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Wechsel in die Wirtschaft

Der ehemalige Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) arbeitet künftig im Vorstand des Bremer Anlagenbauers und Softwareherstellers OAS.

Der ehemalige Wirtschaftssenator Martin Günthner (SPD) arbeitet künftig im Vorstand des Bremer Anlagenbauers und Softwareherstellers OAS. (Christian Kosak)

Was machen Senatsmitglieder nach ihrem Ausscheiden aus der Landesregierung? Anlass, einen Blick in die jüngere Vergangenheit zu werfen, bietet eine aktuelle Personalie: der Wechsel des früheren Wirtschaftssenators Martin Günthner (SPD) zum international agierenden Bremer Anlagenbauer und Softwarehersteller OAS. Wie berichtet, hat das Unternehmen Günthner in den Vorstand berufen, wo er für strategische Unternehmensentwicklung und neue Märkte zuständig sein soll.

Tatsächlich gibt es nur eine sehr überschaubare Zahl von Fällen, in denen ehemalige Senatorinnen und Senatoren nach ihrer Amtszeit eine leitende Funktion in einem Unternehmen antraten. Geht man die Listen der Kabinettsmitglieder aus dem zurückliegenden Vierteljahrhundert durch, stößt man unter anderem auf Ronald-Mike Neumeyer, der 2006/2007 kurzzeitig das Amt des Bausenators bekleidete. Der CDU-Politiker – gelernter Speditionskaufmann – trat nach seiner Zeit an der Spitze der senatorischen Behörde in die Geschäftsführung der Auslandstochter des Entsorgers Nehlsen ein. Später wechselte er zum E-Mobilitätsunternehmen Swarco, das Ladeinfrastruktur für Elektrofahrzeuge anbietet.

Etwas anders lagen die Dinge bei Josef Hattig, CDU-Wirtschaftssenator im Senat Scherf von 1997 bis 2003. Hattig, der im vergangenen Jahr verstarb, war kein Berufspolitiker, sondern schon vor seiner Mitgliedschaft im Senat ein prominenter Manager. Es heißt, der damalige Bundeskanzler Helmut Kohl (CDU) habe ihn persönlich dazu gedrängt, für die Christdemokraten ein Regierungsamt in der damaligen Bremer großen Koalition zu übernehmen. Hattig blieb während seiner Zeit als Senator Aufsichtsratsvorsitzender der Deutsche Post AG – eine absolut ungewöhnliche Konstruktion. Später übernahm Hattig den Aufsichtsratsvorsitz beim Logistiker BLG.

Lobbying als Betätigungsfeld

Auch für den 2019 verstorbenen früheren Wirtschaftssenator Jörg Kastendiek war das Senatorenamt ein Intermezzo. Vorher und nachher wirkte er in verantwortlicher Position beim Bauunternehmen Kamü, später als Vorstand der Nordbremer Wohnungsgenossenschaft Gewosie. Kastendiek blieb politisch aktiv – bis zu seinem Tod als Landesvorsitzender der CDU, im Parlament als wirtschaftspolitischer Sprecher seiner Fraktion.

Nordbremer und Bauwirtschaft, nur anderes Parteibuch: Diese Kurzbeschreibung trifft auf Peter Sakuth zu, den ehemaligen SPD-Innensenator (1988 bis 1991). Beruflich in der Bremer Verwaltung gestartet, saß er ab 1983 in der Bürgerschaft und übernahm 1988 den Posten des Innensenators von seinem Parteifreund Bernd Meyer, nachdem dieser die politische Verantwortung für polizeiliche Fehler beim Gladbecker Geiseldram übernommen hatte. Nach seinem Ausscheiden aus der Politik wurde Sakuth Geschäftsführer und Mitinhaber der Gebr. Rausch Wohnbau GmbH & Co. KG. Als Sprecher der Arbeitsgemeinschaft der freien und privaten Wohnungsunternehmen in Bremen ist er führender Lobbyist der Branche. Die Parteipolitik hängte er nie komplett an den Nagel. Mehrfach war Sakuth Vorsitzender der sogenannten Mandatskommission des SPD-Unterbezirks Bremen-Stadt. In dieser Eigenschaft hatte er großen Einfluss auf die Zusammensetzung der Kandidatenliste für die Bürgerschaftswahl.

In Sakuths Zeit als Innensenator stand Bürgermeister Klaus Wedemeier (SPD) an der Spitze des Senats. Seine Karriere als Regierungschef endete 1995. Noch im selben Jahr nahm er einen Ruf des Düsseldorfer Telekommunikationsunternehmens Otelo an und stieg dort als Generalmanager ein. Später betätigte er sich als Vorsitzender des Wirtschaftsverbandes Weser ebenfalls im Bereich des Lobbying. In diese Sphäre zog es auch Ralf Nagel (SPD), ab 2007 drei Jahre lang Chef des Wirtschafts- und des Justizressorts im Senat Jens Böhrnsen (SPD). Nachdem Nagel im Februar 2010 auf eigenen Wunsch aus der Landesregierung ausgeschieden war, trat er kurze Zeit später eine neue Tätigkeit beim Verband deutscher Reeder in Hamburg an. Dort ist er nach wie vor geschäftsführendes Präsidiumsmitglied.

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