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Von einer Messerattacke war auf den Videos nichts zu sehen

Beim Prozess um Gewalttaten in einer Bad Hersfelder Shisha-Bar gab es jetzt offenkundig eine Falschaussage. Von der Messerattacke war auf den Überwachungsvideos nicht zu sehen.

Der Zeuge erinnerte sich genau. Er hatte Anfang Dezember vorigen Jahres den lautstarken Streit zwischen dem Betreiber einer Bad Hersfelder Shisha-Bar und einem Mitarbeiter mitbekommen, und er hatte gesehen, wie die Aushilfe plötzlich ein Messer zückte und zum Herzen des Chefs zustach. Der konnte sich zwar mit einem Arm schützen, zog sich dabei jedoch eine tiefe, stark blutende Wunde zu und sei anschließend zusammengebrochen.

Dumm nur, dass dem Zeugen vor seinem Auftritt im Schöffengerichts-Prozess um mehrere Gewalttaten in jener Bar (unsere Zeitung berichtete) offenbar niemand gesteckt hatte, dass es Videos aus zwei Überwachungskameras gab, auf denen fast nichts von dem zu sehen war, was der 25-Jährige berichtete. Dabei hatte ihn Richterin Christina Dern, Vorsitzende des Schöffengerichts, nicht nur einmal und das nachdrücklich über seine Wahrheitspflicht belehrt und über die möglichen strafrechtlichen Folgen einer Falschaussage informiert.

Zwar gab es tatsächlich eine Wunde am Arm des aktuell flüchtigen Betreibers, der den Mitarbeiter laut der Anklage von Staatsanwalt Andreas Hellmich gemeinsam mit seinem zwei Jahre älteren Cousin wegen Unstimmigkeiten über dessen Lohnforderungen in die Mangel genommen hatte.

Doch der Gegenstand, mit dem sich der 19-Jährige möglicherweise zur Wehr gesetzt hatte, wurde von anderen Zeugen her als abgebrochenes Teil eines nicht mehr näher zu bestimmenden Werkzeugs bezeichnet.

Hatte der wegen eines dicken Drogendeals inhaftierte 25-Jährige die Geschichte von der gezielten Messerattacke exklusiv für sich, so scheint auch der Geschädigte nicht nur Opfer zu sein. So hatte an einem der vorherigen Verhandlungstage die Mutter des Angeklagten berichtet, wie der 19-Jährige 6500 Euro für eine entsprechend abgemilderte Aussage gefordert hatte.

Der Messer-Zeuge wiederum hatte jüngst Strafanzeige gegen den 19-Jährigen erstattet, weil ihm dieser angeblich in der Bad Hersfelder Innenstadt auf offener Straße eine Kopfnuss verpasst hat.

Weitere Gäste der Bar erinnerten sich zwar an gewissen Tumult, wollten jedoch in den entschiedenen Momenten nicht mitbekommen haben.

In dem Verfahrene geht es auch um die anschließenden Verfolgungsjagd auf den 19-Jährigen, die weitere Prügel zur Folge hatte, und um die Schläge, die ein anderer Mitarbeiter der Bar bezogen hatte, weil er nicht zum Dienst erschienen war. Am kommenden Freitag sollen noch zwei Zeugen gehört werden, gefolgt von den Plädoyers und der Urteilsverkündung.

Eine Entscheidung ist allerdings schon gefallen: Nachdem jetzt alle Belastungszeugen ausgesagt haben, konnte der Angeklagte aus der Untersuchungshaft entlassen werden.

Quelle: Hersfelder Zeitung

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