vielen Kindern und denke, das ist nicht mehr der HipHop, den ich liebe. Man versteht Gzuz, Bones MC und ihre Kollegen nur bruchstückhaft, weil sie technisch nicht die besten Rapper sind und weil der basslastige Sound vor allem darauf aus ist, in der Magengrube weh zu tun.

Wenn man doch etwas versteht, dann Zeilen wie im Hit "Millionär" zur Melodie des Cranberries-Hits "Zombie": "Mir ist alles scheißegal, weil ich bald Millionär bin." Diese HipHopper sind Mensch gewordene Mittelfinger. Sie stehen für nichts außer Materialismus und die Banalisierung von Gewalt.

Auch andere Rapper lassen Maschinengewehrsalven vom Band laufen, aber die Mitglieder der 187 Strassenbande sind keine Gangstarap-Darsteller. Sie waren wirklich im Knast. Frauen reduzieren die "Prollz", wie sie sich selbst nennen, auf ihre wackelnden Hintern und ihre Vorzüge beim Oralsex. Zwischendurch reichen sie Joints ans Publikum weiter. Ihre Lieblingsdroge ist jedoch das Testosteron.

Nach 75 Minuten rappen sie im Finale inmitten eines Dutzend maskierter und vermummter Gestalten. So muss es sich bei den Krawallen rund um den Hamburger G20-Gipfel angefühlt haben. Ich war noch nie so froh, ein Konzert überstanden zu haben, nicht einmal beim Musikantenstadl. Und ich hätte nie gedacht, dass ich einmal Uli Hoeneß zitieren würde: "Das ist der Dreck, an dem unsere Gesellschaft irgendwann ersticken wird."

Fakten zur 187 Strassenbande

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