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Weghorst und die zweite Liebe: Der Verschmähte euphorisiert Oranje

Wolfsburgs Torjäger Weghorst feiert mit den Niederländern nach dem Abpfiff den perfekten Start in die Fußball-Europameisterschaft, der auch das Königspaar Willem-Alexander und Máxima erfreut. Für den Stürmer ist es Oranje-Liebe auf den zweiten Blick.

Sogar König Willem-Alexander applaudierte höflich, als Wout Weghorst kurz vor Spielende den Rasen verließ. Der weniger royale Teil des Publikums ging noch einen Schritt weiter: "Wou-hout Weghorst" schallte es durch die Johan-Cruyff-Arena - kein anderer Spieler wurde an diesem furiosen Abend mit Sprechchören bedacht. Und plötzlich war klar: Das mit der Elftal und dem lange verschmähten Weghorst, das könnte doch noch was geben.

"Dieser Abend macht mich stolz. Für mich war es eine Super-Woche", sagte der Torjäger des VfL Wolfsburg nach dem 3:2 (0:0) der Niederlande zum EM-Start gegen die Ukraine. 28 Jahre alt ist Weghorst immerhin schon, doch die Begegnung in Amsterdam war erst sein siebtes Länderspiel. Erst sieben Tage zuvor hatte er bei der EM-Generalprobe gegen Georgien sein allererstes Tor für Oranje erzielt. Kaum zu glauben für jemanden, der in der Bundesliga fast nach Belieben trifft.

Ex-Bondscoach Ronald Koeman, aber auch der aktuelle Trainer Frank de Boer hatten meist Luuk de Jong den Vorzug gegeben. Seit November 2019 war Weghorst gar nicht mehr zum Einsatz gekommen - was ihn wurmte. Im März feierte er eines seiner 20 Saisontore für Wolfsburg mit der "Klauengeste" und finsterem Gesichtsausdruck. Mit dem Jubel imitierte er einen Löwen - jenes Tier, das auf den niederländischen Trikots prangt.

Ziemlich "große Beule" in der Tür

De Boer und niederländische Journalisten diskutierten anschließend darüber, ob Weghorst "an die Tür zur Elftal klopft" (de Boer) oder nicht doch schon längst hindurch gegangen sei. Beide Seiten einigten sich darauf, dass die Beule in der Tür inzwischen "ziemlich groß" sei. So groß, dass de Boer wenig später den Torjäger dann doch auf den letzten Drücker für die EM nominierte - und ihn nun sogar zum Stammspieler machte.

Und es scheint tatsächlich zu klappen mit der Liebe auf den zweiten Blick. In seinen ersten fünf Länderspielen hatte Weghorst gerade einmal einen einzigen Torschuss abgegeben. In den beiden folgenden dagegen fünf - von denen zwei ins Ziel fanden. Nach seinem 2:0 gegen die Ukraine fuhr er beim Jubel wieder die Klauen aus - diesmal mit einem Lachen auf dem Gesicht. "Es war eine Super-Atmosphäre hier bei uns in Amsterdam. Die ersten Spiele sind immer wichtig. Es geht darum, dass du gewinnst", sagte Weghorst nach dem Spiel und fügte an: "Hoffentlich geht es jetzt so weiter. Wir haben hier noch einiges vor."

In den Medien wurden Weghorst und Siegtorschütze Dumfries mächtig abgefeiert. "Zwei Spieler, bei denen du dich manchmal fragst, was sie in der Nationalmannschaft zu suchen haben, übernahmen die Hauptrollen und jagten die Euphorie durch die Arena», schrieb die Zeitung "Volkskrant". Dumfries und Weghorst, "Arbeiter mit Kohlestücken an den Füßen. Kämpfer, Kraftprotze", schrieb die Zeitung weiter. "Sie essen und trinken Fußball und nun finden sie sich bei der EM wieder, in einer Siegermannschaft, mit einer Hauptrolle."

Schon am Donnerstag geht es an gleicher Stelle gegen Österreich weiter. Die EM-Euphorie im Land ist jedenfalls geweckt. "Auf einmal schimpft (...) niemand mehr über das 5-3-2-System und ob Frank de Boer die richtigen Entscheidungen getroffen hat", schrieb das "Algemeen Dagblad". Zwar gebe es im Spiel auch noch einige Verbesserungsmöglichkeiten, „der Weg zum Gruppensieg ist aber erst einmal frei.“ Die Zeitung "De Telegraaf" schrieb: "Jetzt wird das Oranje-Fieber, das die Niederlande so lange nicht mehr kannten, noch steigen." Zumindest Willem-Alexander hat dieses Fieber bereits gepackt, wie sein ausgelassener Jubel bewies. Auch dank Wout Weghorst.

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