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Zweiter Tag im Lübcke-Prozess - Neonazi Stephan Ernst heult vor Gericht

Frankfurt/Main – Der Mord am Kasseler Regierungspräsidenten Walter Lübcke († 65). Angeklagt: sein mutmaßlicher Mörder, Stephan Ernst (46). Am ersten Prozesstag hatte er noch eiskalt gewirkt. Am Donnerstag kriegte er das Heulen. Grund: die Vorführung des vierstündigen Vernehmungsvideos. Darin hatte er die Bluttat, die er inzwischen bestreitet, gestanden.

Dieser Satz löste den Heul-Anfall aus: „Ich habe damals meinen Kindern gesagt: Wenn Ihr in die Schule geht, hört auf Eure Lehrer. Denn was ich euch nicht vermitteln kann, können sie vielleicht.“ Tochter und Sohn waren damals 15 und 17 Jahre alt.

Im Video spricht der Zerspahnungsmechaniker von der rechten Szene, aus der er 2010/2011 habe aussteigen wollen. 2013/2014 aber habe sich sein Weltbild „langsam wieder aufgebaut“.

Irmgard Braun-Lübcke und ihre Söhne Christoph Lübcke (M) und Jan-Hendrik Lübcke am zweiten Verhandlungstag
Irmgard Braun-Lübcke und ihre Söhne Christoph (Mitte) und Jan-Hendrik Lübcke am zweiten VerhandlungstagFoto: Fredrik von Erichsen

Der Neonazi wollte auspacken. In der Vernehmung am 25. Juni 2019 berichtet er von der Bürgerversammlung 2015 in Lohfelden. Zusammen mit seinem Komplizen Markus H. (mitangeklagt wegen Beihilfe zum Mord) erregt er sich über Lübckes flüchtlingsfreundliche Rede: „In diesem Moment war er bei mir auf dem Schirm.“ Er beginnt ihn auszuspionieren, mit wachsendem Hass. Die Anschläge von Nizza und Berlin ... „Ich habe in ihm jemanden gesehen, der dafür mitverantwortlich ist.“

Ernst will „Herrn Lübcke was antun“. 2017 und 2018 fährt er mit geladener Waffe nach Wolfhagen-Istha, wo Lübcke wohnt, fährt wieder heim. Und dann, in der Nacht auf den 2. Juni 2019, setzt er seinen Entschluss um. Wieder ist Kirmes.

Kassel, 19.30 Uhr. Ernst steigt in seinen VW-Caddy. In seiner Umhängetasche: ein Revolver Taurus 38. In Istha lauert er drei Stunden lang, behauptet im Verhör: „Ich habe mir gewünscht, dass er nicht erscheint.“ Doch Lübcke erscheint.

Markus H. (44) ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagt
Markus H. (44) ist wegen Beihilfe zum Mord angeklagtFoto: Fredrik von Erichsen

Ernst erspäht sein Opfer auf der Terrasse. Der Schein seines Smartphone-Displays habe ihn „verraten“. Gegen 23.25 Uhr passiert es, aus zwei Metern Nähe. „Er hat nur meinen Schatten gesehen, wollte noch gucken. Ich habe auf Kopfhöhe gehalten und abgedrückt.“

Ernst fährt heim, duscht, geht zu Bett. Zwei Wochen später: Festnahme!

Am 2. Juli widerruft Ernst sein Geständnis, beschuldigt nun Markus H. Bundesanwalt Dieter Killmer zu BILD: „Der Umstand, dass die Angaben widerrufen worden sind, führt nicht dazu, sie ungeschehen zu machen.“


Fortsetzung 30. Juni.

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