Austria

In Linz soll Energieprojekt für Wasserstoff besiegelt werden

LINZ. Die Energieminister der Mitgliedsländer treffen sich in der Landeshauptstadt Wasserstoff statt Koks: voestalpine liefert Modell für schadstoffarme Stahlhütte.

In Linz soll Energieprojekt für Wasserstoff besiegelt werden

Ministerin Köstinger sucht in Linz Kompromiss.

Beim EU-Ministerrat am Montag und Dienstag in Linz soll ein weiterer Schritt zu einer europäischen Energieunion gesetzt werden. Außerdem will die Ratsvorsitzende in Energiefragen, Österreichs Ministerin Elisabeth Köstinger, ein Wasserstoffprojekt als schadstoffarme Energiequelle der Zukunft anstoßen.

Dafür ist die oberösterreichische Landeshauptstadt der ideale Ort, denn nach jahrelanger Vorarbeit hat der voestalpine-Konzern im April gemeinsam mit Siemens und Verbund den Bau einer Pilotanlage zur Herstellung von "grünem" Wasserstoff gestartet. Mit ihr soll die Stahlerzeugung von Koks auf schadstoffarme Energie umgestellt werden. Nur wenn die Eisen- und Stahlindustrie diesen Sprung schafft, wird es gelingen, das Klimaschutzziel von minus 80 Prozent Treibhausgasausstoß bis 2050 zu erreichen.

Speicherlösungen gesucht

Köstinger, Ministerin für Nachhaltigkeit und Tourismus, erklärte vor dem Gipfelstart, dass sie die Minister aus den Mitgliedsländern in Linz für den Beitritt zu einer Wasserstoff-Initiative gewinnen wolle. "Um erneuerbare Energien jederzeit nutzen zu können – auch wenn die Sonne nicht scheint, der Wasserstand niedrig ist oder der Wind nicht weht –, sind Speicherlösungen essenziell", sagt die VP-Politikerin.

Dafür biete sich an, die erneuerbaren Energieformen in Wasserstoff umzuwandeln und dann bei Bedarf abzurufen. Dieser könne auch im Gasnetz gespeichert und als Kfz-Treibstoff genutzt werden. Mobilität könne nicht allein elektrisch erreicht werden; die EU-Politik solle offen für Wasserstoff und Gas sein.



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Reserve an Kraftwerken

Daher wird sich mit dem Thema die "High Level Conference" mit rund 200 Experten, die schon heute, Montag, in Linz tagen wird, beschäftigen. Der offizielle Ministerrat wird dann am Dienstag im Design Center stattfinden. Hier wird das "Clean Energy Package" im Mittelpunkt stehen, mit dem die EU ihre Klimaziele aus dem Pariser Vertrag erreichen will und das noch während der österreichischen Ratspräsidentschaft, also bis Ende des Jahres, beschlossen werden soll.

Am Ende soll ein einheitlicher europäischer Energiemarkt, die Energieunion, stehen. Dabei wird der gemeinsame Rat am Dienstag das neue Strommarktdesign diskutieren, weil die elektrische Energie noch weit von einem Binnenmarkt entfernt ist. Dazu müsse eine Abkehr von fossilen Quellen wie Kohle und Öl erfolgen, sagt Köstinger. Ziel sei es vorerst, für den Strommarkt Reservekapazitäten, z.B. an Kohlekraftwerken, festzulegen, damit die Versorgungssicherheit gewahrt bleibt.

Konflikt um Abgasziele

Politisch pikant wird das Linzer Treffen, weil EU-Energiekommissar Miguel Arias Cañete erst im August Öl in die Klimaschutzdebatte gegossen hatte. Er schlug vor, das Abgasziel der Gemeinschaft von minus 40 auf minus 45 Prozent bis 2030 (Basis 1990) zu erhöhen. Das sei erreichbar. Das war sogar der deutschen Bundeskanzlerin Angela Merkel zu viel; sie will die Wirtschaft beruhigen.

