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Werder-Sprinter ist fit für die Deutschen Meisterschaften

Kann losgehen: Werder-Sprinter Fabian Linne  bei einem vorletzten Training vorm Meisterschaftsrennen.

Kann losgehen: Werder-Sprinter Fabian Linne  bei einem vorletzten Training vorm Meisterschaftsrennen. (Christina Kuhaupt)

Zwischenjahr. Komisches Wort, aber es hat den Vorteil, dass man damit ganz gut beschreiben kann, was ansteht. Als Zwischenjahr hatten der Werder-Sprinter Fabian Linne und sein Trainer Andriy Wornat diese Saison 2020 definiert. Sie sollte den Übergang vom Jugend- in den Männerbereich markieren, Linne ist am Dienstag 20 Jahre alt geworden. Zwischenjahr auch, weil keine internationale Meisterschaft angepeilt werden sollte, die nächste U 23-EM folgt erst im kommenden Sommer, sie war ins norwegische Bergen vergeben worden. Außerdem sollte für Fabian Linne die laufende Saison eine sein, in der sich sein Alltagsrhythmus umstellt. Ausbildung bei Lürssen und nicht mehr Schule und Abi bestimmen den Takt neben Training und Wettkämpfen.

Nun steht für den 200-Meter-Spezialisten mit einer Bestzeit von 21,04 Sekunden der Saisonhöhepunkt an. Deutsche Meisterschaften an diesem Wochenende in Braunschweig. Am Sonntag sind die 200 Meter dran. Und wenige Tage vor dem Fixpunkt des Jahres kann man sagen: Es ist für Fabian Linne wie zuvor definiert dieses Zwischenjahr geworden, aber die Schlagworte in ihm sind ganz andere geworden, andere als vermutet. Corona, Zerrung, Trainerwechsel. Nicht geplant, nicht geahnt, nicht gewollt. Und mit recht unterschiedlichen Fußnoten versehen. Corona läuft noch, Ende ungewiss. Die Zerrung scheint endgültig verheilt zu sein. Der Trainerwechsel steht erst noch bevor.

Fokus auf die Meisterschaften in Braunschweig

Seit einem Jahrzehnt schon arbeiten Fabian Linne und Andriy Wornat zusammen. Automatisch sei eine enge Bindung entstanden, ja, quasi eine Freundschaft, sagt der Athlet. Von der U 9 bis zur U 13 hatte der Leichtathlet Fußball gespielt beim SV Werder, Wornat war sein Koordinationstrainer, so begann es. Im kommenden Januar aber soll es vorbei sein. Andriy Wornat will aufhören. Aus persönlichen Gründen, von denen die Öffentlichkeit nur so viel zu wissen brauche, dass es nix mit Fabian Linne zu tun hat. Der will sich jetzt erst mal auf diese Meisterschaften in Braunschweig fokussieren, vor denen er gerade noch rechtzeitig wieder verletzungsfrei geworden ist. Schneller und freier rennen kann. In den Angriffsmodus umschalten kann. Mal schauen, was drin ist, vielleicht sogar der Endlauf, wer weiß. Zuletzt hatte er sich innerhalb einer Woche um mehr als sechs Zehntelsekunden gesteigert und war in Arsten mit 21,30 Sekunden wieder in die Nähe seiner Bestzeit gekommen.  

Ganz ruhen wird das Trainer-Thema allerdings nicht in Braunschweig. Er ist dort zu einem Gespräch verabredet mit Edgar Eisenkolb aus Hannover. Eisenkolb ist Bundestrainer für 400 Meter und Cheftrainer des niedersächsischen Landesverbandes. Ähnlich wie für das 200-Meter-Rennen von Braunschweig gilt: Mal schauen, was herauskommt. Vielleicht wird Fabian Linne künftig pendeln, Hannover hat zum Beispiel eine Hallenbahn mit Kurve, Bremen hat das nicht. Er wisse noch nicht, wie es kommen werde, sagt Bremens aktueller Topsprinter. Er wisse nur, dass er gern in Bremen bleiben möchte, wo ja auch seine Ausbildung bei Lürssen weiterläuft, und dass Eisenkolbs Spezialität 400 Meter ihm zu anstrengend wäre. Heftiger Trainingsaufwand, hohe Laktatwerte.

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Der Blick nach vorne landet im Ungewissen, der Blick zurück endet mit einer Erleichterung. Noch vor dem ersten Wettkampf der Saison, die im Juni mit Verspätung begonnen hatte, trat im Training dieses muskuläre Problem im Oberschenkel auf. Es schien behoben, als der Wettkampf folgte, aber das war ein Trugschluss. Eine kleine Zerrung wurde zum unliebsamen Wegbegleiter in den folgenden Wochen. Die Rennen und ihre Resultate: mehr schlecht als recht.

Fabian Linne erzählt, dass er sich nicht getraut habe, voll durchzuziehen. Auf einer Sprintstrecke wäre das sozusagen die erste Bürgerpflicht. Kontrollierte Offensive, oder voll defensiv? Im Sprint? Viel Spaß, müsste man antworten. „Ich hätte mich mit meinem Nebenmann unterhalten können“, sagt Linne über seinen ersten Wettkampf nach dem Wettkampf mit der Zerrung. So kontrolliert defensiv ist er gelaufen. Erst ganz allmählich wurde es besser, bis es jetzt wieder okay ist, das Gefühl und das Vertrauen in den Körper.

Training auf der Straße vorm Elternhaus 

Dabei hatte er dieses krude Corona-Jahr ganz gut angenommen. Er hatte versucht, das Beste daraus zu machen, hatte in der Straße vorm Elternhaus in Findorff trainiert oder vorm Congress Centrum auf der Bürgerweide. Hatte bereit sein wollen für den Fall, dass es eine Deutsche Meisterschaft gibt. Hatte nicht weniger investieren wollen als andere in dieser komischen Saison, in der andere wegen der Pandemie vielleicht auch nicht so viel Sinn im harten Trainieren finden konnten. Wofür denn? Lange hatte es nicht danach ausgesehen, dass sie noch veranstaltet werden können, die nationalen Titelkämpfe. „Es ist gut, dass es die Meisterschaften jetzt gibt“, sagt Fabian Linne.  Sie sind etwas zum Orientieren, zum Festhalten. Sind, wenn man so will, etwas für die Seele des Athleten. 

Wäre sonst blöd, findet der flinke Bremer, wenn es nur solche Corona-getränkten Alibi-Wettkämpfe geben würde. So wie es auch blöd wäre, sagt Fabian Linne, wenn es eine EM gegeben hätte in dieser Saison, in der ihm die ganzen leistungsfeindlichen Sachen passiert sind. Aber so kann man immer noch sagen: Nun ja, 2020, das ist halt ein Zwischenjahr.

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