Germany

Verhalten in der Corona-Krise: TV-Professor Lesch überrascht mit deutlicher Forderung an Regierung

Professor Harald Lesch fordert von der Bundesregierung mehr Mut zu Reformen.

Durch die Coronakrise geriet Deutschlands Wirtschaft ins Wanken. Professor Harald Lesch lobt das Verhalten der Bevölkerung - und hat einen radikalen Vorschlag.

München - Im TV gehört er zu den beliebtesten Gesichtern, wenn es um die Welt der Wissenschaft geht. Professor Harald Lesch von der LMU München klärt in seiner Sendung„Leschs Kosmos“ im ZDF seit Jahren die Zuschauer über verschiedene Phänomene auf. 

Lesch warnte bereits vor Versäumnissen im Umgang mit dem Klimawandel, auch die Corona-Pandemie verfolgt er mit Sorge. Den Umgang der deutschen Bevölkerung mit dem sich ausbreitenden Coronavirus sieht der Physiker mit gemischten Gefühlen. 

„Zunächst war ich sehr beeindruckt von der Disziplin und der Art und Weise, wie die Menschen auf die Krise reagiert haben“, erklärte Lesch der teleschau. Allerdings laufen nach Ansicht des Professors mittlerweile die Diskussionen über Freiheitseinschränkungen durch Corona „ziemlich aus dem Ruder“. 

Corona: Deutschland für Lesch weniger eingeschränkt als europäische Nachbarn

Wer die Maßnahmen der deutschen Politik für zu krass halte, sollte sich zum Vergleich die Corona-Regeln in Italien, Spanien oder Frankreich vergegenwärtigen. Im Verhältnis dazu sei man in Deutschland noch gut weggekommen: „Da gab es wirkliche Einschränkungen.“ 

Andererseits sieht Lesch hierzulande auch Versäumnisse aufseiten der Politik, die für den Geschmack des Intellektuellen viel zu zögerlich die Chancen begreift, die sich trotz aller Probleme wie gestiegener Arbeitslosigkeit durch die Coronakrise ergeben. 

Gerade in Bezug auf zukunftsorientierte Technologien habe man „die Gelegenheiten nicht wahrgenommen, eine Transformation hin zu einer ökologischeren Gesellschaft zu wagen“. 

Corona: Lesch will Finanzsektor für wirtschaftliche Krise aufkommen lassen

Auch für die Lösung der durch die Coronakrise hervorgerufenen wirtschaftlichen Probleme hat Lesch einen radikaleren Ansatz als die Regierung: „Ich hätte mir gewünscht, dass der Finanzsektor durch eine wirklich wirksame Transaktionssteuer an den Kosten der Corona-Pandemie beteiligt wird. Aktuell verdienen die Hedgefonds - unglaublich!“

Insgesamt habe die Krise gezeigt, dass man „einen starken Staat“ brauche, findet Lesch, und keine „durch Sparmaßnahmen ausgehöhlte und personell ausgedörrte staatliche Hülle, die dem Turbokapitalismus neoliberaler Art Tür und Tore öffnet“. 

Auch wenn die Bundesregierung und die Landesregierungen während des bisherigen Höhepunkts der Pandemie andere Prioritäten setzen mussten, glaubt der Wissenschaftler zwar, jetzt habe man die Möglichkeit zu agieren. Beim Verteilen der vorhandenen Mittel, so Lesch, könne man die Weichen für die Zukunft stellen. 

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„Infrastruktur für die kommenden Generationen, die müssen wir bereitstellen, in Bildung, Energie, Umwelt und Gerechtigkeit. Das können wir jetzt noch viel leichter anpacken.“ Sonst würde Deutschland eine große Chance liegenlassen: „Ich hoffe, dass wir nicht zu einem Business-as-usual zurückkehren, sondern wirklich was gelernt haben.“

Unterdessen wirft die New York Times der WHO und dem RKI fatale Fehler im Umgang mit dem Coronavirus vor.

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