In Linz soll Energieprojekt für Wasserstoff besiegelt werden

Erst im Juni hatten Vertreter der Mitgliedsländer, des Parlaments und der Kommission verschärfte Ziele bei der Energieeffizienz beschlossen: 32,5 Prozent Verbrauchssenkung bis 2030. Als Anteil erneuerbarer Energie am Gesamtverbrauch waren zuvor 32 Prozent festgelegt worden.

Wasserstoff

Geschrieben und geredet wird in erster Linie über Elektromobilität. Viele Experten sagen jedoch, dass Batterien wegen des Rohstoffmangels, der Kosten und der geringen Speicherkapazität bestenfalls eine Teillösung der Klimaproblematik sein können.

Wasserstoff dagegen sei der Treibstoff von morgen, weil er unbegrenzt vorhanden, sehr gut speicherbar und im bestehenden Gasnetz transportierbar sei. Es braucht allerdings eine Brennstoffzelle, um die Wasserstoffatome zu spalten und daraus dann Strom zu erzeugen. Brennstoffzellen sind doppelt so effizient wie herkömmliche Verbrennungsmotoren.

Power to Gas: Überschüssiger, nicht speicherbarer Wind- und Sonnenstrom könnte in Gas umgewandelt und so transportiert und gespeichert werden. Über eine Brennstoffzelle wäre die Energie breit nutzbar, ob in Autos, Wohnhäusern oder Betrieben. Eine besondere Herausforderung wird es sein, Wasserstoff für die Dekarbonisierung industrieller Prozesse, etwa in der voestalpine, nutzbar zu machen.

Konferenzsplitter

FOSSILE ENERGIE TEURER: Vor dem Start des Ministerrates erhalten die Verfechter erneuerbarer Energiequellen Rückenwind. Die Internationale Energieagentur warnt vor steigenden Ölpreisen, weil die Exporte des Irans und Venezuelas weiter sinken würden. Die Rohölsorte Brent überschritt erstmals seit Jahren wieder die 80-Dollar-Marke (je Fass zu 159 Liter).

GEGEN ATOMKRAFT: Der grüne Umweltlandesrat Rudi Anschober nutzt den Ministerrat in Linz, um auf seinen Widerstand gegen Atomenergie aufmerksam zu machen. Parallel dazu ruft er für Dienstag zur vierten Konferenz der „Allianz der Regionen für einen europaweiten Atomausstieg“. Getagt wird in Linz ab 10 Uhr.

VORZEIGEPROJEKTE: Beim Ministerrat erhalten 13 heimische Unternehmen die Chance, Lösungen und Produkte zu präsentieren. Darunter ist auch das Startup Pöttinger-Fermenter aus Grieskirchen. In mobilen Containern wird dabei aus Bioabfall klimaneutrale Energie gewonnen und als Nebenprodukt Kompost. Das ist ideal für Betriebe und Kommunen mit viel Bioabfall.

UMLEITUNGEN: Aufgrund der Konferenz im Zuge des Ministertreffens kommt es heute in Linz ab zirka 16 Uhr zu Behinderungen im öffentlichen Verkehr, wie die Linz AG mitteilte. Die Busse der Linien 26, 27 und 192 müssen bis zirka 23.30 Uhr im Streckenabschnitt Museumstraße und Theater/Kapuzinerstraße jeweils in beide Fahrtrichtungen umgeleitet werden. Bedarfsweise werden Ersatzhaltestellen eingerichtet. Genaue Informationen für die Fahrgäste gibt es an den betroffenen Haltestellen.

GIPFEL: Gleich nach dem Energieminister-Treffen in Linz findet am 19. und 20. September mit dem Gipfel der EU-Staats- und Regierungschefs in Salzburg der bisherige Höhepunkt von Österreichs Ratspräsidentschaft statt. Schwerpunkt-Themen werden die Migrationspolitik und der bevorstehende EU-Austritt Großbritanniens sein.

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