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Wenn das Papier selbst die Kunst ist

Dachau – Kunst auf Papier ist normal, Kunst aus Papier schon nicht alltäglich, aber wenn das Papier selbst die Kunst ist, ist das etwas Besonderes. Der Münchner Raphael Grotthuss besitzt eine Papierwerkstatt mit dem Namen Papierwerk Glockenbach, wo er fleißig mit der Herstellung von Papier experimentiert. Während oder gerade aufgrund dieser Experimente entstehen Kunstwerke – kleine wie gigantisch große.

Eine Auswahl zeigt er nun bis Sonntag, 7. November, in der KVD-Galerie unter dem Titel „Landschaft Form Struktur“. Die Begriffe im Ausstellungstitel sind gleichzeitig Kategorien, in die er seine Arbeiten unterteilt.

Mitten in der Dachauer Galerie steht ein mannshoher Kegel, quasi ein bläulicher Berg. „Ich habe ein Holz-Gestell mit noch feuchtem Zellstoff aus Altpapier verkleidet und mit blauen Pigmenten besprüht“, erklärt der Künstler. Während der Ausstellungszeit bis 7. November trocknet der Berg. „So werden die Besucher am Anfang etwas andres vorfinden wie die Besucher am Ende“, schildert Grotthuss. Eine Installation, die sich durch Trocknung verändert und wie der Künstler verrät, auch speziell für diese Ausstellung ihre Form erhalten hat. „Ich bin ursprünglich Bildhauer, arbeite also stets mit dem Raum und dem Bezug zum Raum“, sagt er. Die Begegnung mit der Galerie habe ihm sozusagen die Kegelform zugetragen.

Ein ebenfalls nicht zu übersehendes Werk ist die schwarz-blaue Papierbahn mit dem Titel „1000 x 300“, was gleichzeitig die Maße in Zentimeter sind. Auch hier lud ihn die Galeriewand erst zu diesem Werk ein. „Ich habe dafür extra einen Raum angemietet, um es herstellen zu können“, verrät er über die Entstehungsgeschichte des Werkes. Denn er brauchte dafür eine ebene Fläche, auf die er einen Träger, in diesem Fall ein großes Leinengewebe, ausbreiten konnte, auf das er mit einer modifizierten Putzpistole Flachsfasern aufsprühte. Nach der ersten Schicht schwarzer Fasern, und bevor er die blaue Schicht auftrug, verformte er das Gewebe mit Falten und Mulden. So entstand der dreidimensionale Effekt.

Doch in der Regel sprüht er auf ein stehendes Objekt, ähnlich einer Leinwand auf der Staffelei. Unter dem Titel „Landschaften“ schafft er Papierarbeiten, welche aufgrund ihrer Linien oder Farbigkeit an solche erinnern. Dabei sprüht er die eingefärbten Flachsfasern in bestimmter Reihenfolge auf Glas oder einem anderen Träger. In einem Werk beispielsweise sind auf dem Glas die Farben Blau, Grün, Rot und Schwarz gesprüht worden, was nun an einen Sonnenuntergang erinnert. „Ursprünglich wollte ich das Blatt nach dem Trocknen abziehen, doch es ließ sich nicht mehr von der Scheibe lösen“, erzählt Grotthuss. Deshalb ließ er die Fasern auf dem Glas und drehte es um. So ist es oft der Zufall oder der Prozess seiner Papierexperimente, die Kunstwerke entstehen lassen.

Bei seinen „Strukturen“ geht es weniger ums Lineare, vielmehr um die Oberfläche der aufgesprühten Fasern. Bei „Formen“ entstehen durch gezieltes Sprühen Formen oder der Träger selbst ist es, der nicht immer eckig ist. Durch die verschiedenen Träger und Farben entstehen die unterschiedlichsten Varianten, was beweist, wie facettenreich Grotthuss Kunst sein kann. „Das Schöne am Material ist, dass ich es immer wieder verwenden kann. Ich muss nichts wegschmeißen. Papier lässt sich unendlich oft einweichen und neu gestalten“, sagt er. Auch der blaue Berg aus schließlich getrocknetem Papier wird für nächste Projekte wieder verwendet.

Über seine Arbeit im Papierwerk ist in Zusammenarbeit mit der Fotografin Louisa Marie Summer und dem Grafiker Dominik Schwarz ein Buch entstanden, welches Grotthuss zur Veröffentlichung am Samstag, 30. Oktober, in der KVD-Galerie von 16 bis 19 Uhr vorstellen möchte.

Die Ausstellung

„Landschaft Form Struktur“ in der KVD-Galerie, Pfarrstraße 13, ist bis 7. November immer von Donnerstag ist Samstag von 16 bis 19 Uhr sowie sonntags von 12 bis 18 Uhr geöffnet. Der Künstler selbst ist immer sonntags in der Galerie anwesend.

Miriam Kohr