Germany

Vetternwirtschaft? Für Kretschmann junior ein „tolldreister Vorwurf“

„JFK“ nennt er sich, aber nicht englisch ausgesprochen, sondern mit gedehntem, schwäbischem Zungenschlag: Jott Eff Kaaaah. Das seien nun mal seine Initialen, Johannes Friedrich – nach Opa – Kretschmann. „Ich bin doch kein Donau-Kennedy“, sagt der JFK aus Donau-Schwaben. Belustigung schwingt mit, dass ihm da unterstellt wird, er wolle sich zum Spross einer „Politiker-Dynastie“ stilisieren.

Aber Johannes F. Kretschmann ist nun einmal der Sohn des grünen baden-württembergischen Ministerpräsidenten. Und er hat sich nun mal gerade für die schwäbischen Grünen um ein Bundestagsmandat beworben. In schwäbischen Wahlkreis Zollernalb-Sigmaringen, genau dort, wo Winfried Kretschmann seit Jahrzehnten wohnt, fordert sein 41-jähriger Sohn im kommenden Jahr einen mächtigen Christdemokraten heraus: Wirtschaftsstaatssekretär Thomas Bareiß ist nicht nur Mitglied im CDU-Bundesvorstand, sondern auch Mittelstands- und Tourismusbeauftragter der Bundesregierung.

Den Wahlkreis zu erobern, scheint zwar aussichtslos, wäre aber ein gewaltiger Triumph für die Grünen. Fragen nach Herkunft und familiärer Prägung des grünen Herausforderers bleiben in dieser Konstellation nicht aus. Und danach, wie der Vater – nicht zuletzt als kenntnisreicher Ratgeber – zu der ganzen Sache steht.

Nun muss sich nicht jeder noch im Alter von 41 Jahren fragen lassen, ob er dem Vater seine Bewerbungsrede vorgelesen habe und was der dazu meine. Aber es klopfen eben auch nicht bei jedem Bundestags-Anwärter aus der schwäbischen Provinz Medien aus ganz Deutschland an und bitten um ein Gespräch.

Johannes Kretschmann, der nach dem Studium ein Jahrzehnt lang als Online-Journalist gearbeitet hat, kennt die Mechanismen des Mediengeschäfts. Fragen danach, wie er aus dem Schatten des Vaters heraustreten wolle, nimmt er daher sportlich: Nein, es störe ihn nicht. Nur gehe das Reden über die Familie eben leider von der Zeit ab, die er lieber Inhalten widmen würde, sagt er dann. Seinem „Horror“ zum Beispiel über Flächenfraß, Artenschwund und schmelzende Permafrostböden. Dem Problem, dass die östlichen Ränder Europas bei der großen Koalition stark aus dem Blick geraten seien, während sich Russland und China dort breitmachten. Oder seiner dringlichen Forderung nach mehr Solidarität innerhalb Europas.

Was soll er auch viel dazu sagen, wenn bei einer Pressekonferenz gefragt wird, wie „unabhängig“ er überhaupt von seinem Ministerpräsidenten-Vater sein könne? Er hat sich eine launige Antwort zurechtgelegt, die er mutmaßlich bis zur Bundestagswahl noch oft wiederholen wird: „Von meinem Vater habe ich den eigenen Kopf geerbt.“

12. Mai 2011: Winfried Kretschmann (2. v. l.) feiert mit Ehefrau Gerlinde (M.), den Söhnen Johannes (l.) und Albrecht sowie Tochter Irene die Wahl zum Ministerpräsidenten

12. Mai 2011: Winfried Kretschmann (2. v. l.) feiert mit Ehefrau Gerlinde (M.), den Söhnen Johannes (l.) und Albrecht sowie Tochter Irene die Wahl zum Ministerpräsidenten

Quelle: pa/dpa/Uwe Anspach

Er sei zwar wie sein Vater ein bürgerlicher Grüner. Aber seine Partei stehe für Chancengleichheit, und zwar „unabhängig vom Elternhaus“: Beurteilt zu werden fürs eigene Tun, nicht für die Verwandtschaft: Das nimmt Johannes Kretschmann auch für sich in Anspruch.

