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Germany

Wenn User sterben: Das digitale Erbe verwalten

Ein Mann versetzt das Facebook-Profil einer Verstorbenen in den Gedenkzustanddpa

Stirbt ein geliebter Mensch, müssen die Hinterbliebenen nicht nur Trauerarbeit leisten, sondern auch eine Menge Organisatorisches erledigen. Sie müssen die Beerdigung organisieren, Bankkonten auflösen und Zeitungsabos kündigen. Doch da hört die Arbeit noch nicht auf. Wer stirbt, hinterlässt auch ein digitales Erbe: „Zum digitalen Nachlass gehört neben Zugangsberechtigungen zu E-Mail-Diensten und Online-Shops, Streaming-Abos und elektronischen Bibliotheken auch Sensibles wie in der Cloud gespeicherte Gesundheitsdaten, digitale Gehaltsabrechnungen, Online-Konten oder Verträge“, erklärt Alexander Knauss, Fachanwalt für Erbrecht bei der Kanzlei Meyer-Köring.

Digitale Erbmasse häufen mittlerweile nahezu alle Menschen in ihrem Leben an – und doch sorgen dafür nur die wenigsten vor. Gerade einmal 13 Prozent der Deutschen haben sich komplett um ihren digitalen Nachlass gekümmert, weitere 18 Prozent zumindest teilweise. Das zeigt eine aktuelle Studie des IT-Branchenverbands Bitkom. „Ist das digitale Erbe nicht geregelt, beginnt für die Hinterbliebenen nach dem Tod die Suche nach Benutzernamen, Passwörtern oder PINs. Der Familie diesen Stress zu ersparen, sollte eine weitere Motivation sein, hier frühzeitig aktiv zu werden“, sagt Bitkom-Hauptgeschäftsführer Bernhard Rohleder.

Vollmacht für Vertrauenspersonen

Das ist gar nicht so schwierig: 71 Prozent derjenigen, die ihren digitalen Nachlass teilweise oder vollständig im Griff haben, haben ganz einfach bei einem Familienangehörigen oder einer Vertrauensperson die Zugangsdaten zu Geräten und Online-Diensten hinterlegt. Rund die Hälfte hat Vertrauenspersonen eine Vollmacht für Online-Plattformen wie Streaming-Dienste oder Mail-Provider ausgestellt, jeder Vierte hat testamentarisch vorgesorgt.

Besonders sorgfältig sollten Internetnutzer vorsorgen, die mit Kryptowährungen handeln oder diese halten. „Gerade, wenn der Nachlass auch virtuelles Vermögen enthält und jemand Erbe werden soll, bietet es sich an, einen Testamentsvollstrecker mit der Abwicklung des digitalen Nachlasses zu beauftragen“, rät Fachanwalt Knauss. Denn nicht jeder Erbe weiß mit digitalen Währungen und Konten umzugehen.

Hat der Verstorbene keinen Testamentsvollstrecker mit seinem digitalen Nachlass beauftragt, müssen sich Familie oder Freunde darum kümmern – auch um Profile in sozialen Medien wie Facebook. Das hat der Bundesgerichtshof (BGH) in einem Urteil aus dem Jahr 2018 bestätigt. Die Eltern eines verstorbenen Mädchens hatten geklagt, weil Facebook ihnen den Zugang zum Facebook-Konto ihrer Tochter verweigerte. Der BGH legte in seinem Urteil fest, dass nach dem Tod alles auf die Hinterbliebenen übergeht und sie darauf zugreifen dürfen – auch auf private Chats. In diesem Fall steht das Erbrecht über dem postmortalen Persönlichkeitsrecht, dem Fernmeldegeheimnis und dem Datenschutz.

Nachlasskontakt bei Facebook bestimmen

Wer nicht möchte, dass Angehörige später Zugriff auf private Nachrichten haben, sollte einen Testamentsvollstrecker mit der Löschung der Konten betrauen. Alternativ können Facebook-Nutzer einen Nachlasskontakt bestimmen. Dieser kann dann das Profilfoto des Verstorbenen ändern und Freundschaftsanfragen regeln – mehr aber nicht. Soll das Profil erhalten bleiben, können Angehörige bei Facebook beantragen, dass es in einen „Gedenkzustand“ versetzt wird. Dafür reicht das Einreichen der Sterbeurkunde.

Bei Streaming-Abonnements haben Hinterbliebene in der Regel ein Sonderkündigungsrecht, wenn der Abonnent gestorben ist. Am einfachsten geht auch hier die Kündigung, wenn Freunde oder Familie Zugang zum Online-Konto haben. Das Problem ist in diesem Fall ein anderes: Erben wissen nur selten, welche Verträge überhaupt bestehen. Damit Freunde und Familie nicht während der Trauerzeit im Internet auf Spurensuche gehen müssen, sollten Internetnutzer also eine Übersicht ihres digitalen Lebens erstellen und an einen Vertrauten oder Testamentsvollstrecker weitergeben.

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