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Germany

Weit mehr als Esel, Hund, Katze, Hahn

Sie lockt viele Bremen-Besucher an: die Skulptur der Bremer Stadtmusikanten in der Innenstadt.

Sie lockt viele Bremen-Besucher an: die Skulptur der Bremer Stadtmusikanten in der Innenstadt. (Mohssen Assanimoghaddam/DPA)

Die vier Kreaturen der Gebrüder Grimm haben Bremen zu einem „märchenhaften Weltruhm“ verholfen. Doch die Geschichte von den Stadtmusikanten hat nicht nur den Namen der Hansestadt in die Welt getragen. Esel, Hund, Katze und Hahn sind seit 200 Jahren ein hochsympathisches Markenzeichen – das Bremen künftig im Stadtmarketing stärker einsetzen will.

Richtig so, auch wenn hin und wieder Marketing-Experten meinen, die Stadtmusikanten seien für Bremen „durchgenudelt“. Tatsächlich stehen die vier Tiere mit ihrer Geschichte für manches, was Bremen ausmacht: Weltoffenheit, Solidarität, Gastfreundschaft und der Wille, sich nicht unterkriegen zu lassen. Klar könnten die Stadtmusikanten auch für einige Bremer Eigenarten stehen, die nicht so sehr für die Werbung taugen: eine gewisse Blauäugigkeit und einen Hang zur Sprunghaftigkeit. Aber, mit solchen Analogien zwischen altem Märchen und Bremer Gegenwart muss man Gäste der Stadt ja nicht unbedingt behelligen.

Doch bei allem Charme, die Stadtmusikanten allein können es nicht reißen. Stadtmarketing, das ist heute mehr, als einfach nur Touristen zu locken. Da geht es zunehmend auch um das Anlocken von Start-ups, die Ansiedlung von Unternehmen oder den Zuzug von Fachkräften. Die Konkurrenz ist enorm: Immerhin gibt es in Deutschland 81 Großstädte mit mehr als 100 000 Einwohnern.

Da reicht ein tierisches Quartett oder ein genialer Slogan wie für Baden-Württemberg („Wir können alles.  Außer Hochdeutsch.“) nicht aus, um das Image zu polieren. Und mit dem Image steht es bei Menschen, die bislang einen Bogen um Bremen gemacht haben, nicht zum Besten. Das hat viel mit dem überregionalen Medien-Echo auf die Probleme des kleinsten Bundeslandes zu tun. So schrieb die „Süddeutsche Zeitung“ vor acht Jahren: „Land der roten Laternen. Verschuldung, schlechte Pisa-Noten, Einbrüche“. Häufig ist auch vom „Armenhaus“ die Rede.

Möchte man an solch einem schrecklichen Ort seine Urlaubstage verbringen? Oder gar leben? Die Bremer schon. Befragungen bestätigen eine sehr hohe Identifikation der Bürger mit ihrer Stadt. Und das liegt auch daran, dass Bremen neben absoluten Highlights – wie die historische Altstadt, das Unesco-Weltkulturerbe Rathaus und die Stadtmusikanten-Skulptur – jede Menge Kleinode besitzt: Kunsthalle, Roland, Knoops Park, Schnoor, Böttcherstraße, die Mühle in den Wallanlagen, das maritime Flair an der Weser.

Wohl jeder hat es schon erlebt: Sind Gäste das erste Mal in der Hansestadt, staunen sie nicht schlecht, was die alles zu bieten hat. Die Experten der städtischen Wirtschaftsförderung (WFB) befragen nun die Bremer noch bis zum 30. September nach der „DNA der Stadt“. Was macht Bremen so besonders? Da kommt in der Online-Befragung ein bunter Strauß zusammen: kurze Wege, das Viertel, natürlich Werder, andere sehen ausschließlich Bremen-Nord als liebenswürdig an. Die WFB erhofft sich von der Aktion Anregungen für das Marketing. Nach dem Motto: Was die Bremer an ihrer Stadt besonders lieben, müsste doch auch den Gästen gefallen.

Es ist noch Luft nach oben, die vielfältigen Angebote für Ausflügler und Urlauber intensiver zu bewerben. Davon dürfte dann die ganze Stadt profitieren. Mehr als 30 000 Menschen arbeiten im Land Bremen in der Tourismusbranche. Die Zahl der Touristen und Geschäftsreisenden steigt von Jahr zu Jahr, mehr als 1,1 Millionen waren es 2018. Und die lassen richtig Geld an der Weser: Ein Besucher gibt durchschnittlich 67 Euro (ohne Übernachtung) bei seiner Bremen-Visite aus.

Trotz steigender Gäste- und Übernachtungszahlen zeigt die Statistik eine Delle: Reisende aus Großbritannien und den USA machen sich rar in den hiesigen Hotelbetten. Diese Entwicklung hat verschiedene Gründe, zeigt aber auch: Man kann sich auf touristischen Erfolgen nicht ausruhen. Und auch nicht auf dem Erbe der Vergangenheit.

Um Touristen anzulocken, brauchen Städte auch Entwicklung. Und da hat sich Bremen ja einiges vorgenommen: Die Altstadt soll autofrei werden, der Bereich des Innenstadt-Parkhauses soll zur City-Galerie werden, im Bereich Langenstraße entsteht das Balge-Quartier, auch Domshof und Domsheide sollen umgestaltet werden. Eine Chance für einen neuen Publikumsmagneten scheint allerdings vertan: Die von Star-Architekt Daniel Libeskind geplanten Türme am Brill werden wohl an den Bedenken im Senat scheitern. Hoffentlich ist das kein schlechtes Omen. Pläne für öffentliche Großprojekte in Bremen sind schon allzu oft fehlgeschlagen.

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