Austria

Corona und Innenräume: Wie man Infektionen drinnen vorbeugt

Das tägliche Leben findet in der kälteren Saison vermehrt in Innenräumen statt. Wie man Infektionen dort vorbeugt.

© Getty Images/iStockphoto/Svetlana Krivenceva/iStockphoto

Das Leben verlagert sich nun in Innenräume. Experten raten zu Kohlendioxid-Ampeln, bestimmten Raumtemperaturen und richtigem Lüften.

von Marlene Patsalidis

Mit den sinkenden Temperaturen verlagert sich der Alltag von draußen zunehmend nach drinnen. Das neuartige Coronavirus ist nach wie vor präsent – groß ist die Angst vor weiter ansteigenden Infektionszahlen. Schon bisher hätten sich die meisten Ansteckungen in Innenräumen abgespielt, betont Michael Wagner, Leiter des Zentrums für Mikrobiologie und Umweltsystemwissenschaft an der Uni Wien.

"SARS-CoV-2 kann in Räumen bis zu zwei Stunden infektiös bleiben", erläutert er. "Je mehr Menschen in einem Raum sind, je kleiner er ist und je geringer der Luftwechsel, desto höher das Risiko."

Entscheidend ist, wie viele Tröpfchen und Aerosole Anwesende in einem Raum produzieren. Lautes Sprechen, Singen, Schreien, intensive Atmung beim Sport: All das erhöht die Zahl der potenziell virusbeladenen Partikel in der Luft, heißt es in einem kürzlich veröffentlichten Papier des im Umweltministerium angesiedelten "Arbeitskreis Innenraumluft".

Frischluft-Barometer

Darin schlagen Experten unter anderem das Anbringen von CO2-Messgeräten bzw. Kohlendioxid-Ampeln in Klassenzimmern vor. Da der Mensch über keinen zuverlässigen körperlichen Sensor für Luftqualität verfügt, "ist der CO2-Gehalt in der Luft ein guter Indikator dafür, wie viel Frischluft in den Raum hineinkommt", sagt Martin Kriegel, Leiter des auf Heizung, Lüftung und Klimatisierung von Innenräumen spezialisierten Hermann-Rietschel-Institutes. Ähnlich sieht es Mikrobiologe Michael Wagner: "CO2-Messer können wertvolle Anhaltspunkte geben, da die Konzentration des Gases in schlecht belüfteten Räumen schnell ansteigt."

Grün heißt, es ist eine solide Frischluftzufuhr gewährleistet. Gelb bedeutet, dass mehr gelüftet werden sollte, Rot signalisiert eine hygienisch bedenkliche Konzentration, die in der Regel zusammen mit anderen Luftverunreinigungen – insbesondere Geruchsstoffen (etwa aus dem Schweiß oder von Kosmetika) sowie Mikroorganismen – auftritt. Wird drinnen ein CO2-Wert von 1.000 ppm (parts per million, wörtlich übersetzt "Anteile pro Million") überschritten, sollte gelüftet werden.

Allerdings schützt eine CO2-Konzentration von unter 1.000 ppm nicht automatisch vollständig vor Infektionen. Umgekehrt kann eine höhere Konzentration aber das Risiko erhöhen.

Lüften lernen

Mithilfe von CO2-Ampeln lässt sich jedenfalls effektives Lüftungsverhalten erlernen, ist Experte Kriegel überzeugt. Allgemein werde der Lüftungsbedarf unterschätzt. In Schulen, aber auch vielen Büros, werde meist per Fenster gelüftet. "Dann ist man als Raumnutzer für die Luftqualität verantwortlich."

Um engagiertes Lüften wird man in den kommenden Monaten also kaum herumkommen. Doch wie macht man es effizient? "Wichtig ist, belebte Räume häufig stoßzulüften, um die Virenkonzentration zu verringern", schickt Wagner voraus. Eine konkrete Faustregel lasse sich nicht aufstellen, "da die Häufigkeit von der Zahl der Personen und dem Raumvolumen abhängt". Dauerlüften mit gekippten Fenster bringe vergleichsweise wenig.

Das Umweltministerium rät, in Schulen alle 20 Minuten "intensiv zu lüften". Auch verbaute Frischluftsysteme seien in Zeiten der Pandemie von Vorteil. Vorsicht gilt bei Klimaanlagen mit hohem Umluftanteil (hier kommt wenig oder keine Zuluft von außen ins Gebäudeinnere). Sie können zur Aufkonzentration von virushaltigen Aerosolen beitragen und eine Gefahrenquelle darstellen. Wenn möglich, sollten Klimageräte zu 100 Prozent auf Außenluft umgeschaltet und bei Neuanschaffungen oder älteren Produkten darauf geachtet werden, dass hochwertige Filter eingebaut sind.

Trockenheit vermeiden

"Aerosole sind überall und verteilen sich relativ schnell, dessen muss man sich bewusst sein", erinnert Kriegel. Durch Luftbewegungen können Partikel innerhalb von kurzer Zeit über mehre Meter transportiert und so im Innenraum verteilt werden.

Die Raumtemperatur sollte in Covid-Zeiten 22 Grad nicht übersteigen, empfehlen Forscher der Yale University. Denn im Winter liegt die Luftfeuchtigkeit in beheizten Räumen oft unter 30 Prozent. Eine neue Studie zeigt, dass virushaltige Aerosole sich in trockener Raumluft länger halten. "Das ist physikalisch logisch", sagt Kriegel. "Wir atmen fast ausschließlich sehr kleine Partikel aus. Ist es trocken, verdunsten sie, werden noch winziger und schweben länger in der Luft – und werden von Gesunden eingeatmet."

Menschliche Schleimhäute seien durch trockene Raumluft anfälliger für virale Infektionen, ergänzt Wagner. "Wir wissen von anderen Coronaviren, dass sie von geringer Luftfeuchtigkeit und niedrigen Temperaturen profitieren und primär im Winter zirkulieren." Neben dem Lüften sei ausreichende Raumluftbefeuchtung eine relevante Vorsichtsmaßnahme – "die im Übrigen auch zur Reduktion anderer Erkältungskrankheiten beitragen würde".

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