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Windräder im Hofoldinger Forst: Berliner Ampel könnte Genehmigung beschleunigen

Der Bau der Windräder im Hofoldinger Forst rückt näher. Im Frühjahr 2022 sollen die Genehmigungs-Anträge eingereicht werden. Für die drei Bürgerwind-Anlagen wollen die Gemeinden Otterfing, Aying und Sauerlach eine gemeinsame GmbH gründen. Die Bevölkerung soll Anteile zeichnen können.

Otterfing/Aying - Das Großprojekt Windenergie im Hofoldinger Forst holt Schwung für den Endspurt. Die drei beteiligten Gemeinden Otterfing, Aying und Sauerlach sind bereits dabei, eine gemeinsame Betreibergesellschaft zu gründen. Mehr Details will Otterfings Rathauschef Michael Falkenhahn (CSU) in der Bürgerversammlung am 11. November erläutern.

„Eine Antragstellung innerhalb des nächsten halben Jahres ist realistisch“, teilte das Landratsamt München auf Anfrage mit; die Behörde führt aktuell den Vorsitz der ArGe Windenergie Hofoldinger Forst, die seit 2013 gemeinsame Pläne für Bürgerwind-Anlagen an der A 8 vorantreibt. Die Gemeinde Brunnthal war im Frühjahr ausgestiegen, nach einer Kampfabstimmung im Gemeinderat.

Wie am Dienstag (26. Oktober) bei einem Info-Abend in Aying deutlich wurde, könnte die neue Ampel-Koalition in Berlin das Projekt beschleunigen. In der Veranstaltung skizzierte Projektleiter Robert Sing den Zeitplan. Demnach ist spätestens 2024 der Bau der drei Windräder anvisiert. Bauplanungsrechtlich fehlt noch die Anpassung des Landschaftsschutzgebiets „Hofoldinger und Höhenkirchner Forst im Landkreis München“; dieses Verfahren kann laut Landratsamt München parallel zum Antragsverfahren für die Windräder laufen.

Bisher dauern die Genehmigungen etwa ein halbes Jahr

Genehmigungsbehörden für die Windräder sind die Landratsämter München (Sauerlach und Aying) und Miesbach (Otterfing). Maßgeblich ist das Bundes-Immissionsschutzgesetz. Und hier könnte eine Ampel-Koalition ansetzen, sagte Sing: „Die neue Regierung will die Abläufe beschleunigen.“ Bisher dauere die Genehmigung einer Anlage in der Regel ein halbes Jahr.

Die ArGe arbeitet derzeit an der Gründung eines gemeinsamen Unternehmens mit den drei Gemeinden als Gesellschafter. Ayings Bürgermeister Peter Wagner (CSU) sprach am Dienstag von einer GmbH & Co. KG. Wie Falkenhahn erklärt, soll diese GmbH bereits als Antragstellerin der Windräder auftreten. Die beiden Landkreise sollen untergeordnet beteiligt sein. „Für diese Konstruktionen braucht es aber noch Beschlüsse in den jeweiligen Gremien der Kommunen“, stellte Falkenhahn klar.

Alle drei Gemeinden wollen ihren Bürgern ermöglichen, sich finanziell an dem Großprojekt zu beteiligen. Etwa 30 Prozent der Gesamtkosten, die auf rund 18 Millionen Euro geschätzt werden, könnten Bürger-Einlagen decken. Laut Sing dürfe man auf eine Rendite von rund fünf Prozent hoffen.

Ayings Bürgermeister ließ durchblicken, dass die Einlagen auf 10 000 Euro pro Person gedeckelt werden sollen. Er habe schon Beteiligungswünsche anderer Gemeinden vorliegen, weise diese aber zurück. „Wir haben die Windräder da, wir müssen sie anschauen, wir sollen davon profitieren“, sagte Wagner. Um auch Bürgern mit kleinerem Geldbeutel einen Einstieg zu ermöglichen, denkt Falkenhahn über die Gründung einer Beteiligungs-Genossenschaft nach: „Wie breit wir streuen, entscheidet der Gemeinderat.“

Der Druck wächst, weitere Windkraft-Standorte auszuweisen

Zuletzt wurde deutlich, dass im Bereich der Bayerischen Staatsforsten, die mit der Arge Standortsicherungsverträge geschlossen haben, nicht nur der „verwaiste“ Windrad-Standort in Brunnthal Begehrlichkeiten weckt. „Die Staatsforsten haben vor, ihre Vergabepraxis radikal zu verändern“, sagt Sing auf Nachfrage. Details seien nicht bekannt. Aber eine windenergie-freundlichere Bundesregierung könnte zusätzlich Druck erzeugen, geeignete Flächen für Windräder bereitzustellen.

