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Wie die Schul-Öffnungen in Bremen beurteilt werden

Ab Klasse fünf soll künftig Maskenpflicht gelten, Grundschüler müssen in Bremen weiterhin keine Masken tragen.

Ab Klasse fünf soll künftig Maskenpflicht gelten, Grundschüler müssen in Bremen weiterhin keine Masken tragen. (Frank Thomas Koch)

Bei kaum einem Thema gehen die Meinungen so weit auseinander wie beim Umgang mit den Schulen in der Pandemie. Auch beim Blick auf die Öffnungsschritte, die der Senat ab März für die Schulen plant, gibt es verschiedene Perspektiven. Einig sind sich aber viele Akteure in einem Punkt: Der geplante Unterricht in vollen Klassen an den Grundschulen bereitet vielen Sorge.


Die Lehrkräfte

Für die Lehrer und andere Schulbeschäftigte haben sowohl der Personalrat Schulen als auch die Gewerkschaft GEW zuletzt die Wiedereinführung der Präsenzpflicht an Schulen gefordert. Der Personalrat Schulen befürwortet dementsprechend nun die Umsetzung dieser Forderung. Kritisch sehen GEW und Personalrat aber die vollen Grundschulklassen. „Im Grunde sind wir uns in einem Punkt mit fast allen Akteuren und einem Teil der Eltern einig: Die vollen Grundschulklassen bereiten uns Bauchschmerzen, das ist der größte Knackpunkt“, sagt Angelika Hanauer vom Personalrat.

„Und wenn man schon unbedingt den Unterricht in vollen Klassen will, sollte man zumindest auch für Grundschüler die Maskenpflicht einführen.“ Selbst die beiden Kinderärzte, von denen sich die Senatorin beraten lasse, hätten zuletzt ihre Position zu Masken für Grundschüler überdacht: „Stefan Trapp und Hans-Iko Huppertz haben zuletzt gesagt, anders als zunächst erwartet, würden Kinder im Grundschulalter nun nicht mehr vor den Masken zurückweichen, das stelle kein Problem mehr dar.“ Der Personalrat hatte ebenso wie die GEW Halbgruppen-Unterricht bis zu den Osterferien gefordert. „Dabei haben Schüler ja auch immer noch zumindest an jedem zweiten Tag Sozialkontakte.“

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Die Schülerinnen und Schüler

„Wir finden die Wiedereinführung der Präsenzpflicht an den Schulen annehmbar“, sagt Clemens Lange von der Gesamtschülervertretung Bremen (GSV). Er weist darauf hin, dass die GSV nicht für die Grundschüler sprechen kann, da sie nur von Jugendlichen der weiterführenden Schulen gewählt wird. Die GSV fordert, den Präsenzunterricht sicherer zu machen. Dies könne durch Lüftungsanlagen in Klassenräumen geschehen, die es bisher nur bei einem Teil der Bremer Schulen gibt. „Lüftungsanlagen werden schon seit Monaten für die Schulen gefordert“, sagt Clemens Lange. „Wenn man in die Schule gezwungen wird, muss es einfach sicher sein, man darf keine Angst haben, in die Schule zu gehen.“ Jetzt sei es für die GSV „ganz wichtig, dass die Schülerinnen und Schüler, die zum Beispiel mit ihren Großeltern zusammen wohnen oder andere Risikoangehörige in ihrer Familie haben, trotzdem Distanzlernen machen können und dabei nicht abgehängt werden.“ Die dafür notwendige Unterstützung könnten die Lehrer nicht immer leisten, sagt Clemens Lange. „Aber dafür muss man dann andere Lösungen finden, das muss geregelt werden.“

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Die Schulleitungen

Schule vor Ort wieder verpflichtend zu machen, ist richtig. Das sagt Thorsten Maaß von der Schulleitungsvereinigung. Den Unterricht in vollen Grundschulklassen dagegen lehnt er ab: „Diese großen Gruppen finden wir im Moment unverantwortlich, solange man keine verlässliche Test- und Impfstrategie hat.“ Soweit solle man die Grundschulen nicht öffnen, schon gar nicht, „wenn man Mutanten hat, die sich bei jüngeren Schülern deutlich schneller ausbreiten sollen“. Bremen gehe in der falschen Reihenfolge vor: Die Schulen würden ab 1. März geöffnet, aber die Schnelltests seien dann noch nicht da, und die Teststrategie der Behörde sei noch nicht ausgereift, sagt Maaß. Zudem haben sich zwei Gruppen von Grundschulleitungen in offenen Briefen an die Bildungssenatorin gewandt: Die Entscheidung für Unterricht in vollen Klassen sei „schwer tragbar und wenig nachvollziehbar“ schrieben 13 Leitungen aus dem Bremer Westen mit Hinweis auf die Virusmutanten. Sie fordern Halbgruppenunterricht bis Ostern. Auch 14 Grundschulleitungen aus dem Süden der Stadt wandten sich in einem ähnlichen Schreiben an die Senatorin.

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Die Eltern

Der Halbgruppenunterricht mit Präsenzpflicht an weiterführenden Schulen wird laut dem Bremer Zentralelternbeirat von vielen Eltern begrüßt, sagt der Bremer Zentralelternbeirat (ZEB). Mit Blick auf die vollständige Öffnung der Grundschulen gebe es Zustimmung, aber auch viel Kritik von Eltern.

Martin Stoevesandt vom ZEB-Vorstand sagt: „Stand heute halten wir die Entscheidung des Senats immer noch für nachvollziehbar und als Kompromiss richtig.“ Es gebe aber auch harsche Kritik und Ängste von Eltern vor der Ansteckungsgefahr in den Schulen. Der ZEB will aufgrund der Sorgen eines Teils der Eltern mit der Bildungssenatorin besprechen, inwiefern durch Beschlüsse der Schulkonferenz einer Grundschule Abweichungen von der vollen Präsenzpflicht möglich sind. Möglicherweise könnten einzelne Schulen dann am Halbgruppen-Unterricht festhalten, heißt es in einem Brief des ZEB an die Familien. Stoevesandt benennt auch die Sorgen von Eltern nach den Zeiten mit viel Distanzlernen: „Wir hören von vielen verzweifelten Eltern immer häufiger: ,Unser Kind wird merkwürdig auffällig bis depressiv. Auch das nehmen wir sehr ernst.“

Der Grundschulverband

„Gesundheitsschutz und Fürsorgepflicht bleiben auf der Strecke“, so formuliert der Grundschulverband seine Position zu den Schulöffnungen. Mit Wechselunterricht mit Präsenzpflicht bis Ostern hätte man Gesundheitsschutz und Pädagogik Rechnung tragen können, so der Verband. „Der Senatsbeschluss vom 16. Februar 2021 hat diese Chance zunichte gemacht.

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