Deshalb reagierte er auch ungewohnt scharf, als die SPD Anfang vergangenen Jahres „Vetterleswirtschaft“ schrie. Für eine Initiative des Staatsministeriums zur Bewahrung des schwäbischen Dialekts lieferte der Sprachwissenschaftler Expertise, ohne Honorar. Die SPD echauffierte sich dennoch; Winfried Kretschmann habe das Projekt nur aus familiären Interessen aufgelegt, um dem Sohn die Chance zur Profilierung zuzuschustern. Dieser bezeichnete den Vorwurf aufgeregt als „tolldreist und wirklichkeitsfremd“, während sein Vater gewohnt kühl reagierte: Er sehe nicht, um welche Vorteile es sich gehandelt haben sollte. „Ich würde das wieder so machen.“

Grün sei er, sagt Johannes Kretschmann, seit er denken kann, und das nicht allein wegen der Eltern. Als er acht war, explodierte Tschernobyl, spätestens seit damals war auch für ihn die politische Richtung klar. Als 16-Jähriger gründete er in Laiz auf der Schwäbischen Alb, wo er heute wieder drei Minuten entfernt von den Eltern wohnt, die Grün-Alternative Jugend. 1999 trat er den Grünen bei.

Dennoch lief zunächst nichts auf eine Karriere als Berufspolitiker hinaus. Kretschmann studierte in Berlin Rumänistik, Linguistik und Religionswissenschaften, blies das Waldhorn im von ihm mitgegründeten Bläser-Ensemble „Zentralkapelle“, veröffentlichte skurrile Kurzgeschichten, verfasste eine Magisterarbeit über „Antisemitismus und magisches Denken“, war danach fast ein Jahrzehnt lang Online-Redakteur bei einem Schweizer Nachrichtenportal. Ein politisches Mandat hält er erst seit 2014, als Mitglied im Sigmaringer Kreistag. Den acht Grünen-Mitgliedern steht er mittlerweile als Fraktionsvorsitzender vor.

Sein seit Jugendreisen nach Rumänien bestehendes Interesse für Osteuropa will er nun als Politiker in die Waagschale werfen. Wer in den Bundestag wolle und dafür einen aussichtsreichen Listenplatz brauche, „ist gut aufgestellt mit einer Neigung, die in Lücken stößt“, so Kretschmann in seiner Bewerbungsrede.

Ein guter Listenplatz ist tatsächlich nötig. CDU-Direktkandidat Bareiß hatte bei der vergangenen Bundestagswahl 45 Prozent geholt, der grüne Herausforderer Erwin Feucht 12,7. Aber zumindest „frei Haus“ solle die CDU das Direktmandat nicht mehr bekommen, sagt Kretschmann. Er wolle den Christdemokraten „einen neuen grünen Tarif durchgeben“, sie also nach allen Kräften mit grünen Themen herausfordern. „Dafür brennt mir der Kittel.“

Aber auch mit der eigenen Partei, die er als „parlamentarischen Arm der Klimaschutzbewegung“ sieht, geht Kretschmann kritisch ins Gericht. Wenn die Grünen im Bundestag stärker werden wollten, müssten sie mehr auf alle Bürger zugehen und die Bereitschaft entwickeln, „das sichere Ufer der eigenen politischen Komfortzone“ zu verlassen. Man könnte auch sagen: die eigene Blase. Den Bürgern „mehr zuhören und ihre eigenen Krisen genauso ernst nehmen, gerade wenn sie uns selbst fremd sind“, sei ganz entscheidend, so Kretschmann. Erst dann werde die Partei auch für jene, die noch nie bei einer Bundestagswahl grün gewählt hätten, anschlussfähig.

„Nehmen Sie mich nicht zum Vorbild“

Am 17. Juni war er im Flughafen Berlin-Tegel ohne die dort vorgeschriebene Gesichtsmaske gesehen worden. Nun hat sich Baden-Württembergs Ministerpräsident Winfried Kretschmann (Grüne) für seinen Fauxpas in einer Videobotschaft entschuldigt.

Quelle: WELT

Football news:

Sanchez hatte das Spiel gegen Bayer trotz Verletzung beendet
Sulscher ist der fünfte Trainer, mit dem Manchester United ins Halbfinale des EuroCups eingezogen ist
Manchester United will Sancho in diesem Sommer trotz der Aussage von Borussia Dortmund kaufen, dass er bleibt
Shirokov schlug den Schiedsrichter bei einem Amateur-Turnier: versprach, dass # # # # # [vdarit] für die rote Karte – und # # # # # [vdarit]
Bruna erzielte in 20 spielen für Manchester United 11 Tore. 7 von Ihnen - mit einem Elfmeter
Lukaku erzielte in 9 Europa-League-spielen in Folge. Das ist turnierrekord
Konstantinos Tsimikas: Liverpool ist der größte Klub der Welt. Ich war als Kind für Sie krank