Austria
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Diese WM wird von Flügelspielern entschieden

Eine Fifa-Arbeitsgruppe hat die Vorrunde analysiert: wie und wann Tore fallen – und warum nicht alle Teams mehr laufen müssen.

Doha/Wien. Noch dauert es, bis im Finale am 18. Dezember in Katar der neue Weltmeister gekürt wird, die ersten Erkenntnisse dieser Endrunde aber hat eine technische Studiengruppe des Weltverbandes unter der Leitung von Arsène Wenger bereits gewonnen. Ein Überblick der Schlüsse, die das siebenköpfige Gremium, dem unter anderem auch der frühere deutsche Teamchef Jürgen Klinsmann angehört, aus der Analyse der Vorrundenspiele gezogen hat.

Weniger Torschüsse: Konsequenz der fehlenden Mittelstürmer

Die Zahl der Torschüsse pro Partie ist markant nach unten gegangen. 2010 in Südafrika lag sie noch bei 14,1. Über 12,9 und 12,0 bei den folgenden Turnieren ist sie nun bei 10,9 angekommen. „Offenbar wird das Zentrum besser geschützt“, stellte Wenger fest. Kurios: Deutschland hatte mit 67 Torschüssen die meisten vor Brasilien und Frankreich (beide 52), ist aber dennoch ausgeschieden. „Einerseits waren sie nicht genau genug, andererseits gab es einen Mangel an einem echten Neuner“, stellte Klinsmann fest. Nicht minder auffällig war die Tatsache, dass Polen und Australien mit je 20 die wenigsten Torschüsse verbuchten und dennoch weiterkamen. „Teams, die über Konter kamen, waren manchmal effektiver“, sagte Wenger.

Weniger Tore in der Nachspielzeit: Wechsel kompensieren Verschleiß

Ausgerechnet die WM-Endrunde, die exorbitante Nachspielzeiten von bis zu zehn Minuten oder mehr sieht, hat weniger Tore nach der 90. Minute gesehen. 2018 in Russland waren es noch 21, diesmal lediglich zwölf. „Manche Spiele waren schon entschieden“, sagte Wenger: „Und wir vermuten, dass durch die Erhöhung auf fünf Wechsel viele am Ende konzentrierter verteidigen konnten.“

Mehr Rückpässe: Trend zum aktiv mitspielenden Torhüter hält an

Bei der WM vor vier Jahren gab es in der Vorrunde 443 Rückpässe zu den Torhütern, in Katar hat sich diese Zahl auf 726 fast verdoppelt. „Sie sind der erste Spielmacher, das Rückgrat der Mannschaft. Das ist wichtig für die Ausbildung der künftigen Torhüter“, erklärte Klinsmann. Unter anderem deshalb ist der erwartete Anstieg an Pressing-Situationen ausgeblieben. Die Zahlen sind quasi konstant gelieben. „Das hängt sicher mit der Einbeziehung der Torhüter zusammen“, sagte Wenger.

Mehr Kilometer: Auf den Ort der Balleroberung kommt es an

Die US-Spieler waren mit rund 123 Kilometern pro Spiel die Dauerläufer. Ecuador ist mit 105 Kilometern Letzter, Deutschland mit 117 Kilometern Vierter unter den 32 Teilnehmern. Argentinien und Brasilien stehen weit hinten, aus gutem Grund: In der Tabelle der Ballrückeroberungen sind sie ganz vorn. „Dadurch mussten sie weniger laufen“, erklärte Wenger.

Klares Flanken-Plus: Der Weg zum Torerfolg führt über die Außen

58 Prozent der Chancen wurden über außen vorbereitet, die Zahl der über die Flügel eingeleiteten Treffer stieg um 83 Prozent. „Bessere Flügelstürmer werden immer wichtiger“, sagte Wenger: „Und Außenverteidiger, die gute Flanken schlagen können, auch.“ Wichtig sei aber auch, auf den Flügeln das Eins gegen Eins zu suchen, gab Klinsmann zu bedenken. Unter anderem deshalb sei Südamerika führend bei Angriffen über außen.

Kadergröße: Nur Fixaufsteiger schöpfen (fast) alle Optionen aus

Erstmals durften die Nationaltrainer 26 statt wie bisher 23 Spieler nominieren. Brasilien hat 25 eingesetzt, Frankreich und Portugal 24 – also jene Teams, die als Fixaufsteiger im dritten Gruppenspiel rotierten. Das andere Extrem: Kroatien kam mit 16 Spielern aus. (DPA/red.)