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Zwang, Druck, Frust – Schüler verlieren die Lust

Wenn man dem Ausbruch der Corona-Epidemie in Deutschland etwas Positives abgewinnen will, dann vielleicht, dass wir durch das Virus wieder mehr über gute Bildung diskutieren. Lange Jahre hat sich Schule weitgehend immun oder skeptisch gegenüber der digitalen Transformation unserer Gesellschaft gezeigt. Kreidetafel statt Cloud-Computing, Overheadprojektor statt Tablet-Klasse, so schien das Motto zu lauten.

Dann kam Covid-19, und die Lehrkräfte waren praktisch über Nacht gezwungen, ihre knapp elf Millionen Schülerinnen und Schüler digital gestützt zu unterrichten. Funktioniert hat das besser als gedacht, aber immer noch weit entfernt von gut. Zumindest müsste nun auch dem letzten Schulleiter klar sein, dass digitale Infrastruktur und digitale Unterrichtsmethoden heute kein „Kann“ mehr sind, sondern ein „Muss“. Allerdings wäre es meiner Meinung nach fatal, anzunehmen, dass Schule im Jahr 2020 einzig an mangelnder Digitalität krankt. Ich befürchte, es gelingt vielen Schulen immer weniger, Kinder und Jugendliche zu erreichen, sie wirklich für das Lernen zu begeistern.

Klar: Das Lernen in der Schule war noch nie für alle ein grenzenloses Vergnügen. Anstrengung macht nicht immer Spaß. Aber wenn heute in einer Befragung nur ein Drittel der 10- bis 16-Jährigen sagt, dass sie gern im Unterricht lernen, dann ist das eindeutig zu wenig. Und damit nicht genug: Das Allensbach-Institut hat im Auftrag der Telekom-Stiftung unter anderem auch gefragt, was die Kinder und Jugendlichen mit Lernen verbinden. Die ernüchternde Erkenntnis: Mehr als die Hälfte assoziieren damit Zwang und Druck, 44 Prozent Frust. Nicht einmal jedem Vierten bereitet es Spaß.

So weit, so schlecht. Doch was lässt sich daraus für die Schulen ableiten? Ich glaube nicht, dass die Ergebnisse allein deshalb besser ausfielen, wenn morgen jeder Schüler ein Laptop im Ranzen, jedes Klassenzimmer WLAN und jede Lehrkraft das Know-how hätte, die Technik auch sinnvoll zu nutzen. Um wirklich etwas zu verändern, müssen wir weitere Aspekte von Schule verändern, und zwar ohne Denkverbote.

Sind die Lehrpläne noch zeitgemäß? Brauchen wir eine neue Schularchitektur, die kollaboratives Arbeiten fördert? Müssen wir neue Wege für Hausaufgaben und Leistungsnachweise finden? Warum bemessen wir als eines der wenigen Länder der Welt die Arbeitsleistung der Lehrer nur an gegebenen Unterrichtsstunden und nicht nach Arbeitszeit? Wie können wir den Schultag generell sinnvoller strukturieren? An solche Fragen müssen wir ran.

Auch das Verhältnis von Lehrenden und Lernenden bedarf in meinen Augen eines neuen Verständnisses: Wir können den Schülern mehr Eigenverantwortung für ihr Lernen übertragen, ihnen Erprobungsräume und Partizipation zugestehen. Wenn im Chemieunterricht heute überhaupt noch experimentiert wird, dann sind die Versuche zu oft wie Kochbuch-Rezepte angelegt: Aufbau, Durchführung und Ergebnis sind fest vorgegeben, Überraschungen quasi ausgeschlossen. Mit dem üblichen Weg von Erkenntnisgewinn hat das nichts zu tun. Wie soll man da als Schüler ein Gefühl von Selbstwirksamkeit, geschweige denn Freude am Lernen entwickeln?

Coding-Workshops und Umgang mit 3-D-Druckern

Begeisterung fürs Lernen wecken – an diesem Ziel scheitert Schule leider immer noch viel zu häufig. Stattdessen machen andere inzwischen vor, wie es geht. Wer öffentliche Bibliotheken nutzt, wundert sich, wie viele junge Menschen man dort trifft, und zwar längst nicht nur zum Bücherausleihen. Die Bibliotheken haben in den letzten Jahren ihr Image komplett abgelegt und sich zu echten Lernorten des 21. Jahrhunderts gewandelt. Man kann dort etwa Coding-Workshops besuchen oder lernen, wie man mit einem 3-D-Drucker arbeitet. Und damit sind sie nicht allein: Auch in Makerspaces, Fab-Labs, Jugendhäusern und Repair-Cafés können junge Menschen heute ganz ohne Leistungs- und Notendruck Kompetenzen erwerben, die in der Welt von morgen unverzichtbar sein werden.

Und sie nehmen diese Angebote gerne an. Mangelnde Wissbegierde ist also nicht das Problem, wie übrigens auch die Allensbach-Studie zeigt: So erklären satte 85 Prozent der Befragten, dass sie eigentlich durchaus gerne lernen, nur eben nicht für die Schule, sondern für ihre privaten Interessen, also im Rahmen von Hobbys und anderen Freizeitaktivitäten.

Wird Schule also in Zukunft überflüssig? Selbstverständlich nicht! Sie ist und bleibt für Kinder und Jugendliche der zentrale Bildungsort, an dem diese wichtiges Basiswissen in Deutsch und den Fremdsprachen, in Mathematik, Geografie und den Naturwissenschaften erwerben, außerdem überfachliche Kompetenzen wie kritisches Denken, Kreativität und Teamfähigkeit.

Ich finde nur, sie muss sich öffnen: Meine Vorstellung ist ein System, in dem die Orte der formalen Bildung, also die Schulen, engmaschig mit den Orten der informellen Bildung vernetzt sind, in dem sie aufeinander einwirken und voneinander lernen. So wie die verschiedenen Organismen in einem Ökosystem. Nur mit einem solchen Bildungs-Ökosystem schaffen wir die Grundlagen, um Kinder und Jugendliche optimal auf die Zukunft vorzubereiten.

An einigen Stellen unserer Stiftungsarbeit gelingt es uns heute schon recht gut, Schule mit außerschulischen Lernorten zusammenzubringen. Das große Engagement aller Beteiligten zeigt uns, dass wir damit auf dem richtigen Weg sind. Vor allem die Schüler haben richtig Spaß dabei – weil sie als Lernende ernstgenommen werden, und weil die Lerninhalte nah an ihrer Lebenswelt sind. Ich würde mir wünschen, dass solche Beispiele innovativer Praxis im wahrsten Sinne des Wortes „Schule machen“.

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