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Paranormal: Ein grantiger Ghostbuster

Mit seiner ersten ägyptischem Serie „Paranormal“ will sich Streamingdienst Netflix im arabischen Raum etablieren. Sehenswert. Eine Mumie kommt freilich auch vor.

Der Hämatologie-Professor Dr. Refaat in der Serie „Paranormal“ will partout nicht an Geister glauben, dabei sieht er doch ständig einen: ein Mädchen namens Shiraz. Das Kind mit dem weißen Kleid und dem langen schwarzen Haar taucht im Stiegenhaus seines Hauses in Kairo auf, versteckt sich hinter einem Vorhang, spiegelt sich in einer Fensterscheibe – und jedes Mal zuckt Refaat zusammen. Dabei kennt er Shiraz schon seit seiner Kindheit. Damals freundete er sich mit dem mysteriösen Mädchen an. Er spielte mit ihr Verstecken in einem verwinkelten Herrenhaus. Dann lockte sie ihn auf das Dach, wollte, dass er hinunterfällt – auf dass er ewig bei ihr bleibe. Refaat wurde gerettet, doch nach seinem 40. Geburtstag passieren immer häufiger mysteriöse Dinge um ihn herum. Und immer scheint Shiraz daran beteiligt zu sein. Bald begegnet Refaat einem Ungeheuer, einer Sirene und – wie könnte es in Ägypten anders sein? – auch einer Mumie. Ein Monster pro Folge: Das ist nicht sonderlich originell, erzeugt aber Spannung.

„Paranormal“ ist die erste ägyptische Serie von Netflix. Sie basiert auf einer Bestsellerreihe von Ahmed Khaled Tawfik, von dem bisher nur ein Roman ins Deutsche übersetzt wurde. Netflix will sich mit der Serie im arabischen Raum etablieren und hat auch drei weitere ägyptische Produktionen in Auftrag gegeben. „Paranormal“ zielt aber nicht nur auf arabisches Publikum ab, sondern will auch international funktionieren.

Zeitlich ist die Serie in den 1960er-Jahren angesiedelt, einmal muss die ganze Familie vor einem Bombenangriff in den Keller flüchten. Warum, wird nicht erklärt. Die Politik bleibt im Hintergrund. Mit Refaats schottischer Kollegin Maggie (Razane Jammal), seiner Schwester Reefa (Samma Ibrahim) und seiner jungen Verlobten, Huwaida (Aya Samaha) gibt es auch drei starke Frauenfiguren, die alle kein Kopftuch tragen.

Er nimmt stets das Schlimmste an

Die Figur Refaat (Ahmed Amin) selbst, ein Geisterjäger wider Willen, knüpft an Bekanntes an: Er hat etwas von einem grantigen „Ghostbuster“ ohne technischen Schnickschnack, einem uncoolen Indiana Jones und etwas von der skeptischen FBI-Agentin Scully aus „Akte X“. Was Refaat abhebt, ist sein schwarzer, trockener Humor, den man in inneren Monologen hört. Gern zitiert er Murphys Gesetz: „Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen.“ Seine Kaffeetassen fallen ständig grundlos um, auf seinen besten Anzug fällt Vogelkot, einmal kracht der Kronleuchter auf seinen Esstisch. Refaat nimmt das stoisch hin. Murphys Gesetz ist für ihn nicht nur Lebensweisheit, sondern Lebenseinstellung: Man kann ohnehin nichts gegen sein Unglück tun.

„Paranormal“ spart mit Schockmomenten und lotet im Gegensatz zu anderen Mysteryserien die Grenzen des Erträglichen nicht aus, das ist sympathisch. Das Gruselige kippt manchmal ins Romantische, ins Rührende sogar. So kann es vorkommen, dass einem die Tränen kommen – aus Mitleid mit einem Geist.

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