Kritische Fragen der Ayinger gab es am Info-Abend kaum. Ein Teilnehmerin erkundigte sich nach der zu rodenden Waldfläche. Sing geht von 5000 bis 6000 Quadratmeter aus. Die nötige Abholzung kompensiert eine Aufforstung an anderer Stelle des Bannwalds.

Die Windkraft-Pläne im Hofoldinger Forst sollen auch bei der Otterfinger Bürgerversammlung am Donnerstag, 11. November, in der Schulaula zur Sprache kommen. Im Vorjahr musste die Bürgerversammlung coronabedingt ausfallen. Auch heuer im Frühjahr verzichtete Bürgermeister Michael Falkenhahn (SPD) noch auf eine Ansetzung.

Jetzt aber steht der Termin 11. November. Beginn ist um 20 Uhr. Neben dem obligatorischen Bericht des Bürgermeisters (Rückblick und Vorschau) und Anfragen seitens der Bürger liegt ein Schwerpunkt auf den Windkraft-Plänen

Windkraft ist Thema in der Bürgerversammlung am 11. November

Auch wenn die Corona-Fallzahlen im Landkreis wieder deutlich steigen, ist Falkenhahn entschlossen, Gemeindepolitik nach langer Pause wieder in Präsenzkontakt zu präsentieren – und erstmals seit seiner Wahl zum Gemeindeoberhaupt direkt Rückmeldungen der versammelten Bürgerschaft zu bekommen. „Mir ist es sehr wichtig, an diesem Abend zu erfahren, welche Themen für die Anwesenden vorrangig sind“, sagt Falkenhahn. Wer eine Anfrage oder einen Antrag stellen will, die in der Versammlung behandelt werden sollen, kann diese bis Dienstag, 2. November (12 Uhr), schriftlich im Rathaus einreichen (auch per E-Mail möglich an: gemeinde@otterfing.de).

Möglich ist die Präsenzversammlung nur, weil sie einem Corona-Schutzkonzept unterliegt. Die Teilnehmerzahl ist auf 100 begrenzt. Eingelassen wird nur, wer die Vorgabe 3G (geimpft, getestet, genesen) erfüllt und sich vorab anmeldet unter der Telefonnummer 0 80 24 /90 630 oder via E-Mail an gemeinde@otterfing.de. Vorzulegen ist am Einlass der jeweilige Nachweis. Im Saal gelten Abstandsregeln, je nach Inzidenz auch Maskenpflicht. Die Gemeinde bietet ab 19 Uhr kostenlose Tests am Rathaus an.

Man behalte die Corona-Entwicklung immer im Auge, sagt Falkenhahn. Die aktuelle Statistik weist zehn infizierte Otterfinger aus. „Sollte die Zahl bis zur Versammlung deutlich steigen, müssen wir die Lage natürlich neu bewerten.“ Unter Umständen verschärfe man dann die Schutzmaßnahmen auf 3G plus (PCR-Test) oder gar auf 2G (geimpft/genesen). „Mir ist die Versammlung sehr wichtig“, betont der Rathauschef, „aber wir ziehen das sicher nicht um jeden Preis durch.“ Auch eine weitere Verschiebung sei denkbar. Eine zusätzliche Live-Übertragung via Internet ist nicht angedacht. „Für solche Hybrid-Veranstaltungen ist uns der technische und rechtliche Aufwand zu groß“, erklärt Falkenhahn.

Angelegt ist der Abend auf zwei Stunden. Ein Großteil soll für Bürgerfragen und vor allem für eine Aussprache zu den Windkraft-Plänen reserviert sein. „Bisher sind die Reaktionen überwiegend positiv“, sagt Falkenhahn, „aber es soll auch Kritik zu Wort kommen können“.

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