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Was Männer nicht können. Marjane Satrapi im Gespräch

Sie war die erste Frau mit einem Lehrstuhl an der Sorbonne, die erste, die im Pantheon ihre letzte Ruhestätte fand, der einzige Mensch bis heute, dem es gelang, den Nobelpreis in zwei verschiedenen Disziplinen zu erlangen. Von der Gesellschaft wurde die polnische Forscherin Marie Sklodowska Curie jedoch eher gemobbt und in einer französischen Zeitung als „eine Fremde, eine Intellektuelle, eine Emanze“ diskreditiert. „Marie Curie – Elemente des Lebens“ erzählt nun auf der großen Leinwand die Lebensgeschichte dieser außergewöhnlichen Forscherin. Regie führte die iranisch-französische Comiczeichnerin und Filmemacherin Marjane Satrapi, 50, die mit ihrer Comic-Autobiographie „Persepolis: Band 1 – Eine Kindheit im Iran“ (2000) und deren Verfilmung 2007 bekannt wurde.

Muss man etwas von Chemie verstehen, um die Filmbiographie einer zweifachen Nobelpreisträgerin zu drehen?

Natürlich nicht. Meine Motivation lag eher darin, dass sie ein fester Teil meiner Kindheit war. Ich bin quasi mit Marie Curie aufgewachsen! Meine Mutter hat ständig Madame Curie zitiert, als Vorbild, damit ich eine unabhängige Frau werde. Bei emanzipatorischen Sujets wurde bei uns zu Hause immer auf Marie Curie verwiesen oder auf Simone de Beauvoir. Außerdem gab es in unserem persischen Lesebuch auch ein Stück über Marie Curie, daher war jedem Schüler im Iran ihr Name geläufig.

Kannten Sie Curies Lebensweg jenseits der Wissenschaft?

Auch ich kannte nur ihre wissenschaftlichen Erfolge. Ich wusste, dass sie Pierre Curie früh verloren hat, aber nicht, wie er starb. Auch was sie im Ersten Weltkrieg geleistet hat, war mir unbekannt...

...die Entwicklung mobiler Röntgengeräte, die an der Front eingesetzt werden sollten, damit Verletzte schneller medizinisch versorgt werden konnten.

Nachdem ich das Skript gelesen hatte, war ich von dieser Frau fasziniert. Ich las sofort ihre veröffentlichten Briefe. Wenn sie im Film Pierre Curie betrauert, basiert diese Szene auf den Eindrücken, die sie in ihren Briefen beschrieben hatte. Sie wollte nicht sentimental sein, das war ihr als Naturwissenschaftlerin zuwider, daher schilderte sie die Situation mit geradezu wissenschaftlicher Kühle. Trotzdem habe ich noch nie etwas so unglaublich Trauriges gelesen.

Marjane Satrapi, die Regisseurin von „Marie Curie – Elemente des Lebens“

Sie schildern sie als radikalen, geradlinigen Menschen...

Viele sagten, sie sei arrogant. Aber das ist lächerlich, wenn man bedenkt, was sie erreicht hat! Picasso soll angeblich ein Arschloch gewesen sein, aber als Mann verzeiht man ihm das, weil er ein Genie war. Wenn eine Frau Außergewöhnliches leistet, erwarten die Leute, dass sie ein bescheidenes, süßes Mäuschen bleibt. Man sollte langsam aufhören, das zu erwarten.

Curie wurde eine Vorkämpferin des Feminismus: Obwohl sie mit 15 Jahren ein glänzendes Abitur hinlegte, wurde sie als Frau nicht zum Studium in Warschau zugelassen. Nach neun Jahren Warten, die sie sich als Mädchenschullehrerin und als Autodidaktin mit naturwissenschaftlichen Fachbüchern vertrieb, fing sie mit dem Studium in Paris an.

Ich habe dennoch nicht versucht, Marie Curie zur Heiligen zu verklären. Sie war ein Mensch, und genau so wollte ich sie zeigen: Sie war ein Genie, war kompromisslos, wollte nie gefallen. Sie liebte die Wissenschaften.

Haben Sie etwas von sich selbst in ihr wiedergefunden?

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